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27. Juli 1999, 15:05 Uhr

Hintergrund

Die Steueraffäre Zwick

Hof - Der Ausgangspunkt von Bayerns größter Steueraffäre um den Bad Füssinger Bäderkönig Eduard Zwick liegt 30 Jahre zurück:

1969: Eduard Zwick baut für 40 Millionen Mark das Johannesbad. Er verdient mit der Thermalquelle Millionen, zahlt aber "hartnäckig und aus innerer Überzeugung" keine Steuern.

1982: Eduard Zwick flüchtet vor den Forderungen des Fiskus in Höhe von 41 Millionen Mark und der Strafverfolgung in die Schweiz.

1984: Sohn Johannes Zwick verhandelt im Auftrag seines Vaters mit den bayerischen Finanzbehörden wiederholt über eine gütliche Beilegung des Steuerstreits, eine Einigung scheitert jedoch an Eduard Zwick, der allenfalls zehn Millionen Mark in Raten zahlen will.

1988: Nach familieninternen Vermögensumschichtungen übergibt Johannes Zwick dem Finanzministerium eine Aufstellung über das Inlandsvermögen seiner Eltern in Höhe von rund 25 Millionen Mark. Das Weltvermögen schätzen die Behörden auf mehr als 300 Millionen Mark.

1990: Das bayerische Finanzministerium verfügt die Niederschlagung der einschließlich Zinsen und Säumniszuschlägen auf 71 Millionen Mark angewachsenen Steuerschuld gegen eine Einmalzahlung von 8,3 Millionen Mark.

1993: Nach Bekanntwerden des Steuerskandals hebt Finanzminister Georg von Waldenfels die Vereinbarung vom November 1990 auf.

1994: Der frühere Finanzminister Gerold Tandler (CSU) tritt wegen angeblicher Verstrickung in die Steueraffäre Zwick von seinem Amt als CSU-Vize zurück. Tandler hatte 1976 von Zwick ein Darlehen über 700.000 Mark erhalten. Die CSU-Mehrheit eines Untersuchungsausschusses im Landtag stellte keine politische Einflußnahme der Staatsregierung in der Steueraffäre fest.

1995: Johannes Zwick muß sich vor dem Landgericht Landshut wegen Betrugs und Steuerhinterziehung verantworten.

1996: Johannes Zwick zahlt die Steuerschulden seines Vaters in Höhe von 32,6 Millionen Mark. Nach 59 Verhandlungstagen wird der Sohn des Bäderkönigs zu einer Bewährungsstrafe von 22 Monaten sowie zur Zahlung von 1,63 Millionen Mark verurteilt.

1997: Der Bundesgerichtshof hebt das Urteil gegen Zwick junior wegen Verjährung weitgehend auf. Der Vorwurf der Beihilfe zur Steuerhinterziehung durch Unterlassen wird zur erneuten Verhandlung an das Landgericht Hof verwiesen.

1998: Der Eduard Zwick stirbt im März im Alter von 76 Jahren in der Schweiz. Auf dem Sterbebett setzt er in einem juristisch umstrittenen Nottestament seinen Halbbruder Josef Zwick, einen Arzt aus Hessen, als Alleinerben ein. Das auf 300 Millionen Mark geschätzte Vermögen der Zwicks bleibt weitgehend verschollen.

1999: Johannes Zwick muß sich seit 23. März vor dem Landgericht Hof wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung durch Unterlassen verantworten. Laut Anklage hätte er die Behörden im Herbst 1990 auf das unrichtige Vermögensverzeichnis von 1988 aufmerksam machen müssen. Johannes Zwick wird am 27. Juli freigesprochen.

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