Merkel im Katastrophengebiet »Wir müssen uns sputen im Kampf gegen den Klimawandel«

Angela Merkel ist in die stark betroffene Gemeinde Schuld gereist. Die Situation sei »gespenstisch«, sagte die Kanzlerin. Angesichts der Zerstörungen fordern Merkel, Söder und Scholz stärkeren Klimaschutz.
Angela Merkel und Malu Dreyer in Schuld: Schwerste Hochwasserkatastrophe seit Jahrzehnten

Angela Merkel und Malu Dreyer in Schuld: Schwerste Hochwasserkatastrophe seit Jahrzehnten

Foto: Christof Stache / dpa

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist am Sonntag zu einem Besuch in den vom Hochwasser betroffenen Gebieten in Rheinland-Pfalz eingetroffen. Gegen Mittag war Merkel in der kleinen Eifelgemeinde Schuld, in der mehrere Häuser eingestürzt sind. Begleitet wurde die Kanzlerin unter anderem von der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD).

Es sei eine »surreale, gespenstische Situation« in Schuld, sagte Merkel, sie habe sich selbst ein Bild davon machen wollen und stehe an der Seite der betroffenen Menschen. »Die deutsche Sprache kennt kaum Worte für die Verwüstung, die hier angerichtet ist.« Die Bilder seien »unfassbar«. Merkel versprach: »Bund und Länder werden gemeinsam handeln, um die Welt wieder Schritt für Schritt in Ordnung zu bringen.« Die Bundeswehr werde so lange bleiben, wie sie gebraucht werde.

Bereits am Mittwoch werde die Bundesregierung ein Programm verabschieden, sagte Merkel. Es sei sowohl schnelle Hilfe gefragt als auch ein langer Atem. Deutschland sei glücklicherweise ein starkes Land, das sich die Hilfe finanziell leisten könne.

Sie sei sicher, sagte Merkel weiter, dass die bundesweite Solidarität noch lange anhalten werde. Die Kanzlerin rief zu Geldspenden auf, die Hilfe müsse gut koordiniert werden. Merkel kündigte zudem an, im August wiederkommen zu wollen.

»Wir müssen uns sputen im Kampf gegen den Klimawandel«

Im Katastrophengebiet sehe man, mit welcher Gewalt die Natur agieren könne, sagte Merkel weiter. Sie versprach eine Politik, die mittel- und langfristig das Klima stärker in Betracht ziehe als in den vergangenen Jahren. Nicht ein Hochwasser sei ein Indiz für den Klimawandel, aber in den vergangenen Jahrzehnten hätten sich die Schadenereignisse gehäuft. »Wir müssen uns sputen im Kampf gegen den Klimawandel«, sagte Merkel. Deutschland müsse sich »noch mehr vornehmen«. Das Land müsse auch die Anstrengungen im Bereich der Anpassung an die Erderwärmung verstärken.

Nach den Statements der Politikerinnen gab es eine Fragerunde für Journalistinnen und Journalisten, eine Bürgerin stellte eine Frage zur Gesundheitsversorgung. Als Malu Dreyer der Frau antwortete, ermahnte Merkel eine »Bild«-Journalistin. »Können Sie vielleicht die Dame noch zuhören lassen, was die Ministerpräsidentin sagt, und hinterher Ihr Interview machen? Das wäre doch super.«

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Bisher 156 Tote in Deutschland

Die Unwetterkatastrophe im Landkreis Ahrweiler hat mindestens 110 Menschen getötet, 670 Menschen wurden verletzt. In der Region wird weiter nach Toten und Verletzten gesucht, sodass sich die Opferzahl noch weiter erhöhen könnte. Strom- und Telefonleitungen sind teils unterbrochen.

Während sich in der Eifel und im Südwesten von NRW die Wassermassen vielerorts zurückgezogen haben, sorgten neue Regenfälle in Südostbayern, der Sächsischen Schweiz und Österreich für Überschwemmungen. Besonders betroffen ist das Berchtesgadener Land. »Fahrzeuge auf den Straßen wurden zum Spielball der Wassermassen«, berichtete ein Einsatzleiter. Für Sonntag ist dort weiterer starker Regen vorhergesagt.

Bei der schwersten Hochwasserkatastrophe in Deutschland seit Jahrzehnten wurden viele Häuser zerstört. Brücken, Straßen und Bahnstrecken liegen in Trümmern. Insgesamt stieg die Zahl der Opfer auf mindestens 156.

Merkel in Schuld: »Surreal«

Merkel in Schuld: »Surreal«

Foto: SASCHA STEINBACH / EPA

Auch Scholz und Söder fordern mehr Klimaschutz

Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SDP) reiste gemeinsam mit Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) nach Berchtesgaden, das ebenfalls unter der Hochwasserkatastrophe leidet. Wie Merkel sprachen sie sich für stärkeren Klimaschutz aus. »Wir haben die letzten Tage einen unglaublichen Weckruf der Natur erlebt«, sagte Söder. Er sprach unter anderem von »Mini-Tsunamis«. Scholz sagte, die Katastrophe habe mit dem menschengemachten Klimawandel zu tun. Deutschland verfüge über die Technologien, die CO₂-neutrales Wirtschaften möglich machten.

Den Wiederaufbau bezeichnete Scholz als »nationale Aufgabe«. Bei der letzten Flutkatastrophe habe man fast 400 Millionen Euro als Soforthilfen bereitgestellt. Daran orientiere man sich nun. Beim langfristigeren Wiederaufbauprogramm gehe es »eher um Milliarden«.

slü/dpa