Höschen-Gate Paulis letztes Gefecht im Einkaufszentrum

Latex-Bilder, Höschen-Affäre - die ehrgeizige CSU-Frau Pauli ist ins Straucheln geraten. Heute lud die Landrätin zur Pressekonferenz in einem Einkaufszentrum: Zwischen Damen-Boutique Madeleine und Friseur TOP-Hair versuchte sie, ihren Ruf als Politikerin zu retten.

Von , Zirndorf


Zirndorf – Am Rande des Lidl-Parkplatzes hinterm Zirndorfer Einkaufszentrum hofft Gabriele Pauli noch auf eine politische Zukunft. Sie hofft trotzig. Ihr Gesicht hat diesen Jetzt-erst-recht-Ausdruck. Ja, die Freien Wähler würden auf ihren Austritt aus der CSU spekulieren. "Die glauben, dass sie mit mir über die Fünf-Prozent-Hürde bei der Landtagswahl 2008 kommen", sagt Gabriele Pauli. Nur kurz verengen sich ihre Augen. "Und das denke ich auch." Die CSU? Die sei "meine Partei – aber die Liebe kann nicht nur einseitig sein".

Pauli bei ihrer Pressekonferenz in Zirndorf: "Ich setze mich gern für die Bürger ein"
DDP

Pauli bei ihrer Pressekonferenz in Zirndorf: "Ich setze mich gern für die Bürger ein"

Aber wegen Politik ist sie nicht hier auf diesem Parkplatz gelandet. Und es war auch nicht die Politik, die sie gerade drinnen in der "Ladenpassage Pinderpark" eine Pressekonferenz hat abhalten lassen. Mit einer Fotostrecke im gestern veröffentlichten Lifestyle-Magazin "Park Avenue" hatte sie für Aufregung gesorgt: Sie hatte sich Latex-Handschuhe überstreifen, sich in leicht verruchten Posen fotografieren lassen. Dazwischen setzten die Magazin-Macher einen Text, der unter anderem von Paulis Unterhose handelte: "Sie zieht sie aus und lässt sie diskret in ihrer Handtasche verschwinden."

Gegen diese Art der Veröffentlichung will sich Gabriele Pauli wehren. Deshalb steht sie jetzt im eleganten dunkelbraunen Anzug mitten in der kalten, klinischen Ladenpassage. Vor der Damen-Boutique "Madeleine" und dem Friseur "TOP-Hair". Gegenüber das Café "Ambiente", aus dem alte Frauen herausschauen und Chris de Burgh von der Konserve dudelt. Es geht hier um persönliche Dinge, deshalb konnte Pauli die Pressekonferenz nicht in ihrem Landratsamt gleich gegenüber machen.

"Sehr meditative Bilder"

Die Auswahl der Fotos durch die "Park Avenue"-Macher, die Texte dazu – "das kann nicht seriös sein", sagt Pauli in die Runde der etwa 30 Journalisten. Es stecke wohl "die Absicht dahinter, mich in eine Ecke zu stellen, in der ich nicht stehe", sagt sie und meint damit wohl die Domina-Ecke. Sie sagt, die Redaktion habe ihr den Text und die Zusammenstellung der Fotos vorab nicht gezeigt. Bis heute habe sie überdies nichts von "Park Avenue" gehört. Die Magazin-Macher hingegen verwahrten sich gestern bereits gegen Paulis Vorwürfe.

An sich seien "da sehr schöne Bilder dabei, sehr meditative, sehr ruhige", doch durch Fotoauswahl und Text sei es "eine Verletzung meiner Privatsphäre", sagt Pauli. Ob sie das nicht habe erwarten können, ob sie denn nicht gewusst habe, worauf sie sich da einlasse? Wohl doch spätestens in jenem Moment, in dem ihr die Latex-Handschuhe gereicht wurden?, fragen die Reporter. "Also", sagt Gabriele Pauli, "schwarze Handschuhe sind schwarze Handschuhe". Punkt.

Sie habe einen Rechtsanwalt eingeschaltet, berichtet sie. Rechtliche Schritte gegen "Park Avenue" würden geprüft. Außerdem gelte "ab sofort": Medien, die die Bilder weiter verbreiteten, müssten mit rechtlichen Konsequenzen rechnen. Sie wisse jetzt, "dass es schwarze Schafe in den Medien gibt", bisher habe sie "immer viel Vertrauen gehabt".

Paulis Anwalt Ernst Fricke hat inzwischen mehrere einstweilige Verfügungen wegen massiver Verletzung des Persönlichkeitsrechts beantragt. In einer von Paulis Büro verbreiteten Mitteilung heißt es, dass die Angelegenheit auch dem Beschwerde-Ausschuss des Deutschen Presserates vorgetragen werde. Die einstweiligen Verfügungen richten sich nicht nur gegen "Park Avenue", sondern auch "Bild"-Zeitung, "AZ" sowie "Spiegel online".

Fricke sagte, die Veröffentlichung der Fotos sei gegen Paulis Willen erfolgt, ebenso sei der Text dazu in der "Park Avenue" mit Ausnahme einiger weniger Zitate nicht von ihr autorisiert worden. Lediglich eine Aufnahme in einem weißen Abendkleid sei zur medialen Verbreitung freigegeben worden. Im Textteil sei aus privaten Gesprächen zitiert worden, die nicht Teil des offiziellen Interviews gewesen seien, zudem seien voyeuristische Beobachtungen gemacht und niedergeschrieben worden.

Der Chefredakteur von "Park Avenue", Andreas Petzold, wies Paulis Vorwürfe unterdessen erneut zurück: "Ihre Klage entbehrt jeder Grundlage. Es ist bedauerlich, dass Frau Pauli nun auf dem Rücken von "Park Avenue" ein politisch motiviertes Rückzugsgefecht kämpft", sagte Petzold.

Paulis Wunsch: Zurück in den Dezember

Gabriele Pauli spricht auf der Pressekonferenz entschiedener, lauter als früher. Jener Unterton, den man wahlweise als ironisch oder naiv bezeichnen konnte, ist verschwunden. Bei ihrem Kampf gegen Edmund Stoiber und dessen Staatskanzlei hatte sie stets die Aura des Ihr-könnt-mir-gar-nichts verbreitet. Mit einem naiv fragenden "Ach so?", begannen ihre Sätze. Mit einem exaltierten Lachen endeten sie. Das ist vorbei. Das soll es aber nicht sein! Gabriele Pauli will zurück. Zurück in den Dezember, in den Januar, in den Februar. Als aus der Landrätin des kleinsten bayerischen Kreises die bekannteste CSU-Politikerin Deutschlands wurde. Sie hat das System Stoiber derart ins Wanken gebracht, dass die CSU-Fraktion mit Günther Beckstein und Erwin Huber an der Spitze ihm damals in Kreuth nur noch einen kleinen Schubs geben musste. Dann brach es zusammen.

Heute wollen sie in München nichts mehr wissen von der Landrätin aus Franken. Nach den Bildern in "Park Avenue", nach der Höschen-Affäre winken sie in der CSU-Führung nur noch müde ab: "Ach, die Pauli." Sie ist keine Bedrohung mehr. Und deshalb droht und fordert sie mehr denn je: "Die CSU weiß, dass ich einen bestimmten Stil vertrete, es wäre gut, mich zu integrieren." Zu SPIEGEL ONLINE sagte sie noch Anfang der Woche: "Ich will mehr Verantwortung für mehr Menschen übernehmen. Und da bleibt nicht mehr viel anderes als das Kabinett." Doch Bayerns designierter Ministerpräsident Beckstein hat das bereits ausgeschlossen.

Während Pauli einerseits ihren Kampf in der Höschen-Affäre kämpft, geht sie andererseits in die Offensive: In einem SPIEGEL ONLINE vorliegenden Antrag an den CSU-Vorstand fordert sie eine Mitgliederbefragung vor der Entscheidung des September-Parteitags über den neuen Vorsitzenden und den Spitzenkandidaten für die Landtagswahl.

Es war eben dieses Thema Mitgliederbefragung, mit dem sie im vergangenen Jahr in den Kampf gegen Stoiber zog. Es war das Thema, das sie groß gemacht hat. Jetzt soll es ihr wohl noch einmal helfen, als Krücke, um aus dem ganzen Tohuwabohu um ihre Person herauszukommen.

Paulis Problem: Sie kann nicht mehr zurück in die muffige Welt des Landratsamts von Zirndorf hinterm Lidl-Parkplatz. Zu viel ist geschehen in den letzten Monaten, sie war der Macht zu nah – und hat ihre eigene gespürt. Deshalb hat sie vor Wochen bereits erklärt, nicht noch einmal für den Landratsposten kandidieren zu wollen. Sie hat mit der freien Wirtschaft kokettiert. Wie man das als deutscher Politiker eben so macht. Gerhard Schröder konnte das meisterhaft. Aber der Mann war Bundeskanzler. Die Noch-Landrätin Pauli sagt jetzt im Einkaufszentrum: "Ich setze mich gern für die Bürger ein." Natürlich könne sie sich "auch für Produkte einsetzen - aber das wär's nicht so ganz".

Mit Material von AP und dpa



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