Fotostrecke

"HoGeSa"-Demo in Hannover: Gelangweilt und aggressiv

Foto: Dpa/ dpa

"HoGeSa" in Hannover Hooligans treten Rückzug früher an als geplant

3000 Hooligans und Rechtsextreme, fast genauso viele Gegendemonstranten, mindestens 5000 Polizisten: Die Stimmung in Hannover war aggressiv, die HoGeSa-Demo verlief aber ohne schwere Zwischenfälle.

Hannover - Auf ihren T-Shirts steht "Hoolizei" und "Anti-Sharia-Team", sie recken ihre Fäuste in die Luft und skandieren. Am Nachmittag wurde die Stimmung bei der Demo unter dem Motto "Europa gegen den Terror des Islamismus" von Hooligans und Rechtsextremen in Hannover aggressiv.

"Die Veranstaltung drohte zu eskalieren", twittert SPIEGEL-Redakteur Rafael Buschmann von der "Hooligans gegen Salafisten" (HoGeSa)-Kundgebung.

Doch Dimensionen wie in Köln, wo die Polizei vor Kurzem bei einer ähnlichen Kundgebung förmlich überrannt wurde, erreichte die Demo in Hannover am Samstag nicht.

Die HoGeSa-Teilnehmer verließen ihre Demo sogar früher als geplant - ursprünglich hätten sie bis 16 Uhr Zeit gehabt, doch um 15.45 Uhr war der Platz bereits komplett leer, sagte ein Polizeisprecher. Schon ab 14.30 Uhr hätten einzelne Hooligans und rechte Demonstranten die Polizei darum gebeten, "abgeleitet" zu werden.

VIDEO

Mit scharfen Auflagen wie einem Alkoholverbot und der Durchsuchung jedes einzelnen Teilnehmers auf Waffen oder Böller erreichte die Polizei bereits im Vorfeld, dass letztlich deutlich weniger Teilnehmer anreisten als erwartet - 5000 waren angemeldet gewesen, 3000 kamen. Außerdem durften die Demonstranten nur auf einem der hässlichsten Plätze Hannovers ihre Warnung vor dem Islamismus verkünden, auf dem komplett von der Außenwelt abgesperrten Busbahnhof.

Bis zum Nachmittag waren die Hooligans auf der einen und die ebenfalls ungefähr 3000 linken Gegendemonstranten auf der anderen Seite weit voneinander getrennt. Erst später standen sich beide Lager in Sichtweite gegenüber und beschimpften sich gegenseitig, 200 Meter voneinander entfernt.

Linke Demonstranten verhöhnten die Gegenseite: "Ihr wart auf einem Platz, auf dem euch niemand hört. Also vergesst doch eure HoGeSa-Sache", dröhnte es aus einem Lautsprecherwagen. Die Ordner der Rechten hielten daraufhin ihre eigenen Leute zurück, damit sie nicht näher an die Absperrgitter rückten. Die Polizei redete beruhigend auf die Demonstranten ein, fuhr dann aber auch mit ihren Wasserwerfern vor.

Kritisch wurde es zum ersten Mal, als linke Gegendemonstranten sich den Hooligans näherten und versuchten, eine Polizeiabsperrung zu durchbrechen. Die Beamten setzten Pfefferspray ein, nach wenigen Minuten beruhigte sich die Lage, es blieb bei kleinen Rangeleien. "Die Beamten blieben unverletzt", heißt es von der Einsatzleitung.

Längst hatten die ersten Hooligans, angereist aus ganz Deutschland, gelangweilt ihren schwer bewachten Kundgebungsort hinter dem Hauptbahnhof verlassen. Die Polizei geleitete das Gros der Demonstranten direkt wieder zu den Zügen im Hauptbahnhof.

Nur vereinzelt kam es bei der Abreise am Abend zu Rangeleien zwischen Hooligans und linken Gegendemonstranten. Einige wenige Feuerwerkskörper wurden gezündet, vereinzelt gingen auch Scheiben zu Bruch. Linke Demonstranten beschädigten ein Polizeiauto. "Wir haben die Lage im Griff", sagte ein Sprecher. Am Abend waren noch einzelne linke Gruppen in der Stadt unterwegs. Vor allem im Umfeld der Hooligan-Demonstration hatten Hotels und Geschäfte die Glasfronten mit Holzplatten gesichert.

Mindestens 5000 Beamte der Länderpolizeien und der Bundespolizei sollen vor Ort gewesen sein. Die Polizisten waren mit zahlreichen Wasserwerfern und Räumfahrzeugen auf mögliche Ausschreitungen vorbereitet gewesen. Nach den schweren Auseinandersetzungen in Köln war die Einsatzstrategie diesmal, Stärke zu zeigen und so für Ruhe zu sorgen. "Diese Strategie ist voll aufgegangen", sagt der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt. Insbesondere das Alkoholverbot habe gewirkt.

Bei einer ähnlichen Demonstration von rund 4500 Hooligans und Neonazis in Köln waren vor drei Wochen fast 50 Polizisten verletzt worden. Dort waren nur rund 1400 Polizisten im Einsatz gewesen.

Angesichts der schweren Gewalt in Köln hatte die Polizei im Vorhinein versucht, die Demonstration zu verbieten. Das Vorhaben scheiterte aber vor Gericht.

Zu den Gegenkundgebungen hatten alle Fraktionen im niedersächsischen Landtag und die Gewerkschaften aufgerufen. Hannovers Oberbürgermeister Stefan Schostok lobte die Teilnehmer: "Das ist ein tolles Signal der Stadtgesellschaft , dass sie gegen Rassismus eintritt."

lgr/dpa/AFP
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.