Hohe Kosten Linke und Grüne fordern Stopp der bemannten Raumfahrt

Zum 40. Jahrestag der Mondlandung verlangen Politiker von Linken und Grünen ein Ende der bemannten Raumfahrt. Weil die Prestigeprojekte ihnen zu teuer sind, wollen sie nur mit unbemannten Missionen Erde und Sonnensystem erforschen lassen.


Berlin - Viel wird geschrieben und viele feierliche Reden werden gehalten dieser Tage zu Vergangenheit und Zukunft der bemannten Raumfahrt. Der 40. Jahrestag der Mondlandung ist schuld daran, dass das Thema wieder ins öffentliche Blickfeld rückt. "Roboter können gute erste Kundschafter sein. Irgendwann kommen wir mit ihrer Hilfe aber nicht mehr weiter", warb etwa der neue Esa-Astronaut Alexander Gerst im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE für weitere Investitionen in diesem Bereich.

Neuer Esa-Astronaut Gerst: Politiker von Linken und Grünen fordern ein Ende der bemannten Raumfahrt
DPA

Neuer Esa-Astronaut Gerst: Politiker von Linken und Grünen fordern ein Ende der bemannten Raumfahrt

Doch längst nicht jeder, der sich aktuell äußert, will das Abenteuer der bemannten Raumfahrt loben - im Gegenteil. So kommt zum Beispiel von den Grünen und der Linken harsche Kritik. "Die bemannte Raumfahrt in ihrer jetzigen Form ist eine hoffnungslose Sackgasse, die Zukunft gehört unbemannten Missionen", schrieb der Grünen-Bundestagsabgeordnete Peter Hettlich in einem Gastbeitrag für die "taz". Bemannte Missionen dienten dem technologischen Fortschritt nur wenig.

Die internationale Raumstation ISS nannte Hetlich, der in der Grünen-Fraktion für Raumfahrt zuständig ist, ein "Fass ohne Boden mit zu geringem wissenschaftlichen Output". Die wichtigste Erkenntnis, die man seit der Mondlandung gewonnen habe, sei, dass solche Missionen dem technologischen Fortschritt wenig dienten.

Und auch Petra Sitte, die forschungspolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag äußerte sich ähnlich. "Die exorbitanten Kosten stehen in keinem Verhältnis zum wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn", schrieb Sitte, ebenfalls in der "taz". "Auch wenn wir Juri Gagarin, Sigmund Jähn oder Neil Armstrong bewundert haben, lehnt Die Linke die bemannte Raumfahrt ab." Sitte forderte, Deutschland solle sich nicht an "nicht wissenschaftsgeleiteten Missionen" beteiligen. Ins Blickfeld müssten zum Beispiel Erkenntnisse zu Ozeanströmen rücken: "Dafür genügen satellitengestützte zivile Erdbeobachtungssysteme."

EADS-Chef Louis Gallois mahnte die Europäer indes zu größeren Anstrengungen in der Raumfahrt. In einem Gastbeitrag auf SPIEGEL ONLINE schrieb er, im Vergleich zu den USA, Russland, China und Indien gäben die Europäer zu wenig Geld für die Raumfahrt aus. "Der Abstand wächst immer weiter", schreibt der Konzernchef. Konkret forderte Gallois eine neue Trägerrakete Ariane-6. Außerdem sprach sich Gallois für bemannte Raumfahrtmissionen unter europäischer Regie aus. "Haben wir den Mut, dieses größte aller Abenteuer zu wagen? Oder lassen wir uns von anderen abhängen?", fragte der Manager.

chs/AP/AFP



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