AfD-Nähe Stasiopfer-Gedenkstätte trennt sich von früherem Bürgerrechtler
Siegmar Faust in der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus (Archiv)
Foto: Peter Jähnel/ picture alliance / dpaEinst saß Siegmar Faust selbst als politischer Häftling im Gefängnis, später war er Landesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen in Sachsen. Zuletzt führte er Besucher durch die Gedenkstätte in der ehemaligen Haftanstalt Berlin-Hohenschönhausen. Jetzt hat sich die Einrichtung von ihrem Mitarbeiter getrennt. Der Grund: Faust hatte etwa Holocaust-Leugner Horst Mahler verteidigt - und steht der AfD nahe.
Hubertus Knabe, Direktor der Stasiopfer-Gedenkstätte, will Faust vorläufig nicht mehr mit Führungen in der Gedenkstätte betrauen. AfD-nahe und den Holocaust relativierende Äußerungen Fausts entsprächen in keiner Weise der Meinung der Stiftung, sagte Knabe der "Berliner Zeitung" . "Auch von der Mehrheit der ehemaligen politischen Gefangenen in der DDR werden sie nicht geteilt."
Der 73-jährige Faust hatte in einem Gespräch mit der Zeitung um Milde für den ehemaligen RAF-Anwalt und heutigen Rechtsextremisten Mahler geworben, der wegen Holocaust-Leugnung im Gefängnis sitzt. "Ich habe keine Sympathie für Horst Mahler", sagte Faust. Doch er finde es "unerträglich, was die Justiz da macht" und frage sich mit Blick auf die sechs Millionen von den Nationalsozialisten ermordeten Juden: "Ist die Zahl sechs Millionen heilig?"
Faust hatte zu DDR-Zeiten mehrmals wegen seines Kampfes um Meinungsfreiheit im Gefängnis gesessen. (Lesen Sie hier mehr zu seiner Geschichte.) Die Bundesrepublik kaufte ihn 1976 frei. In der Gedenkstätte Hohenschönhausen war Faust bisher als Zeitzeuge und Gedenkstättenführer tätig. Mittlerweile wirbt er offen für die AfD und fällt immer wieder mit rechten Äußerungen auf.
Video: Das Ende des Spitzelimperiums