Holocaust-Gedenken im Bundestag Bas warnt vor Erstarken des Antisemitismus in Deutschland

Bundestagspräsidentin Bas hat bei einer Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus an die gezielte Planung des Holocaust erinnert. »Heute ist ein Tag der Scham«, sagte sie und rief zum Handeln gegen Antisemitismus auf.
Bundestagspräsidentin Bas bei der Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus im Bundestag

Bundestagspräsidentin Bas bei der Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus im Bundestag

Foto: CLEMENS BILAN / EPA

Bei einer feierlichen Gedenkstunde hat der Bundestag der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. In ihrer Rede erinnerte Bundestagspräsidentin Bärbel Bas an die gezielte Planung des Holocaust bei der Wannseekonferenz und die eineinhalb Millionen jüdischen Kinder, die im Holocaust umgekommen sind.

Am 27. Januar 1945 hatten Soldaten der Roten Armee die Überlebenden des deutschen Konzentrationslagers Auschwitz im besetzten Polen befreit. Die Nazis hatten dort mehr als eine Million Menschen ermordet.

»Heute ist ein Tag der Scham für das, was frühere Generationen Deutscher getan haben. Scham, die die Täter nie gezeigt haben«, sagte Bas.

Sie wandte sich in ihrer Rede auch indirekt an die AfD. »Wer gegen Muslime und ihren Glauben hetzt, der macht sich als Freund des Judentums unglaubwürdig«, sagte Bas. »Wer Menschen bei uns ablehnt, weil sie anders sind oder einfach, weil sie nicht schon immer hier waren, der sollte das Wort Freiheit nicht im Munde führen.«

Bas ruft zum Handeln gegen Antisemitismus auf

Antisemitismus, sagte Bas, sei »mitten unter uns«. »Wenn Rechtsextremisten, Geschichtsrevisionisten und Völkisch-Nationale Wahlerfolge feiern, dann ist das kein Alarmzeichen. Dann ist es allerhöchste Zeit zu handeln.« Die Demokratie müsse sich dagegen wappnen. Die Parlamentspräsidentin machte aber auch deutlich: »Die Mehrheit in diesem Land hat dafür nichts übrig.« Sie wähle und streite demokratisch.

Nach Bas sprach die Schoa-Überlebende Inge Auerbacher, die 1942 als Siebenjährige ins Konzentrationslager Theresienstadt deportiert worden war. Bis zur Befreiung durch die Rote Armee 1945 war sie dort interniert. Mit ihrer Familie wanderte sie später in die USA aus.

Sie habe die grauenhafte Zeit des Menschenhasses noch gut in Erinnerung, sagte Auerbacher. »Leider ist dieser Krebs wieder erwacht, und Judenhass ist in vielen Ländern der Welt auch in Deutschland wieder alltäglich. Diese Krankheit muss so schnell wie möglich geheilt werden.«

Auerbacher erzählte von ihrer Deportation und dem Leben in Theresienstadt, wie sie es als Kind erlebt hatte. Für ein kleines Kind sei es besonders schwer gewesen. »Es gab keinen Ausweg. Nur die Gaskammern in Auschwitz, zu verhungern, Selbstmord oder an Krankheiten zu sterben«, sagte Auerbacher. Immer wieder wurden andere nach Auschwitz deportiert, auch Auerbachers Freundin Ruth. »Wie ein Wunder sind wir zurückgeblieben.« Drei Jahre war Auerbacher in Theresienstadt interniert. Nach der Befreiung wanderte die damals elfjährige Auerbacher mit ihren Eltern in die USA aus. Dort wurde festgestellt, dass sie im KZ an Tuberkulose erkrankt war, worunter sie vier Jahre lang stark litt.

»Mein innigster Wunsch ist die Versöhnung aller Menschen«, schloss Auerbacher ihre Rede.

Anschließend sprach der Präsident des israelischen Parlaments, Mickey Levy. »Herr Bundeskanzler Olaf Scholz, der Staat Israel verlässt sich auf Sie«, sagte Levy. Es bleibe die Pflicht beider Länder, die Erinnerung wachzuhalten. Aber es gehe auch darum, gemeinsam eine Zukunft zu planen. »Die ewig ernste Mahnung des Holocaust an den Juden Europas lautet: nie wieder. Nie wieder«, sagte Levy.

mfh

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