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17. Juni 2015, 05:23 Uhr

Hamburger Posse

AfD sieht bei Homo-Ampeln rot

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Gefährdet die Darstellung von Homosexualität die Sicherheit auf deutschen Straßen? So stellt es die AfD dar und wettert gegen Pläne für sogenannte Homo-Ampeln. Dabei argumentiert sie mit angeblichen Gefühlen von Muslimen.

Die AfD kümmert sich offenbar um die Belange religiöser Minderheiten in Deutschland - oder zumindest um das, was sie dafür hält. Muslimische Gläubige könnten sich "beleidigt fühlen", sollten künftig homosexuelle Paare auf Fußgängerampeln abgebildet sein. So steht es laut "Welt" in einem Antrag der AfD-Fraktion in der Hamburger Bürgerschaft.

Der Partei geht es wohl nicht wirklich um Muslime - sondern um den Kampf gegen sogenannte Homo-Ampeln, auf denen statt der althergebrachten Männchen schwule und lesbische Paare zu sehen sind. Der Straßenverkehr dürfe "kein Spielfeld für Gender-Ideologen" sein, schreiben die AfD-Politiker, außerdem gebe es "wichtigere Probleme als die Übernahme dieses Wiener Projekts".

Das Projekt, um das es geht, hatte im Mai Aufsehen erregt: Die österreichische Hauptstadt hatte Dutzende Ampeln aufgestellt, auf denen homo- und heterosexuelle Pärchen zu sehen waren. In Deutschland begrüßten vor allem die Grünen die Sache, auch in Hamburg: "So ein paar 'Vielfalt-Ampelfiguren' als Signal der Solidarität mit Schwulen und Lesben könnte sicher jede/r in Hamburg verkraften", schrieb die grüne Gleichstellungssenatorin Katharina Fegebank auf Facebook: "Das steht uns als bunter, offener und liberaler Metropole gut zu Gesicht."

Die AfD sieht das anders. Solche Pläne müsse der rot-grüne Senat stoppen, bevor auch "nur ein Euro Steuergeld" dafür ausgegeben werde, fordert die Fraktion dem Bericht zufolge. Außerdem könnten sonst ja auch Rollstuhlfahrer einen Platz auf Ampeln einfordern. Stimmt, könnte man meinen, was spricht eigentlich dagegen?

Zum Beispiel, dass es der AfD natürlich nicht um die religiösen Gefühle von Muslimen oder die Verschwendung von Steuergeld geht. Muslimische Bürger könnten "eigene Piktogramme fordern" und, schlimmer noch: Durch die Abbildung von Schwulen und Lesben könnten "Assoziationsketten geschaffen werden". Und um diesen "Genderwahnsinn" zu stoppen, hat die "Alternative für Deutschland" eine Alternative für Deutschland in petto: die "Familien-Ampel".

Der Vorschlag kommt von der AfD in Nordrhein-Westfalen. "Es wäre schön, wenn auch die traditionelle Familie einen ähnlich hohen Stellenwert bei den Grünen genießen würde", teilte der Landesverband der Partei dazu auf Facebook mit, und: "Eine Familienampel mit Vater, Mutter und Kind(ern) wäre da vermutlich ein guter Anfang."

Unabhängig davon, wie ernst solche Einlassungen sind: Dass die Ampelidee mit Familienpolitik zunächst einmal weniger zu tun hat, interessiert auch die AfD in der Bundeshauptstadt offenbar kaum. Initiativen von Grünen und Linken für Homo-Ampeln in Berlin geißelte die AfD dort als "ideologische Projekte" und warnte vor einem politischen "Ampelmissbrauch". Abstruse Debatten brauchen abstruse Wortschöpfungen.

Dabei geht in der hitzigen Diskussion ein möglicherweise entscheidender Aspekt völlig unter: dass die ungewöhnlichen Ampeln verkehrspolitisch offenbar durchaus sinnvoll sind. "Mit den neuen Ampelsymbolen soll die Aufmerksamkeit an den Wiener Ampeln erhöht und Unfälle verhindert werden", sagte Wiens Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou beim Start des Pilotprojekts im Mai. Aber das passt natürlich nicht zur These vom "Ampelmissbrauch".


Zusammengefasst: Die AfD wettert gegen die Idee sogenannter Homo-Ampeln in Deutschland - auf denen sind statt klassischer Männchen schwule und lesbische Paare zu sehen. Die Partei sieht in solchen Projekten "ideologische Projekte" und einen "Ampelmissbrauch". In Berlin und Hamburg setzen sich dafür vor allem Politiker von Grünen und Linken ein.

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