Homo-Ehe Große Mehrheit der Deutschen will Gleichstellung

Die Iren haben mehrheitlich für die Homo-Ehe gestimmt, und auch die Deutschen wären dafür: Laut einer SPIEGEL-Untersuchung befürworten zwei Drittel der Befragten die Gleichstellung.
Sich küssende Frauen: Zwei Drittel der Deutschen wollen Gleichstellung

Sich küssende Frauen: Zwei Drittel der Deutschen wollen Gleichstellung

Foto: Yoan Valat/ picture alliance / dpa

Eine große Mehrheit der Deutschen ist dafür, die Lebenspartnerschaften von Homosexuellen der Ehe gleichzustellen und schwulen wie lesbischen Paaren zu erlauben, Kinder zu adoptieren. Das legt eine Meinungsumfrage des SPIEGEL unter 500 Wahlberechtigten nahe. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

Zwei von drei Befragten stimmten demnach der Aussage zu, dass Kanzlerin Angela Merkel dem Beispiel anderer Länder folgen und sich dafür einsetzen sollte, eingetragene Lebenspartnerschaften in Deutschland rechtlich in allen Punkten mit der Ehe gleichzustellen.

Eine noch größere Mehrheit, nämlich drei von vier der Befragten, ist davon überzeugt, dass es eingetragenen Lebenspartnern erlaubt sein sollte, gemeinsam ein fremdes Kind zu adoptieren. Dieses Adoptionsrecht sieht der neue Gesetzentwurf der Bundesregierung zu den eingetragenen Lebenspartnerschaften nicht vor.

Nach Informationen des SPIEGEL waren derartig hohe Zustimmungswerte für die Homo-Ehe Merkel bereits im März 2013 bekannt. Eine für das Kanzleramt bestimmte Meinungsforschung hatte ergeben, dass 66 Prozent der Deutschen für eine Gleichstellung der eingetragenen Lebenspartnerschaft mit der Ehe waren. Noch mehr meinten, dass es auch eingetragenen Lebenspartnerschaften erlaubt werden sollte, ein Kind zu adoptieren.

Sechs Monate später sprach sich die Kanzlerin in der "Wahlarena" der ARD allerdings gegen eine vollständige Gleichstellung aus.

Prominente für Gleichstellung der Homo-Ehe

Auch Prominente aus Politik, Gesellschaft, Kultur, Sport und den Kirchen fordern das Recht auf Eheschließung auch für Homosexuelle. In Statements für den SPIEGEL sehen sie nach dem Volksentscheid in Irland die Zeit gekommen, die Diskriminierung gleichgeschlechtlicher Paare in Deutschland zu beenden.

"Die Bedeutung der Ehe zwischen Mann und Frau wird dadurch kein bisschen geschmälert", sagt Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) kritisiert die Blockadehaltung des Koalitionspartners: "Die Union stellt gerade fest, dass die Menschen in Deutschland längst weiter sind als ihre eigene Beschlusslage." CDU-Generalsekretär Peter Tauber zeigt Verständnis: "Für mich steht außer Frage, dass in einer eingetragenen Partnerschaft Werte gelebt werden, die auch Grundlage für eine gelungene Ehe sind." Der SPD-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Thomas Oppermann, bietet deshalb der Union an: "Lasst uns in dem Punkt den Koalitionsvertrag nachbessern."

Unter den vielen Prominenten, die die Ehe für alle fordern, sind Mitglieder aller im Bundestag vertretenen Fraktionen, Moderatoren wie Frank Plasberg, Anne Will und Maybrit Illner, Künstler wie der Regisseur Tom Tykwer, Schauspieler wie Charly Hübner, aber auch katholische Gelehrte und Muslime.

Für die evangelische Kirche sei praktizierte Homosexualität "weder krankhaft noch sündhaft", sagte Markus Dröge, Evangelischer Landesbischof von Berlin, dem SPIEGEL. "Wenn Menschen, gleich welcher sexuellen Orientierung, dauerhaft und wechselseitig Verantwortung füreinander übernehmen, wollen wir als evangelische Kirche diese Verlässlichkeit fördern und begleiten." Deshalb habe die Synode auf ihrer Frühjahrstagung beschlossen, innerhalb von einem Jahr die Segnung von Menschen in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft der kirchlichen Trauung rechtlich und liturgisch gleichzustellen.

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