Homosexualität Bundestag verbietet "Konversionsbehandlungen" bei Minderjährigen

Das Anbieten und Bewerben mutmaßlicher "Therapien" gegen Homosexualität bei Minderjährigen ist in Deutschland künftig strafbar. Ein Verband übt jedoch Kritik.
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Dubiose Therapien zur vermeintlichen Heilung von Homosexualität sind bei Minderjährigen künftig untersagt. Der Bundestag beschloss ein weitreichendes Verbot der sogenannten "Konversionsbehandlungen".

Demnach sind die Methoden zur Unterdrückung der sexuellen Orientierung bis zum Alter von 18 Jahren komplett verboten. Strafen drohen allerdings auch, wenn die Betroffenen zwar volljährig sind, aber durch Zwang, Drohung oder Täuschung zu einer derartigen Maßnahme bewegt wurden. Bei Missachtung des Verbots droht deshalb eine Gefängnisstrafe von bis zu einem Jahr. Darüber hinaus ist in Zukunft auch die Werbung für "Konversionstherapien" untersagt.

"Homosexualität ist keine Krankheit", sagte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU). "Daher ist schon der Begriff Therapie irreführend." Durch die Behandlungsmethoden entstehe oft schweres körperliches und seelisches Leid. Depressionen und ein erhöhtes Suizidrisiko gelten als mögliche Folgen. (Lesen Sie hier mehr über die vermeintlichen "Heiler". )

Der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) forderte jedoch Nachbesserungen unter anderem beim Schutzalter. Auch Linke und Grüne unterstützen dies. Mindestens bei der Altersgruppe zwischen 18 und 26 Jahren gebe es einen vergleichbaren Schutzbedarf wie bei Minderjährigen, sagte die Sprecherin für Queerpolitik in der Grünen-Fraktion, Ulle Schauws. Außerdem sollten Eltern oder Sorgeberechtigte für solche "Umerziehungsversuche" zur Rechenschaft gezogen werden können.

Das neue Gesetz sieht zwar auch für sie Sanktionen vor, allerdings ist die Strafbarkeit begrenzt auf "Fälle der gröblichen Verletzung der Fürsorge- oder Erziehungspflicht". Der FDP-Abgeordnete Jens Brandenburg hält das für nicht ausreichend: "Wer eigene Kinder den gefährlichen Umpolungsversuchen unterzieht, verletzt seine Fürsorgepflichten ohne Wenn und Aber", sagte Brandenburg.

Dennoch stimmte die FDP für den Gesetzentwurf der Koalition, Linke, Grüne und AfD enthielten sich. AfD-Gesundheitsexperte Robby Schlund unterstützte in der Debatte zwar das Verbot von "Konversionsbehandlungen" - warnte jedoch vor Rechtsunsicherheit für Psychotherapeuten, die Jugendliche wegen ihrer sexuellen Orientierung beraten.

fek/dpa