Honeckers letzte Ruhestätte "Für Margot kein Thema"

Auch zehn Jahre nach dem Tod des ehemaligen Staats- und Parteichefs der DDR, Erich Honecker, ist unklar, ob er in Deutschland begraben wird. Der Pastor, der ihn nach seiner Entmachtung aufnahm, plädiert dafür. Der frühere SED-Ministerpräsident Hans Modrow ist hingegen skeptisch.

Von Julia Albrecht


Erich Honecker: Der ehemalige Staats- und Parteichef der DDR, 1992, knapp zwei Jahre vor seinem Tod
DPA

Erich Honecker: Der ehemalige Staats- und Parteichef der DDR, 1992, knapp zwei Jahre vor seinem Tod

Berlin - Angeblich steht die Urne mit der Asche Erich Honeckers in ihrer Wohnung auf einer Vitrine in Santiago de Chile. Vielleicht aber auch nicht. Margot Honecker scheut die Presse und lässt sich nur selten auf deren Vertreter ein. Und Hans Modrow, ehemaliger Ministerpräsident der DDR und heute für die PDS im Europaparlament, hat sie in der Wohnung der Witwe nie gesehen. "Ich war ja schon zwei Mal da", sagt Modrow gegenüber SPIEGEL ONLINE, "eine Urne hat sie mir nicht gezeigt."

Viele kleine Details um den Tod des einstigen Staatsoberhaupts der DDR und um das Leben der überlebenden Margot sind erfunden. So kursierte vor einigen Jahren das Gerücht, Margot habe für ihren verstorbenen Mann eine letzt Ruhestätte in der Gedenkstätte der Sozialisten in Berlin-Friedrichsfelde ersehnt, dicht an dicht mit Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg und Walter Ulbricht. Ein entsprechender Antrag sei zurückgewiesen worden. Auf Nachfrage beim Bezirksamt Lichtenberg ergab sich damals, dass ein solcher Vorgang gar nicht vorliege.

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Erich Honecker: Vom Aufstieg und Fall eines Despoten

Vor wenigen Tagen nun, kaum jährte sich Honeckers zehnter Todestag, hat die Boulevardpresse bei Pastor Uwe Holmer angefragt, ob er sich dafür stark machen wolle, dass Honecker in Deutschland zur Ruhe gesetzte werde. Pfarrer Holmer ist der Mann, der in den turbulenten Wendetagen 1990 das Ehepaar Honecker bei sich in Lobetal aufnahm, als niemand anders sie haben wollte. Dabei hatte Holmers Familie unter dem SED-Regime heftig gelitten: Acht seiner zehn Kinder war aus ideologischen Gründen der Zugang zum Studium verwehrt worden.

Urnenleben in Chile oder Beerdigung am Geburtsort

Gegenüber SPIEGEL ONLINE erklärt Uwe Holmer heute: "Ich finde es nicht gut, dass Erich Honecker nicht in der Bundesrepublik Deutschland beerdigt wird." Nach Auffassung des Geistlichen, der heute im Ruhestand in Serrahn in Mecklenburg-Vorpommern lebt, sollten jene Politiker, die ihn "vor Jahren in Bonn und auch in seiner ehemaligen Heimatstadt mit Ehren empfangen haben, sich heute dafür einsetzen, dass er hier mit Würde begraben wird".

Das Ehepaar Honecker
DPA / WDR

Das Ehepaar Honecker

"So wie die Wende friedlich war", so der Pastor, "so soll auch Erich Honeckers Asche in Friede ruhen." Einen Ort in seiner Heimat, dem Saarland, gäbe es. Ein Anruf beim zuständigen Friedhofsamt im Geburtsort Wiebelskirchen ergibt dann auch schnell, dass der ehemalige SED-Chef hierauf ein Anrecht hätte. Voraussetzung für eine Bestattung in seinem Geburtsort ist, dass er in der entsprechenden Gemeinde entweder geboren wurde oder aber seinen letzten Wohnsitz hatte, heißt es im Amt.

Die überlebende Ehefrau müsste also nur einen Antrag stellen, schon könnte die Urne mit der Asche in der Heimat vergraben oder in einer dafür vorgesehenen Wand eingelassen werden. Anders als in Chile darf in Deutschland niemand seine Toten mit nach Hause nehmen.

Ob Margot Honecker überhaupt darüber nachdenkt, die Asche in die Bundesrepublik überführen zu lassen, weiß auch Holmer nicht. Damals, vor 14 Jahren, als die Honeckers bei ihm wohnten, "da wollten sie ja nicht weg von hier. Da sagten sie, dass sie viel lieber hier leben würden." Und vielleicht, so spekuliert der Seelsorger weiter, "könnte sie sich schon vorstellen, dass ihr Mann hier bestattet wird. Dann könnte sie auch hier begraben werden."

Ganz anders sieht das der PDS-Politiker Modrow. "Für Margot ist das kein Thema", sagt er gegenüber SPIEGEL ONLINE. "Wir haben nie darüber gesprochen." Gefragt nach seiner politischen Meinung, ob Erich Honecker in Deutschland beerdigt werden solle, meint Modrow: "Die BRD ist nicht bereit, mit Antifaschisten wie Honecker in einer Weise umzugehen, wie er es - auch unter Beachtung aller politischen Probleme, die er verursacht hat - verdient hat." Dazu bräuchte es "größerer politischer Reife."



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