Horst Mahler zu Stasi-Vorwürfen "Intrigenspiel bestimmter Medien"

Der frühere RAF-Anwalt Horst Mahler wehrt sich gegen Stasi-Vorwürfe: In einer persönlichen Erklärung streitet er ab, jemals für die DDR-Behörde gespitzelt zu haben. Der 75-Jährige, der wegen Volksverhetzung im Gefängnis sitzt, droht mit einem juristischen Nachspiel.
Verurteilter Rechtsextremist Mahler: Erklärt sich zu Stasi-Vorwürfen

Verurteilter Rechtsextremist Mahler: Erklärt sich zu Stasi-Vorwürfen

Foto: A3471 Boris Roessler/ dpa

Hamburg - Der Lebensweg von Horst Mahler führte politisch durch Extreme - von ganz links nach ganz rechts. Eine Agententätigkeit für die DDR- Staatssicherheit soll darin aber nicht vorgekommen sein, betont er in einer dreiseitigen Mitteilung, die SPIEGEL ONLINE vorliegt.

Der Mitbegründer der linksterroristischen Rote Armee-Fraktion ( RAF) und heutige Rechtsextremist weist darin Vorwürfe zurück, er habe in den sechziger Jahren aktiv für die Stasi gespitzelt. "Ich habe zu keinem Zeitpunkt wie auch immer für das Ministerium für Staatssicherheit der DDR gearbeitet", schreibt Mahler in der Erklärung.

Behauptungen, er habe eine Zusammenarbeit eingestanden, seien frei erfunden. Er habe auch keine Anwerbeversuche der Stasi beobachtet, heißt es in der Erklärung, aus der auch "stern.de" und der "Tagesspiegel" am Freitag zitierten.

Allerdings habe es einen erfolglosen Anwerbeversuch des amerikanischen Geheimdienstes CIA gegeben, schreibt Mahler weiter. Der 75-Jährige verbüßt derzeit in der Justizvollzugsanstalt Brandenburg/Havel eine langjährige Haftstrafe wegen Volksverhetzung.

Frühe Dementis

Für Wirbel hatten Presseberichte gesorgt, wonach Mahler drei Jahre lang bis 1970 von der DDR-Auslandsspionage als Inoffizieller Mitarbeiter (IM) geführt worden sein soll - also während der Hochzeit der Studentenbewegung. Das hätten Berliner Staatsanwälte bei ihren Ermittlungen zum Fall Benno Ohnesorg herausgefunden. Mahler warf jenen Medien, die die Berichterstattung angestoßen hatten, ein "Intrigenspiel" vor.

Die Staatsanwaltschaft und die Stasi-Unterlagenbehörde hatten früh mit einem Dementi reagiert, auch hegten Ermittler SPIEGEL-Informationen früh Zweifel an Berichten , wonach Mahler seine Stasi-Tätigkeit selbst eingeräumt hatte.

Der Student Ohnesorg war am 2. Juni 1967 während einer Demonstration gegen den Besuch des Schahs von Persien vom West-Berliner Kriminalbeamten Karl-Heinz Kurras erschossen worden, was seinerzeit erheblich zur Radikalisierung der Außerparlamentarischen Opposition beitrug. Kurras war erst vor zwei Jahren als Stasi-Agent enttarnt worden.

Mahler machte in seiner Erklärung geltend, dass er seit der Kuba-Krise 1962 mit einem politischen Freundeskreis intensiv dafür geworben habe, West-Berlin zur Drehscheibe eines offenen west-östlichen Dialogs auszubauen. Sein daran beteiligter engster Freund, Walter Barthel, sei nach dem Ende der DDR als Doppelagent für die Stasi und den Bundesnachrichtendienst enttarnt worden. "Ich hatte von der Geheimdiensttätigkeit meines Freundes keine Kenntnis", schrieb Mahler.

Der einstige RAF-Anwalt, der in einer späteren Lebensphase auch die rechtsextreme NPD vertrat, verwies ferner darauf, dass er in den sechziger Jahren vielfältige Kontakte zu Journalisten und Parteifunktionären des Ostens gehabt habe. Nach dem Mordanschlag auf den Studentenführer Rudi Dutschke 1968 habe er auch ein fast freundschaftliches Verhältnis zum SEW-Vorsitzenden Gerd Danelius gehabt. Die SEW war der West-Berliner Ableger der DDR-Staatspartei SED.

amz/dpa
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