Nach Jamaika-Sondierungen Seehofer will Personalfragen rasch klären

An der CSU-Basis brodelt es schon länger, nun stellt sich mit der Jungen Union der erste große Parteiverband öffentlich gegen Horst Seehofer. Der legt nun einen Zeitplan zur Klärung offener Personalfragen in seiner Partei vor.

Bayerns Ministerpräsident Seehofer
DPA

Bayerns Ministerpräsident Seehofer


Mitten in den Sondierungen über eine mögliche Jamaikakoalition spitzt sich in der CSU der Streit um die Zukunft von Parteichef Horst Seehofer zu. Die bayerische Junge Union (JU) forderte am Wochenende den Rückzug Seehofers spätestens im kommenden Jahr. Zuvor hatten schon mehrere CSU-Bezirksvorstände in internen Sitzungen einen "geordneten" personellen Übergang gefordert.

Das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) berichtet nun, Seehofer habe einen Zeitplan zur Klärung offener Personalfragen in seiner Partei vorgelegt. "Sobald die Sondierungsphase vorbei ist, werde ich ein bis zwei Tage nachdenken und dann klar sagen, welche Formation ich mir vorstelle." Dabei werde er auch auf das "Kesseltreiben" eingehen, "das seit der Bundestagswahl gegen mich betrieben" werde.

Seehofer erinnerte zudem daran, dass ihn bei einem Treffen mit früheren CSU-Vorsitzenden und bayerischen Ministerpräsidenten alle Teilnehmer einmütig gebeten hätten, nicht von Bord zu gehen. Schon in der "Bild am Sonntag" hatte Seehofer von einem "ununterbrochenen Trommelfeuer gegen meine Person aus der eigenen Partei" gesprochen und erklärt, er lasse sich "dadurch aber in keiner Weise beeinflussen".

"Wirklich erfahrener Verhandlungsführer"

Seit die CSU bei der Bundestagswahl mit 38,8 Prozent der Stimmen ihr schwächstes Ergebnis seit Jahrzehnten einfuhr, wachsen in der Partei Zweifel, ob sie unter Seehofer bei der Landtagswahl im Herbst 2018 ihre absolute Mehrheit verteidigen kann.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) bekräftigte in den Zeitungen der Funke Mediengruppe, dass die CSU ihre innerparteilichen Fragen erst nach Abschluss der Sondierungen in Berlin diskutieren sollte. "Schließlich hängt vom Zustandekommen einer Jamaikakoalition auch die personelle Aufstellung der CSU in Berlin ab."

Auch CSU-Vize Christian Schmidt verlangte, Personalfragen hintanzustellen. "Es geht nicht um besondere Höflichkeit gegenüber Horst Seehofer, sondern um Unterstützung unseres nun wirklich erfahrenen Verhandlungsführers im Interesse hoher Wirkmacht der CSU", sagte der Bundesagrarminister der "Passauer Neuen Presse". "Die Reihen zu schließen ist eine Verpflichtung für uns alle."

mho/aar/dpa



insgesamt 4 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
MarkusH. 06.11.2017
1. CDU hat auch Prozente verloren?
ok unser Horst hat sich mit all den leeren Drohungen gehen Merkel nicht wirklich mit Ruhm bekleckert, aber da ruft keiner die muss weg? vor allem ist die Merkel ja bundesweit Schuld, dass man Stimmen verloren hat?
Aranea avicularia 06.11.2017
2. Merkels junge Intriganten
es ist zu offensichtlich: Merkel will wieder entspannt die nächsten 4 Jahre vor sich hin regieren und will dazu den einzigen Kritiker ausschalten. Das ist Seehofer. Die JU lässt sich hierfür instrumentalisieren. So einfach funktioniert Berlin, und so degoutant ist die Merkelsche Politik.
Willi S. 06.11.2017
3. Wenn zwei sich streiten ...
Da die CSU ja ihre 5% im Bund alleine in Bayern erreichen muss, ist für sie ein Ergebnis in der Nähe der absoluten Mehrheit essentiell. 50% in Bayern sind ca. 8% im Bund, 5% im Bund sind ca. 32% in Bayern . Die CSU nähert sich also eher der kritischen 5% Hürde und wird nervös. Vielleicht wird es bei dem Zwist zwischen Seehofer und Söder einen lachenden Dritten geben. z.B. Herrmann, der ist zumindest auch ein Franke wie Söder und daher eine Alternative, zumal Söder außerhalb von Bayern nicht gerade beliebt ist, oder KTG schafft es doch noch rechtzeitig, sein Image wieder so zu polieren, dass er wählbar wird. Bei den Jamaika Verhandlungen werden am Ende die Grünen ihre Klima-Kernthemen, die CSU das Wort "Obergrenze", die FDP den Kern einer "Soli-Abschaffung" und die CDU dafür Merkel als Kanzlerin durchbringen. Die Hauptfrage wird aber sein, welche Partei ihre Basis sowie Stammwähler am meisten einseifen und daher bei den nächsten Wahlen mit Einbußen rechnen muss. Die BTW 2017 in Bayern war m.E. in erster Linie eine rote Karte für Merkel, aber wenn sich die AfD in Bayern festsetzt, kann es das AUS für die CSU im Bund bedeuten. Gleiches gilt aber auch bei den Grünen, wenn ihre Altlinken Wählerschichten zu den Linken abwandern, denn betuchte Beamte, Pastoren und ein paar naive Youngsters alleine reichen nicht.
lothar.thuermer 07.11.2017
4. Seehofer verdient Respekt!
In einer Demokratie sollte niemand unantastbar sein. Auch nicht Horst Seehofer. Aber dass die Junge Union in Bayern Seehofer gerade jetzt und derart massiv beschädigt, sprengt alles, was die politische Kultur bislang ausgemacht hat. Es zeugt weder von Mut noch von Rückgrat. Es ist einfach nur politisch dumm, dem bayerischen Verhandlungsführer in Berlin zuhause in den Rücken zu fallen. Respektlos, unanständig und schamlos gegenüber einem amtierenden bayerischen Ministerpräsidenten ist es ohnehin. Seehofer hat Respekt verdient. Von allen. Und ganz besonders von seinen Parteifreunden. Wer ist der große Gewinner der Attacke gegen den Bayernkönig? Eindeutig Merkel! Nach dem historischen Wahldebakel, das sie zu verantworten hat, hätte sie eigentlich um ihr Amt fürchten müssen. Aber sie gilt in der CDU derzeit offenbar als alternativlos. Und jetzt darf sie auch noch zusehen, wie ihr größter Widersacher sich eines parteiinternen Trommelfeuers erwehren muss. Ist Söder neben Merkel der zweite große Gewinner? Das steht noch nicht fest. Sollte sich allerdings herausstellen, dass er im Hintergrund die Strippen für eine wachsende Kritik an Seehofer gezogen hat, könnte das seine Ambitionen empfindlich beeinträchtigen. Königsmörder mag man in Bayern nicht. Viel politisches Porzellan ist bereits zerschlagen. Warum verbünden sich nicht vorbildliche Persönlichkeiten der CSU zu einem Aufstand der Besonnenen? Politiker wie etwa Manfred Weber, Joachim Herrmann oder Gerd Müller. Und warum fordern die Ehrenvorsitzenden nicht einen würdevolleren Umgang miteinander ein? Nur mit mehr Fairness und einer konzertierten Aktion der Vernunft kann es auf dem Parteitag im Dezember einen Befreiungsschlag geben, der die CSU wieder nach vorne bringt!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.