Seehofer zu Reaktionen auf Kriminalfall Lübcke "Das ist der Niedergang der menschlichen Moral"

Rechte haben den Tod des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke hämisch kommentiert. Über alle Parteien hinweg sorgte das für Empörung. Jetzt äußerte sich auch Innenminister Horst Seehofer.

Horst Seehofer verurteilte die rechte Hetze gegen den erschossenen Kasseler Regierungspräsidenten.
Bernd von Jutrczenka/DPA

Horst Seehofer verurteilte die rechte Hetze gegen den erschossenen Kasseler Regierungspräsidenten.


Bundesinnenminister Horst Seehofer hat die rechte Hetze gegen den erschossenen Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU) scharf verurteilt. "Da bleibt einem die Luft weg, das ist abscheulich", sagte der CSU-Politiker dem "Tagesspiegel".

"Wenn jemand, nur weil er liberale Ansichten hatte, so mit Hass überzogen wird, ist das der Niedergang der menschlichen Moral", sagte Seehofer. Im Internet hatten einige rechte Nutzer das Verbrechen mit Häme kommentiert, unter anderem von einem Politiker der AfD in Dithmarschen, der seinen Facebook-Post aber inzwischen relativiert hat. Anlass für diese Art der Kommentare war Lübckes Einsatz für Flüchtlinge im Jahr 2015.

Vor Seehofer hatte bereits Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) die teils hämischen Kommentare scharf verurteilt. "Diese Reaktionen im Netz sind menschenverachtend und bedienen niederste Instinkte", sagte Bouffier dem SPIEGEL. "Wir müssen dafür sorgen, dass diese Kommentare schneller gelöscht werden."

Lübcke war in der Nacht zum Sonntag auf der Terrasse seines Wohnhauses in Wolfhagen-Istha nahe Kassel mit einer Schussverletzung am Kopf entdeckt worden. Die Obduktion ergab, dass der Politiker mit einem Kopfschuss aus nächster Nähe getötet worden war. Täter und Motiv sind unklar.

Am Mittwoch war der Kriminalfall in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY... ungelöst" vorgestellt worden, um weitere Informationen aus der Bevölkerung zu erhalten. Über das Hinweistelefon seien am Mittwochabend "ein paar wenige Anrufe eingegangen". Die Ermittler hatten sich mehr von der Fernsehfahndung versprochen, sagte der SOKO-Sprecher der Polizei, Torsten Werner.

hba/dpa



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