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20. Januar 2014, 12:33 Uhr

Manipulationen beim "Gelben Engel"

Seehofer über ADAC-Fälschungen "nicht überrascht"

Bayerns Ministerpräsident schaltet sich in die Diskussion um Manipulationen beim ADAC ein. Horst Seehofer verlangt eine unabhängige Prüfung der Vorgänge bei dem Automobilclub. Der CSU-Chef selbst scheint dem Verein allerhand zuzutrauen.

München - Horst Seehofer will es schon eine ganze Weile geahnt haben: Die aufgedeckten Manipulationen rund um den ADAC-Autopreis "Gelber Engel" haben den CSU-Chef nach eigener Aussage "nicht überrascht".

"Im Zusammenhang mit der Maut hab ich mich immer gefragt, wie man zu solchen Schlussfolgerungen kommen kann", sagte Seehofer. Die CSU habe immer andere Zahlen etwa zum voraussichtlichen Aufkommen aus der Maut gehabt. "Ich hab mich dann sehr gewundert, dass der Präsident des ADAC plötzlich eine Mineralölsteuererhöhung für alle vorschlägt", sagte der bayerische Ministerpräsident. "Das waren meine Punkte, wo ich mir gesagt habe, irgendwas kann da nicht stimmen."

Seehofer forderte eine unabhängige Prüfung der Vorgänge bei dem Automobilclub. "Am besten ist jetzt: alles auf den Tisch, Transparenz, und nach Möglichkeit eine unabhängige, objektive Prüfung", sagte Seehofer am Montag vor einer CSU-Vorstandssitzung in München.

"Ich habe Scheiße gebaut"

Seehofers Parteifreund und Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt sagte, es sei nun seitens des ADAC "dringend geboten", Offenheit an den Tag zu legen. "Da geht natürlich Vertrauen verloren bei solchen Vorgängen. Und das kann man nur zurückgewinnen, wenn man die Karten auf den Tisch legt, offen kommuniziert." Zudem sei schon grundsätzlich anzumerken, dass auch bei großen Verbänden "ein bisschen Bescheidenheit im Auftreten manchmal guttäte".

Am Montag hatte ADAC-Geschäftsführer Karl Obermair gegenüber der "Süddeutschen Zeitung" eingeräumt, dass der bisherige ADAC-Kommunikationschef Michael Ramstetter nicht nur die aktuelle Abstimmung über das Lieblingsauto der Deutschen verfälscht habe, sondern auch die Teilnehmerzahlen der Jahre zuvor.

Ramstetter selbst sagte wörtlich: "Ich habe Scheiße gebaut." Der ADAC hatte eigenen Angaben zufolge unmittelbar nach Bekanntwerden der ersten Vorwürfe eine "lückenlose interne Prüfung" angeordnet und betont, seine Führung sei zu keinem Zeitpunkt "über diese Unregelmäßigkeiten bei der Leserwahl unterrichtet gewesen". Der Club wies zudem darauf hin, dass von allen neun Preiskategorien des "Gelben Engel" lediglich die durch Leserwahl ermittelte Preiskategorie "Lieblingsauto" betroffen sei. Demnach stimmten deutlich weniger Leser bei der Wahl ab als vom ADAC offiziell angegeben.

syd/dpa

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