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05. September 2018, 23:35 Uhr

Seehofer laut Medienberichten

"Mutter aller Probleme ist die Migration"

Zu den Vorfällen in Chemnitz schwieg Horst Seehofer lange. Auf einer CSU-Tagung erklärt sich der Innenminister nun - und verteidigt laut Medienberichten die Demonstranten.

Nachdem sich Horst Seehofer zu den Vorfällen in Chemnitz lange nicht geäußert hatte, brach der Innenminister Medienberichten zufolge nun sein Schweigen. Dabei wählte er offenbar sehr harsche Worte. Migration sei die "Mutter aller Probleme", sagte der CSU-Vorsitzende am Mittwoch am Rande einer Klausurtagung der CSU-Landesgruppe im brandenburgischen Neuhardenberg, wie die "Welt" und die "Bild" berichten.

Demnach verteidigte Seehofer auch die Demonstranten in Sachsen. Wie die "Welt" unter Berufung auf Teilnehmerkreise berichtet, sagte der Innenminister, er habe Verständnis, wenn sich Leute empören, das mache sie noch lange nicht zu Nazis.

Laut "Bild" sagte Seehofer zu Chemnitz: "An erster Stelle steht ein brutales Verbrechen." Ob Seehofer auf die darauf folgenden rechten Ausschreitungen in Chemnitz näher einging, ist nicht bekannt.

Für sein langes Schweigen zu den Vorfällen in Chemnitz war Seehofer von einigen Bundespolitikern kritisiert worden. Bei der CSU-Veranstaltung in Brandenburg reagierte er nun auf die Kritik: Er sei "immer dafür, dass man sich als Politiker zu solchen Dingen erst einlässt, wenn man authentische Informationen hat". Deshalb habe er sich nach dem Tötungsdelikt und den anschließenden Protesten zunächst einmal bei der Landesregierung und der Polizei nach den Einzelheiten erkundigt.

Der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer hatte nach den Übergriffen in Chemnitz Bundeskanzlerin Angela Merkel (beide CDU) widersprochen, die "Hetzjagden" auf Ausländer verurteilt hatte. Kretschmer sagte, das Geschehen in Chemnitz müsse richtig beschrieben werden. "Klar ist: Es gab keinen Mob, keine Hetzjagd und keine Pogrome", so Kretschmer.

Merkel bekräftigte am Mittwoch ihre Verurteilung der Auseinandersetzungen und Proteste.

Auch dazu äußerte sich Seehofer laut Nachrichtenagentur dpa. Die Regierungserklärung aus Sachsen stehe "ja möglicherweise im Widerspruch zur Stellungnahme des Kanzleramtes", sagte er. Letztere kenne er aber noch nicht in Gänze.

Im Video: Die Hintermänner der Chemnitz-Krawalle

Seehofers interne Äußerungen sind bemerkenswert, da sie einmal mehr als Affront gegen die Kanzlerin verstanden werden können. Bereits vor der Sommerpause hatte er in der Migrationspolitik erheblichen Streit in der Union ausgelöst. Dabei soll mit Blick auf Merkel unter anderem der Satz gefallen sein: "Ich kann mit der Frau nicht mehr arbeiten."

Nach einem angekündigten Rücktritt, zu dem es dann doch nicht kam, rauften sich Seehofer und Merkel sowie CSU und CDU insgesamt vorerst wieder zusammen. Seehofers jüngste Äußerungen deuten allerdings darauf hin, dass der Frieden durchaus brüchig sein könnte.

lie/dpa

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