Nach Vorstoß Österreichs Seehofer sieht schnelle Grenzöffnung kritisch

Nach einem Vorstoß Österreichs, die Grenze für deutsche Touristen möglichst rasch zu öffnen, bremst Bundesinnenminister Horst Seehofer. Allein das Infektionsgeschehen gebe den geeigneten Zeitpunkt vor.
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Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) stellt sich gegen eine vorschnelle Wiederaufnahme des Reisebetriebes zwischen Deutschland und Österreich. "Solange das Virus keinen Urlaub macht, müssen auch wir uns mit unseren Reiseplänen beschränken - so verständlich der Wunsch für die Menschen und die Tourismusbranche auch ist", sagte Seehofer der "Bild am Sonntag" (BamS). Der Infektionsschutz gebe für mögliche Öffnungen den Zeitplan vor.

"Leichtsinnige Öffnungen, die später in Gestalt erhöhter Ansteckungszahlen zurückschlagen, helfen niemandem", sagte Seehofer. Zuvor hatte der österreichische Kanzler Sebastian Kurz eine schrittweise Grenzöffnung für Urlauber etwa aus Tschechien oder Deutschland ins Spiel gebracht. Außenminister Heiko Maas (SPD) hatte daraufhin vor einem "europäischen Wettlauf" bei Reiselockerungen gewarnt. Österreich kündigte später an, man werde den grenzüberschreitenden Tourismus "nur vorsichtig und Schritt für Schritt" wieder ermöglichen.

Für Innenminister Seehofer hat die Schließung der deutschen Außengrenzen indes auch etwas Gutes. Durch die intensiveren Kontrollen habe man 1696 Straftaten aufklären können, zudem habe es 1423 Fahndungstreffer gegeben. Knapp 105.000 Menschen wurde die Einreise nach Deutschland verweigert.

Lob für Söder und Merkel

Ausdrücklich lobte Seehofer die Arbeit von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Zeiten der Corona-Pandemie. "Wir können froh sein, dass wir in dieser Situation eine solche Kanzlerin an der Spitze unseres Landes haben", sagte der Minister. Merkel führe Deutschland sehr stark durch die Krise. Eine mögliche fünfte Amtszeit der Kanzlerin wird hinter verschlossenen Türen offenbar diskutiert: "Ich kann nicht bestreiten, dass ich den Gedanken in letzter Zeit öfter gehört habe", sagte Seehofer in der "BamS".

Auch sein Parteigenosse, der bayerische Ministerpräsidente Markus Söder, mache seine Sache sehr gut.

Dass er in den vergangenen Wochen vergleichsweise wenig in der Öffentlichkeit zu sehen war, begründete der Innenminister mit seiner freiwilligen Quarantäne. Der 70-Jährige sehe sich selbst durch sein Alter und Vorerkrankungen "doppelt gefährdet" und halte deshalb alle Hygieneregeln "strengstens ein".

fek