Migration Seehofer warnt vor größerer Fluchtbewegung als 2015

Immer mehr Flüchtlinge setzen von der Türkei auf die griechischen Inseln über. Bundesinnenminister Horst Seehofer fordert deshalb, die EU-Außenstaaten bei den Kontrollen stärker zu unterstützen.

Seehofer mit dem griechischen Ministerpräsidenten Kyriakos Mitsotakis (rechts) und EU-Migrationskommissar Dimitris Avramopoulos
Thanassis Stavrakis / AP / DPA

Seehofer mit dem griechischen Ministerpräsidenten Kyriakos Mitsotakis (rechts) und EU-Migrationskommissar Dimitris Avramopoulos


Angesichts steigender Flüchtlingszahlen auf den Inseln vor Griechenland hat Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) vor einer neuen großen Fluchtbewegung nach Deutschland gewarnt und zum Handeln aufgerufen. "Wir müssen unseren europäischen Partner bei den Kontrollen an den EU-Außengrenzen mehr helfen. Wir haben sie zu lange alleine gelassen", sagte Seehofer der "Bild am Sonntag". "Wenn wir das nicht machen, werden wir eine Flüchtlingswelle wie 2015 erleben - vielleicht sogar noch eine größere als vor vier Jahren."

Er werde gemeinsam mit der neuen EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU) "alles dazu beitragen, dass sich das nicht wiederholt". Dafür habe er "die volle Unterstützung der deutschen Bundeskanzlerin", sagte Seehofer. Am kommenden Dienstag befassen sich die EU-Innenminister mit dem Thema Migration.

Derzeit setzen immer mehr Menschen, vorwiegend aus Afghanistan, von der türkischen Küste auf die ägäischen Inseln über. Das Flüchtlingsabkommen zwischen der EU und der Türkei sieht vor, dass sie auf den Inseln bleiben müssen, bis ihr Asylverfahren abgeschlossen ist.

Seehofer fordert Unterstützung für die Türkei

Aufs griechische Festland werden in der Regel nur besonders Schutzbedürftige gebracht. Diese Regelung nutzt die griechische Regierung derzeit dazu, Tausende Menschen von den Inseln zu bringen, weil die Zustände dort von Woche zu Woche unmenschlicher werden. Bei einem Feuer in einem überfüllten Flüchtlingscamp auf der Insel Lesbos kamen in der vergangenen Woche laut griechischem Uno-Flüchtlingshilfswerk eine Frau und ein Kind ums Leben.

Seehofer forderte die Mitgliedstaaten der EU nun auch dazu auf, mehr für die Türkei zu tun. "Die Türkei leistet bei der Aufnahme von Flüchtlingen sehr viel. Das liegt auch in unserem Interesse", sagte er der "Welt am Sonntag".

Seehofer war an diesem Donnerstag und Freitag in die Türkei und nach Griechenland gereist und hatte versucht, den wackelnden Flüchtlingspakt zu stärken. Er sagte Ankara und Athen deutsche Unterstützung im Umgang mit Flüchtlingen und beim Grenzschutz zu. Menschenrechtsaktivisten werfen der Türkei vor, syrische Flüchtlinge in Kriegsgebiete abzuschieben. Die Türkei weist das zurück.

kko/dpa/AFP



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