Arbeitsminister Heil zum Rentenalter »›Du arbeitest jetzt bis 70‹, das ist zynisch«

Wer über ein höheres Alter für den Renteneintritt rede, habe keinen Blick auf die Lebensrealität vieler Menschen, findet Hubertus Heil. Der SPD-Politiker will auch die Haltelinie fürs Rentenniveau verlängern.
Hubertus Heil (SPD): »Es bleibt weiterhin richtig, dass man nach 45 Versicherungsjahren Schluss machen kann«

Hubertus Heil (SPD): »Es bleibt weiterhin richtig, dass man nach 45 Versicherungsjahren Schluss machen kann«

Foto: Bernd von Jutrczenka / dpa

Rente erst mit 68 oder 70? Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) sieht solche Überlegungen skeptisch. »Wir haben in Europa schon jetzt eines der höchsten Rentenalter. Es bleibt weiterhin richtig, dass man nach 45 Versicherungsjahren Schluss machen kann«, sagte der SPD-Politiker der »Rheinischen Post«.

Auf den Vorhalt, dass das Rentenalter angesichts der Demografie nach 2030 über 67 Jahre hinaus weiter steigen müsse, sagte er: »Das erzählen sich einige, aber die haben keinen Blick auf die Lebensrealität vieler Menschen. Einer Krankenschwester, einem Stahlarbeiter oder einem Lageristen zu sagen: ›Du arbeitest jetzt bis 70‹, das ist zynisch.«

Heil sagte zudem, man habe dafür gesorgt, dass das Rentenniveau zunächst bis 2025 stabil bleibe. Er bezog sich dabei nach Angaben der Zeitung auf den Wert von 48 Prozent. »Ich will, dass wir diese Haltelinie bis 2040 verlängern«, sagte der Minister.

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Vorschlag: Eintrittsalter an die Lebenserwartung koppeln

Ein Beratergremium der Bundesregierung hatte im Juni vorgeschlagen, das Renteneintrittsalter an die allgemeine Lebenserwartung zu koppeln. Bis etwa 2042 erhöhe es sich damit auf 68 Jahre. In einem Gutachten hieß es, die Regierung habe der Rentenkasse mit zahlreichen Maßnahmen zusätzliche Lasten aufgebürdet – etwa mit den Haltelinien beim Rentenniveau, beim Beitragssatz, mit zusätzlichen Leistungen wie Mütter- und Grundrente sowie mit der Rente mit 63. Der Rentenkasse drohten daher »schockartig steigende Finanzierungsprobleme ab 2025«.

SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz empörte sich im Juni über das Gutachten. Es sei nicht nur falsch gerechnet, sondern auch unsozial, was dort vorgeschlagen werde. Heil schlug im Juni vor, die Selbstständigen in das System der Alterssicherung einzubeziehen, um die Rentenkassen zu stabilisieren.

Das Beratergremium schlug allerdings nicht nur vor, den Renteneintritt an die Lebenserwartung zu koppeln, sondern machte auch zwei Vorschläge, die aufs Rentenniveau zielen. Das werde zwar auch unweigerlich sinken, so das Gutachten, dennoch könnte der Grundgedanke einer Haltelinie, also einer Untergrenze für das Rentenniveau, umgesetzt werden.

Ein Ansatz wäre demnach , das Rentenniveau von 48 Prozent beim Eintritt zu halten, aber weitere Erhöhungen nicht mehr wie bislang danach zu berechnen, wie stark die Löhne steigen – sondern die Preise. Eine andere Überlegung wäre die Einführung eines Sockels, bei dem nur noch ein Teil der angesammelten Entgeltpunkte direkt in Rentenzahlungen umgerechnet würde. Von den übrigen Punkten würde ein Demografie-Abschlag abgezogen.

wbr/rtr
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