Mutmaßlicher Mord wegen Maskenpflicht Politikerinnen und Politiker warnen vor zunehmender Radikalisierung der »Querdenker«

Ein Kassierer in Idar-Oberstein soll nach einem Maskenstreit erschossen worden sein – in rechten Netzwerken wird die Tat bejubelt. Die Politik mahnt nun an, die Wegbereiter des Hasses in den Blick zu nehmen.
Eine Demonstrantin auf einer »Querdenken«-Demo in Karlsruhe (Archivbild vom Juni 2021)

Eine Demonstrantin auf einer »Querdenken«-Demo in Karlsruhe (Archivbild vom Juni 2021)

Foto: Christoph Schmidt / dpa

Nach dem tödlichen Angriff eines Maskenverweigerers in Idar-Oberstein warnen Politikerinnen und Politiker in Deutschland vor einer weiteren Radikalisierung der »Querdenker«-Szene. In dem rheinland-pfälzischen Ort war am Wochenende ein Tankstellenkassierer nach einem Streit mit einem Kunden um die Maskenpflicht erschossen worden.

Die Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock reagierte auf Twitter erschüttert. »Die Radikalisierung des Querdenkermilieus bereitet mir große Sorgen«, schrieb Baerbock auf Twitter. »Wir sind alle gefordert, uns gegen den zunehmenden Hass zu stellen.«

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Ähnlich wie Baerbock reagierte CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak. »Ein junger Mensch wird nahezu hingerichtet, weil er auf die Maskenpflicht hinweist«, schrieb Ziemiak auf Twitter und sprach von einem »unfassbaren Maß an Radikalisierung«.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Die Grünen-Politikerin Renate Künast verwies auf die geistigen Brandstifter hinter der Tat: »Hass im Netz ist real, und aus Worten können furchtbare Taten werden«, schrieb sie auf Twitter . Auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach machte eine zunehmende Radikalisierung der Gegner der Corona-Schutzmaßnahmen aus: »Leider ist es nicht nur das Internet, wo gehetzt wird.«

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Im Netz wird die Tat zum Teil bejubelt. Unter anderen in rechten Netzwerken auf Telegram und Chatgruppen von Gegnern der Coronapolitik finden sich Kommentatoren und Kommentatorinnen, die den mutmaßlichen Mord rechtfertigen. »Kein Mitleid«, schreibt einer, »Die Leute immer mit dem Maskenscheiß nerven. Da dreht irgendwann mal einer durch. Gut so.«

Mit dem Revolver zurückgekehrt

Die Polizei bemüht sich derzeit um die Aufklärung der Tat. Weil dieser ihn auf die Maskenpflicht hingewiesen habe, soll ein 49-Jähriger den jungen Kassierer am Samstagabend an einer Tankstelle erschossen haben. Davon gehen die Ermittler nach der Tat in Idar-Oberstein aus. Der Deutsche habe gestanden, er sitzt in Untersuchungshaft. Er sagte zudem nach Angaben der Ermittler aus, dass er die Coronamaßnahmen ablehne. Zum Motiv habe er angegeben, dass ihn die Situation der Coronapandemie stark belaste.

Nach bisherigen Erkenntnissen wollte er am Samstagabend Bier kaufen, ärgerte sich über den Hinweis auf die Maskenpflicht, ging nach Hause und kehrte mit einem Revolver zurück. Nach einem erneuten Disput habe er dem 20-Jährigen in den Kopf geschossen. Indes laufen die Ermittlungen weiter.

Wie es aus dem Rathaus der Stadt heißt, stammt der mutmaßliche Todesschütze aus dem Kreis Birkenfeld. Wie das Opfer, so habe auch der mutmaßliche Täter zuletzt in Idar-Oberstein gelebt. Beide kannten sich nach Polizeiangaben nicht.

Die Stadt Idar-Oberstein will eine Trauerfeier organisieren. Für das Rathaus der Stadt sei am Vortag Trauerbeflaggung angeordnet worden, entsprechende Anregungen seien aus der Bevölkerung gekommen.

mrc/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.