IG Metall Gewerkschaftsboss droht mit Vergeltung

Die Gewerkschaften erhöhen den Druck auf den Bundeskanzler: IG-Metall-Chef Zwickel wirft Gerhard Schröder "vordemokratisches" Verhalten vor, sein Vize Peters droht mit hohen Lohnforderungen. Die Gewerkschafter würden sich zurückholen, was die Politik ihnen nehme.


Warnung an den Kanzler: IG-Metall-Vize Jürgen Peters
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Warnung an den Kanzler: IG-Metall-Vize Jürgen Peters

Frankfurt - Die Töne der Gewerkschafter werden immer schriller, der Konflikt mit der Bundesregierung spitzt sich zu. Jetzt droht IG-Metall-Vize Jürgen Peters gar mit Vergeltung, sollte Schröders Reform-Programm unverändert umgesetzt werden. Der Gewerkschaftsboss sagte der "Leipziger Volkszeitung", als Ausgleich für einseitige Belastungen würden die Arbeitnehmer-Vertreter die Gangart in den kommenden Tarifverhandlungen verschärfen und als "tarifliche Wiedergutmachung" höhere Forderungen stellen: "Wir müssen die Erwartungen unserer Mitglieder erfüllen, und die wollen tarifliche Wiedergutmachung für das, was ihnen diese Regierung androht."

Peters Chef, der IG-Metall-Vorsitzende Klaus Zwickel, hat Bundeskanzler Schröder wegen dessen harter Haltung bei den Sozialreformen mangelnden Dialogwillen und "vordemokratische Züge" bescheinigt. Eine Politik nach dem Motto "basta, so ist es" könne nicht zum politischen Stil werden, sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Zugleich bestritt er, dass die Gewerkschaften beim Protest gegen die Agenda 2010 den Sturz Schröders in Kauf nehmen. Ähnlich äußerte sich ver.di-Chef Frank Bsirske, der zugleich auch die Grünen scharf angriff.

Strategiewechsel der Gewerkschaften angekündigt

"Wenn das so durchgezogen wird, muss die SPD doch auch wissen, dass sie die nächsten Wahlen mit Sicherheit nicht gewinnen kann", sagte Peters in einem dpa-Gespräch. Die Agenda 2010 werde nicht dadurch richtiger, "dass der Kanzler das mit seinem Schwergewicht bei einem außerordentlichen Parteitag durchhaut". Derzeit werde leider die Loyalität zur Person über die Inhalte gestellt.

Peters kündigte einen Strategiewechsel der Gewerkschaften an, falls die SPD bei ihrer Linie bleibe. "Wir werden uns neu aufstellen müssen, wenn die SPD in einer so abrupten Art die Gewerkschaften zur Seite stellt", sagte Peters.

"Die ganze Richtung stimmt nicht"

Der IG-Metall-Vizechef warf Schröder vor, den Konflikt mit den Gewerkschaften zu provozieren und das Verhältnis nachhaltig zu belasten: "Wer die Vermögenden nicht heranzieht zur Finanzierung dieses Sozialstaates, der kann nicht die schmaleren Schultern belasten und noch den Beifall der Gewerkschaften erwarten."

Die soziale Schieflage der "Agenda 2010" sei nicht nur ein Frage von Details. Die ganze Richtung stimme nicht. "Es hat keinen Sinn, den Leuten vorzumachen, dass man einschneidende Kürzungen vornimmt, und daraus würden automatisch Arbeitsplätze sprudeln", sagte Peters.

In den kommenden Wochen werde die IG Metall ihre Proteste gegen die "Agenda 2010" verstärken und für eigene Konzepte werben, kündigte Peters an. "Wir haben eine Vielzahl von Entwicklungen aufgezeigt, die wir für notwendig halten, um den Sozialstaat fit zu halten". Niemand könne deshalb sagen, die Gewerkschaften seien "Blockierer" und "Nein-Sager".



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