IG-Metall-Krise Peters kämpft um seinen Job

Unbeirrt vom Streikdesaster in Ostdeutschland will IG-Metall-Vize Jürgen Peters die Nachfolge Klaus Zwickels antreten. Doch statt auf dem Topjob wollen ihn viele Metaller bloß noch von hinten sehen.


IG-Metall-Vize Jürgen Peters: will trotz des verlorenen Arbeitskampfes den Chefsessel
DPA

IG-Metall-Vize Jürgen Peters: will trotz des verlorenen Arbeitskampfes den Chefsessel

Frankfurt/Main - IG-Metall-Vize Jürgen Peters will keine persönlichen Konsequenzen aus der desaströsen Streik-Niederlage in Ostdeutschland ziehen. Vielmehr glaubt er weiterhin, wie vorgesehen die Nachfolge von Gewerkschaftschef Klaus Zwickel antreten zu können. Führende Funktionäre hatten ihn am Dienstag aufgefordert, sich zu seiner Verantwortung für das Scheitern des Arbeitskampfes um die Einführung der 35-Stunden-Woche in der ostdeutschen Metallindustrie zu bekennen - und zu gehen.

"Ich habe die Absicht, den IG-Metall-Vorsitz zu übernehmen", sagte Peters der "Augsburger Allgemeine". Bei einer Jubiläumsfeier der Gewerkschaftsniederlassung in der bayerischen Stadt Neu-Ulm räumte er ein, man habe möglicherweise die Stärke der Unternehmen falsch eingeschätzt. Auch habe die Gewerkschaftsspitze nicht mit einer derartigen öffentlichen Ablehnung gerechnet. Von Kritikern aus den eigenen Reihen verlangte Peters, sie sollten sich ihre Äußerungen zwei Mal überlegen und zur Disziplin zurückkehren.

Forderungen nach Peters Rücktritt

IG-Metall-Bezirkschef für Rheinland-Pfalz, Saarland, Hessen und Thüringen, Klaus Mehrens, ließ sich nicht einschüchtern. Gegenüber der Ludwigshafener "Rheinpfalz" sagte er, in Peters' Situation würde er "ernsthafte persönliche Konsequenzen in Erwägung ziehen". Ein personeller Neuanfang könne der Gewerkschaft helfen. Der zum Bundesvorstand gehörende Wolf Jürgen Röder forderte Peters auf, die IG Metall noch vor dem Gewerkschaftstag im Oktober durch seinen Rücktritt zu entlasten.

Auch Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz forderte indirekt Peters' Rücktritt. Die IG Metall müsse erst inhaltlich Konsequenzen ziehen, aber dann auch über Personen reden, weil die für Richtungen stehen", sagte Franz in einem Interview der "Zeit". Mit einem Vorsitzenden Jürgen Peters wären Reformen schwierig.

Verlautbarungen zufolge will Peters bis zu einer Vorstandssitzung am kommenden Dienstag sondieren, wie groß sein Vertrauen an der Basis und bei der mittleren Funktionärsschicht noch ist. Bei der Sitzung sollen personelle und inhaltliche Konsequenzen gezogen werden.

Peters, Metaller in Dresden: Funktionäre fordern Rücktritt
DDP

Peters, Metaller in Dresden: Funktionäre fordern Rücktritt

Unter anderem geht es darum, ob sich die IG Metall künftig in Ostdeutschland auf das Aushandeln von Haustarifverträgen mit einzelnen Unternehmen konzentrieren oder an Flächentarifverträgen festhalten soll. Ein Sprecher der Berliner Metallarbeitgeber bekräftigte, dass man den Flächentarif erhalten wolle.

Rückendeckung vom Kanzler

Bundeskanzler Gerhard Schröder warnte davor, das Gewerkschaftslager nach der Niederlage der IG Metall zu demütigen. Damit sei niemand geholfen, sagte er auf einer SPD-Wirtschaftstagung in Berlin. Die Gewerkschaften durchlebten "einen mindestens genauso schweren Prozess des Umdenkens und Lernens wie die Parteien und die Politik auch". Ihnen müsse Gelegenheit gegeben werden, aus Fehlern zu lernen.

Rückendeckung erhielt Peters erneut vom Bezirksleiter für Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, Hartmut Meine. Dieser verlangte in Hannover ein Festhalten am Vorstandsbeschluss über die Nachfolge Zwickels. Die Diskussion über das Ende des Streiks dürfe nicht auf eine Personaldebatte reduziert werden. Der IG-Metall-Bezirksleiter von Berlin-Brandenburg und Sachsen, Hasso Düvel, kündigte laut "Sächsischer Zeitung" an, bis kommenden Dienstag über einen Rücktritt zu entscheiden. Der Leiter der Verwaltungsstelle Halberstadt, Rainer Metke, wies Kritik aus dem Westen zurück. Die Einschätzungen "von der Zuschauertribüne in Nordrhein-Westfalen" seien weder solidarisch noch von Sachkenntnis geprägt.



© SPIEGEL ONLINE 2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.