Imagekrise Merkel enttäuscht Mehrheit der Deutschen

Schwarz-Gelb rutscht immer tiefer ins Umfrageloch: Laut Deutschlandtrend der ARD sind nur noch 40 Prozent der Bundesbürger mit der Arbeit von Kanzlerin Merkel zufrieden - der schlechteste Wert seit ihrem Amtsantritt als Regierungschefin. Auch die FDP muss weitere Verluste hinnehmen.

Bundeskanzlerin Merkel: Schlechte Umfragewerte für Union und FDP
ddp

Bundeskanzlerin Merkel: Schlechte Umfragewerte für Union und FDP


Köln - Die Imagekrise der Bundesregierung verschärft sich. Laut einem am Dienstag veröffentlichten ARD-Deutschlandtrend Extra verlieren Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Vizekanzler Guido Westerwelle (FDP) im Vergleich zum Monatsbeginn weiter an Zustimmung in der Bevölkerung.

Der Umfrage zufolge sind nur noch 40 Prozent der Deutschen mit der Arbeit Merkels zufrieden. Dies sind acht Punkte weniger im Vergleich zu Anfang Juni und der schlechteste Wert Merkels in ihrer Zeit als Regierungschefin. Seit Anfang Mai hat sie laut ARD 18 Punkte eingebüßt. Westerwelle verliert im Vergleich zum Monatsbeginn vier Punkte und erreicht 20 Prozent Zustimmung. Dies ist sein schlechtester Wert seit Januar 2003. Damit ist er unverändert Schlusslicht unter den abgefragten Parteipolitikern.

Auch die Zufriedenheit mit der schwarz-gelben Bundesregierung schwindet. Nur noch zwölf Prozent der Deutschen sind mit der Arbeit der Koalition einverstanden. Dies sind acht Punkte weniger im Vergleich zum Monatsbeginn. So negativ wurde eine Bundesregierung der ARD zufolge zuletzt im März 2004 bewertet.

Aufgeschlüsselt nach Partien verliert die FDP einen weiteren Punkt und kommt jetzt nur noch auf fünf Prozent - den schwächsten Wert in dieser Umfrage seit Oktober 2003. Die Union legt um einen Punkt zu und kommt auf 32 Prozent. Die SPD erreicht unverändert 29 Prozent. Die Grünen machen einen Punkt gut und klettern auf 17 Prozent. Die Linke erreicht elf Prozent (ein Punkt Verlust).

Bei der Wahl zwischen einem Verbleib der schwarz-gelbe Koalition bis 2013, einer großen Koalition oder Neuwahlen, entscheidet sich knapp die Hälfte der Deutschen für Neuwahlen. 47 Prozent halten diese für die beste der drei Möglichkeiten. 24 Prozent sind für einen Wechsel zu einer großen Koalition aus Union und SPD. Nur 23 Prozent halten es für das Beste, wenn die aktuelle Koalition bis 2013 weiterarbeitet.

Für die Umfrage im Auftrag der ARD hatte das Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap am Montag und Dienstag dieser Woche 1000 Wahlberechtigte bundesweit telefonisch befragt.

Katastrophale Bewertungen aus den Führungsetagen

Noch schlechter fallen die Umfragewerte in den Führungsspitzen aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung aus. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag des Wirtschaftsmagazins "Capital". Zeigten sich kurz nach dem Start der Koalition im vergangenen Herbst immerhin bereits 63 Prozent der Top-Entscheider enttäuscht von der Regierung, sind es nun sage und schreibe 92 Prozent. Zufrieden äußerten sich lediglich noch sechs Prozent.

Die Koalition verharrt auch dem Wahltrend des Meinungsforschungsinstitutes Forsa für den "Stern" und den Fernsehsender RTL zufolge weiter im Stimmungstief: Wenn jetzt Bundestagswahl wäre, würden sich demnach nur 31 Prozent der Wähler für die Union entscheiden, 1 Punkt weniger als in der Vorwoche. Die FDP könnte mit sechs Prozent der Stimmen rechnen, ein Punkt mehr als in der Woche zuvor. Gemeinsam kommt die schwarz-gelbe Koalition auf 37 Prozent. Seit der Bundestagswahl vor neun Monaten hat sie damit rund 11 Prozentpunkte eingebüßt.

Die Werte der Oppositionsparteien blieben laut Umfrage weitgehend stabil. Die SPD erreicht wie in der Vorwoche 26 Prozent, die Grünen halten zum zweiten Mal in Folge ihr Rekordhoch von 18 Prozent. Die Linke fällt um 1 Punkt auf 11 Prozent. Mit zusammen 55 Prozent liegen SPD, Grüne und Linke damit 18 Punkte vor Union und FDP. Für die Umfrage wurden 2501 repräsentativ ausgesuchte Bundesbürger vom 7. bis 11. Juni befragt.

jok/hen/dpa/ddp



insgesamt 115 Beiträge
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Seite 1
Bhur Yham, 16.06.2010
1. Wirklich kein Wunder,
Zitat von sysopSchwarz-Gelb rutscht immer tiefer ins Umfrageloch: Laut Deutschlandtrend der ARD sind nur noch 40 Prozent der Bundesbürger mit der Arbeit von Kanzlerin Merkel zufrieden - der schlechteste Wert seit ihrem Amtsantritt als Regierungschefin. Auch die FDP muss weitere Verluste hinnehmen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,700944,00.html
Raubritter hatten noch nie ein besonders positives Images.
jonimuc 16.06.2010
2. .
Zitat von sysopSchwarz-Gelb rutscht immer tiefer ins Umfrageloch: Laut Deutschlandtrend der ARD sind nur noch 40 Prozent der Bundesbürger mit der Arbeit von Kanzlerin Merkel zufrieden - der schlechteste Wert seit ihrem Amtsantritt als Regierungschefin. Auch die FDP muss weitere Verluste hinnehmen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,700944,00.html
Jahrelang hat SPON die Kanzlerin hochgeschrieben, jetzt schreibt er sie runter, sie wird auch diese Kampagne einfach aussitzen.
Michael Giertz, 16.06.2010
3. Zufriedenheit
Zitat von sysopSchwarz-Gelb rutscht immer tiefer ins Umfrageloch: Laut Deutschlandtrend der ARD sind nur noch 40 Prozent der Bundesbürger mit der Arbeit von Kanzlerin Merkel zufrieden - der schlechteste Wert seit ihrem Amtsantritt als Regierungschefin. Auch die FDP muss weitere Verluste hinnehmen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,700944,00.html
Mit der Zufriedenheit ist es so eine Sache. Pauschal erkaufen lässt sie sich nicht; Steuergeschenke, Elterngeld, Beitragssenkungen usw dürften kaum die Zufriedenheitswerte verbessern. Warum sind wir, die Bürger, unzufrieden mit der Arbeit unserer Regierung? Ich führe mal fdrei Punkte auf, die meiner Meinung nach den meisten Deutschen unter den Nägeln brennen. Und nein, es geht nicht um gebrochene Wahlversprechen: wer nach der großen Sause mit den Konjunkturpaketen gedacht hat, Steuersenkungen seien finanzierbar und deswegen wurde Schwarz-Gelb gewählt, der hat, ich bitte um Verzeihung, ein Spatzenhirn. Warum wir unzufrieden sind: - Mangelnde soziale Gerechtigkeit. Immer weniger Menschen sehen ein, wieso sie immer mehr Abgaben bei gleichzeitig sinkenden Sozialleistungen tragen müssen. Warum müssen wir, die jetzt arbeitende Bevölkerung, nicht nur die Rente bezahlen (gesetzl. Rentenversicherung) sondern auch noch eine private Rentenversicherung abschließen, weil unsere eigenen gesetzl. Rentenansprüche auf Hartz-Niveau rumkrebsen werden? Wieso sinken die Kassenleistungen bei AOK und co, während die Beiträge anschwellen und auch bei 20% Beitragssatz die Finanzierung nicht gesichert ist? Usw. Wenn man es weniger persönlich sondern global betrachtet: wieso kann es sich der Staat leisten, Milliarden in Banken zu pumpen - aber die Sozialsysteme verrotten, weil's Geld fehlt? Die Leute haben einfach das Gefühl, dass das Geld schlichtweg den falschen Leuten nachgeworfen wird und dass der Sozialstaat nicht mehr sozial ist. - Mangelnde Zukunftsperspektive. Ungebildet, mit Hauptschulabgang für's Leben gezeichnet? Mehr als die Hartz-Karriere bleibt da nicht. Aber inzwischen kann man auch die mittlere Reife und gute Noten haben, das garantiert keinen Ausbildungsplatz und schon gar keine sichere Zukunft. Wer so Mitte bis Ende 40 ist darf sich auch keine rosige Zukunft mehr ausmahlen: steht die Kündigung ins Haus, sind die Chancen gering, schnell wieder in Lohn und Brot zu kommen, jedenfalls nicht zu den Konditionen wie zuvor. Dass man dafür auch noch Umzugsbereitschaft mitbringen darf, wird vorausgesetzt (man hat ja keine Familie *ironie*) Egal wer man ist und woher man kommt, egal, was man geleistet hat: der Fall nach unten ist inzwischen kaum vermeidbar. Diese Gewissheit, dass man am eigenen Schicksal, an der eigenen Lebenssituation eigentlich nichts ändern kann, zerstört jedes bisschen Glück. - Und natürlich die offensichtliche Korruptheit. Politikverdrossenheit erwächst daraus, wenn man merkt, dass des Volkes Stimme überhaupt kein Gewicht mehr hat. Lissabonvertrag? Hat uns jemand gefragt, ob wir eine EU-Verfassung wollen? Hat uns jemand gefragt, ob wir die Währungsunion wollen? Hat irgendjemand mal gefragt, "Ossi" wie "Wessi", ob der Soli überhaupt Sinn macht? Und wie sieht's aus mit dem Krankenkassenfond, der GEZ (bzw der geplanten Mediensteuer) und der Praxisgebühr? Nein. Ich sag's ja nur.
Eldani, 16.06.2010
4.
immer noch 40%? ich bin sehr verwundert, ... scheint also die Verdummung in Deutschland immer noch bei 40% zu liegen.
phonoroid, 16.06.2010
5. Bittere Pillen
Zitat von sysopSchwarz-Gelb rutscht immer tiefer ins Umfrageloch: Laut Deutschlandtrend der ARD sind nur noch 40 Prozent der Bundesbürger mit der Arbeit von Kanzlerin Merkel zufrieden - der schlechteste Wert seit ihrem Amtsantritt als Regierungschefin. Auch die FDP muss weitere Verluste hinnehmen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,700944,00.html
Ehrlichkeit würde helfen, doch dann wär sie schon nicht mehr Kanzlerin. Ich glaube, Frau Merkel könnte es noch über's Herz bringen, Ihren Untertanen das geplante Sparpaket zu erklären - in einer moderaten, verkehrstauglichen Version. Aber das würde Sie ungern leisten, weiß Sie doch um die Unbekannten der Gleichung, die Sie nicht benennen mag. Die Antwort, die Sie im wahrhaftigen inneren Kern auf die Fragen "Wer in Deutschland, oder gar in der Welt bestimmt?", und "Wie's weitwergeht?", geben würde, aber nie geben wird, wäre hörenswert, aber schlichtweg unerträglich und für die Meisten mehr als erschreckend. Damit will ich keineswegs Wasser auf die Mühlen von Anhängern konspirativer verdächtigungen gießen. Es reicht, wenn man die Realität betrachtet, die auch nicht durch den gleichmütig zelebrierten, Alles harmonisierenden Optimismus des dauermoderierenden Herrn Wulff verschwindet. Ein Arzt könnte da eher helfen.
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