Impfdebatte Deutscher Ethikrat lehnt allgemeine Masernimpfpflicht ab

Der Deutsche Ethikrat findet die von der Großen Koalition angestrebte Masernimpfpflicht für Kinder nicht gerechtfertigt. Bei Erwachsenen rät er aber zur Pflicht für bestimmte Berufsgruppen.
In Deutschland tobt seit Monaten eine Debatte um die Impfpflicht

In Deutschland tobt seit Monaten eine Debatte um die Impfpflicht

Foto: Martin Schutt/ picture alliance/dpa

Kinder, die nicht gegen Masern geimpft sind, sollen nach Wunsch des Deutschen Ethikrats künftig besser erfasst und die Eltern intensiver beraten werden. Eine generelle staatliche Impfpflicht bei Kindern oder Erwachsenen sei laut dem Rat aber "nicht gerechtfertigt".

Nach einem Gesetzentwurf von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) soll eine Impfpflicht gegen Masern ab März 2020 für Kinder und das Personal in Kitas, Schulen und medizinischen Einrichtungen gelten. Der entsprechende Gesetzentwurf sieht unter anderem Bußgelder von bis zu 2500 Euro gegen Eltern vor, die ihre Schulkinder nicht gegen Masern impfen lassen.

Der Ethikrat begründete seine Stellungnahme unter anderem mit den insgesamt hohen Impfquoten bei Kleinkindern und Schulkindern. Außerdem sollten neben der besseren Erfassung und Betreuung von nicht-geimpften Kindern und ihren Familien Impfaktionen in den Betreuungseinrichtungen möglich sein. Der Ausschluss nicht-geimpfter Kinder etwa aus Kitas sollte nur "in individuell begründeten Ausnahmefällen" möglich sein.

Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen

Der Ethikrat sprach sich für eine Impfpflicht "für Berufsgruppen in besonderer Verantwortung" aus. Grundsätzlich sei es keine reine Privatangelegenheit, ob man sich gegen eine hochansteckende Infektionskrankheit wie die Masern impfen lasse. Angesichts einer solchen "moralischen Pflicht" für die gesamte Bevölkerung sei aber zu prüfen, für wen auch eine Rechtspflicht erforderlich sei.

Spahn begrüßte den Appell des Ethikrats, wonach jeder zur Masernimpfung moralisch verpflichtet sei. Das sehe er genauso. "Allerdings halte ich es für notwendig, diese Pflicht verbindlicher zu gestalten", erklärte Spahn. Ziel sei es, dass zumindest Kinder und deren Betreuer sowie medizinisches Personal geimpft würden. "Wir können Masern ausrotten. Dafür brauchen wir die Impfpflicht."

höh/dpa/AFP
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