Impfdebatte Deutscher Ethikrat lehnt allgemeine Masernimpfpflicht ab

Der Deutsche Ethikrat findet die von der Großen Koalition angestrebte Masernimpfpflicht für Kinder nicht gerechtfertigt. Bei Erwachsenen rät er aber zur Pflicht für bestimmte Berufsgruppen.

In Deutschland tobt seit Monaten eine Debatte um die Impfpflicht
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In Deutschland tobt seit Monaten eine Debatte um die Impfpflicht


Kinder, die nicht gegen Masern geimpft sind, sollen nach Wunsch des Deutschen Ethikrats künftig besser erfasst und die Eltern intensiver beraten werden. Eine generelle staatliche Impfpflicht bei Kindern oder Erwachsenen sei laut dem Rat aber "nicht gerechtfertigt".

Nach einem Gesetzentwurf von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) soll eine Impfpflicht gegen Masern ab März 2020 für Kinder und das Personal in Kitas, Schulen und medizinischen Einrichtungen gelten. Der entsprechende Gesetzentwurf sieht unter anderem Bußgelder von bis zu 2500 Euro gegen Eltern vor, die ihre Schulkinder nicht gegen Masern impfen lassen.

Der Ethikrat begründete seine Stellungnahme unter anderem mit den insgesamt hohen Impfquoten bei Kleinkindern und Schulkindern. Außerdem sollten neben der besseren Erfassung und Betreuung von nicht-geimpften Kindern und ihren Familien Impfaktionen in den Betreuungseinrichtungen möglich sein. Der Ausschluss nicht-geimpfter Kinder etwa aus Kitas sollte nur "in individuell begründeten Ausnahmefällen" möglich sein.

Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen

Der Ethikrat sprach sich für eine Impfpflicht "für Berufsgruppen in besonderer Verantwortung" aus. Grundsätzlich sei es keine reine Privatangelegenheit, ob man sich gegen eine hochansteckende Infektionskrankheit wie die Masern impfen lasse. Angesichts einer solchen "moralischen Pflicht" für die gesamte Bevölkerung sei aber zu prüfen, für wen auch eine Rechtspflicht erforderlich sei.

Spahn begrüßte den Appell des Ethikrats, wonach jeder zur Masernimpfung moralisch verpflichtet sei. Das sehe er genauso. "Allerdings halte ich es für notwendig, diese Pflicht verbindlicher zu gestalten", erklärte Spahn. Ziel sei es, dass zumindest Kinder und deren Betreuer sowie medizinisches Personal geimpft würden. "Wir können Masern ausrotten. Dafür brauchen wir die Impfpflicht."

höh/dpa/AFP

insgesamt 13 Beiträge
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paul_a.stevens 27.06.2019
1. Kompetenzgerangel
Bei allem Respekt für den Ethikrat, aber wenn dieser jetzt auch anfängt, Impfempfehlungen auszusprechen, welche Gruppen wohl und welche nicht geimpft werden sollten, überschreitet sie ihre Kompetenzen. Dafür haben wir die STIKO, die macht ihre Arbeit gründlich und gut.
Female 27.06.2019
2. Sessel zurechtrücken,...
...Tüte Chips öffnen, Bierchen auf, zurücklehnen: Lasst die Spiele bzw. die nächste SPON-Diskussionsrunde "Impfgegner vs. Impfbefürmworter" beginnen...
Newspeak 27.06.2019
3. ...
Zitat von paul_a.stevensBei allem Respekt für den Ethikrat, aber wenn dieser jetzt auch anfängt, Impfempfehlungen auszusprechen, welche Gruppen wohl und welche nicht geimpft werden sollten, überschreitet sie ihre Kompetenzen. Dafür haben wir die STIKO, die macht ihre Arbeit gründlich und gut.
Ja. Und das gilt allgemein. In Ethikraeten sitzen zuviele wissenschaftsfeindliche und naturwissenschaftlich ungebildete Bedenkentraeger. Leute aus der Kirche z.B. haben dort nichts verloren. Die STIKO ist die einzige Organisation, die Impfempfehlungen aussprechen sollte.
emmm 27.06.2019
4. Der Ethikrat findet es also völlig in Ordnung ...
dass Eltern ihre Kinder nicht impfen lassen und dann in die Kita schicken - die meisten anderen Kinder und die Betreuer sind ja trotzdem geimpft. Ob es in der Straßenbahn dann noch ein paar Rentner und Urlauber erwischt, ist scheinbar egal. Haben die eigentlich irgendwas verstanden?
arago 27.06.2019
5. Religiöse Glaubensfragen
im Ethikrat zu behandeln ist völlig legitim und m.E. auch notwendig. Der Kampf um die Einführung der Impfpflicht erinnert eher an Kreuzzug als an wissenschaftlich fundierte Debatten, von denen ich bisher annahm, dass ausführlich über Für und Wider diskutiert wird. Eine offene und ehrliche Diskussion über Impfnebenwirkungen nehme ich in der Öffentlichkeit nicht wahr. Hochgerechnet aus früheren Zahlen des RKI sollen pro Jahr 25 Menschen in D an direkten Impffolgen sterben. Ich hätte da gern eine verlässliche Zahl gehört von amtlicher Seite...
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