Frauenquote Deutschland hat nur 20 Botschafterinnen

Der Frauenanteil in Leitungspositionen der Auslandsvertretungen der Bundesrepublik ist gering - er beträgt 15,9 Prozent. Im Gleichstellungsindex werden die Auslandsvertretungen nicht betrachtet.

Die deutsche Botschafterin in den USA, Emily Haber
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Die deutsche Botschafterin in den USA, Emily Haber

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Das Auswärtige Amt hat ein Ziel: Einen Frauenanteil von 50 Prozent in allen Bereichen. Besonders in Leitungspositionen im Ausland sind sie von diesem Ziel weit entfernt. Insgesamt sind nur 15,9 Prozent der Leiter der Auslandsvertretungen weiblich. In Botschaften sind es 13,2 Prozent - von insgesamt 152 Personen sind 20 Frauen Botschafterinnen. Das geht aus der Beantwortung einer Schriftlichen Frage der Grünen hervor, die dem SPIEGEL vorliegt.

Darunter sind auch prominente Frauen wie Emily Haber - sie ist Botschafterin in den Vereinigten Staaten von Amerika. Auch die Botschafterinnen von - unter anderem - Italien, Irland, Australien, Kenia und Litauen sind Frauen.

In den letzten Jahrezehnten gab es eine Steigerung des Frauenanteils

Im Gleichstellungsindex des Statistischen Bundesamts taucht der Frauenanteil der Auslandsvertretungen nicht auf. Dort wird das Auswärtige Amt als oberste Bundesbehörde ohne die Auslandsvertretungen betrachtet, heißt es in dem Bericht von 2017. Laut diesem beträgt der Frauenanteil in Führungspositionen 25 Prozent im Auswärtigen Amt.

In den Attaché-Lehrgängen für den höheren auswärtigen Dienst gab es in den vergangenen Jahrzehnten insgesamt eine Steigerung des Frauenanteils. 2016 wurde die Zielmarke von 50 Prozent beinahe erreicht - fiel allerdings 2017 wieder auf 32 Prozent, da mehrere Bewerberinnen des Auswahlverfahrens abgesagt hätten und andere aus persönlichen Gründen zurückgestellt worden seien.

"Den Rückgang des Frauenanteils im vergangenen Jahr nimmt das Auswärtige Amt sehr ernst. Die Tendenz der vergangenen Jahre ist dennoch eindeutig und weist in die richtige Richtung", heißt es in dem Papier.

Göring-Eckardt fordert verbindlichen Zeitplan

Die Fraktionschefin der Grünen, Katrin Göring-Eckardt, fordert von Bundesaußenminister Heiko Maas einen verbindlichen Zeitplan zur Umsetzung der gesetzlichen Gleichstellungsziele. "Die geringe Repräsentation von Frauen im Auswärtigen Amt ist ein Trauerspiel", sagte sie dem SPIEGEL.

Selbst bei der Rekrutierung des eigenen Nachwuchses gelänge es dem Haus nicht, auch nur annähernd eine gleichwertige Beteiligung von Frauen herzustellen. Das müsse sich dringend ändern. "Unsere Botschafter und Diplomaten vertreten unser Land nach außen. Sie müssen die hohe außenpolitische Kompetenz von Frauen und ihre gesellschaftliche Rolle auch im Ausland widerspiegeln", sagte sie.

Deutschland hat 226 Auslandsvertretungen. Dort sind 190 Männer als Leiter und 36 Frauen als Leiterinnen tätig.



insgesamt 33 Beiträge
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quark2@mailinator.com 31.10.2018
1.
Klar und weil man mit nem weiblichen Botschafter in diversen Staaten nicht weiterkommt, bekommen die Männer dann immer den Jemen etc. und all die schönen westlichen Botschaften werden von Frauen besetzt. Aber vielleicht schaut man einfach mal nach, wieviele Bewerber es für den Job eigentlich gibt und wie die Verteilung da ist. Sollten sich hauptsächlich Männer bewerben, wäre die Ursache vielleicht da zu suchen.
ulmer_optimist 31.10.2018
2. Gleichstellung...
...ist auch in diesem Bereich wichtig. Eine pauschale Quote mal wieder Unsinn. Es müssen sich eben Frauen finden, die auch bereit sind, mit allen Konsequenzen in diesem Bereich zu arbeiten. Mit Partnern, die so mitziehen, wie das heute oft umgekehrt die Frauen tun. Gleichstellung bedeutet eben, dass sich Männer und Frauen bewegen. Die Teilzeitbotschafterin, die dann Nachmittags die Kinder aus dem Hort holt, gibt es vermutlich nicht. darum muss sich dann der Partner kümmern.
oliver_loessl 31.10.2018
3. Zum Glück gezwungen werden...
"...fiel allerdings 2017 wieder auf 32 Prozent, da mehrere Bewerberinnen des Auswahlverfahrens abgesagt hätten und andere aus persönlichen Gründen zurückgestellt worden seien." Ich denke da müssen wohl einige wirklich zu ihrem Glück gezwungen werden. Kann doch nicht angehen, dass die da einfach absagen oder aus persönlichen Gründen davonlaufen. Ja, ein echtes Trauerspiel.
mwroer 31.10.2018
4.
Wie soll dass denn funktionieren? "Die Fraktionschefin der Grünen, Katrin Göring-Eckardt, fordert von Bundesaußenminister Heiko Maas einen verbindlichen Zeitplan zur Umsetzung der gesetzlichen Gleichstellungsziele." Und kurz davor: "In den Attaché-Lehrgängen für den höheren auswärtigen Dienst gab es in den vergangenen Jahrzehnten insgesamt eine Steigerung des Frauenanteils. 2016 wurde die Zielmarke von 50 Prozent beinahe erreicht - fiel allerdings 2017 wieder auf 32 Prozent, da mehrere Bewerberinnen des Auswahlverfahrens abgesagt hätten und andere aus persönlichen Gründen zurückgestellt worden seien." Also haben Frauen selbst abgesagt. Was erwartet Frau Göring-Eckardt denn? Frauenanteil von 80% um die Absagen abzufangen? Zwangsentlassungen von Männern? Botschafter/in bzw. Attaché ist ein Job in dem es extrem auf das Skillset ankommt - nicht auf das Geschlecht. In manchen Bereichen, liebe Grüne, ist Gleichstellung einfach nicht per order de Mufti zu erreichen. Ob Euch das nun gefällt ist völlig egal.
Idinger 31.10.2018
5. Im Ernst?
Eine lustige Forderung: "Das Auswärtige Amt hat ein Ziel: Einen Frauenanteil von 50 Prozent in allen Bereichen." Und was ist mit dem Männeranteil an den Schreibkräften im Ministerium? Unser Innenminister hat übrigens vor einigen Monaten einen Referentenentwurf zur Umsetzung des Verfassungsgerichts-Urteils zum Dritten Geschlecht ("weiteres") vorgelegt; in der Tat ein "Trauerspiel", dass die Grünen sich bei ihrer Gleichstellungsmanie auf Männer und Frauen beschränken. Echt diskriminierend von Frau Göring-Eckardt - wenn das der Habeck wüßte
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