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31. Oktober 2007, 20:36 Uhr

Indien und EU

Merkel wirbt für Freihandelsabkommen

Auf Mission in Sachen Liberalisierung: Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte Indien auf, Handelshemnisse abzubauen. Von der deutschen Wirtschaft verlangte Merkel, sich schnell stärker in Indien zu engagieren - andernfalls drohe Deutschland abgehängt zu werden.

Bombay - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat für engere Wirtschaftsbeziehungen mit Indien geworben und davor gewarnt, dass Deutschland den Anschluss verliert. "Wir wissen, auch andere kommen hierher", sagte sie auf der letzten Station ihrer Indien-Reise in Bombay.

Merkel machte sich für ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien stark. Dies sei aber kein Ersatz für die Doha-Welthandelsrunde zur weiteren Liberalisierung. Die Kanzlerin forderte Indien dazu auf, Handelshemmnisse abzubauen.

In der globalisierten Welt müssten die Länder mehr gegenseitiges Verständnis aufbringen, forderte Merkel weiter. "Wir müssen uns näherkommen und wir müssen einen permanenten Draht zueinander haben".

In Bombay sprach Merkel mit einer Gruppe von 15 Frauen, die über die Bank für ländliche Entwicklung (NABARD) kleine Darlehen erhält und sich selbst organisiert. "Ich bin sehr erfreut und beeindruckt, wie dies funktioniert", sagte sie. Rund 40 Millionen Menschen in Indien erhalten auf diese Weise solche Kleinstdarlehen.

Als amtierende G-8-Präsidentin versicherte Merkel Indien erneut, die Gruppe der fünf wichtigsten Schwellenländer näher an den Kreis der acht führenden Industriestaaten heranführen zu wollen. Dieser Prozess werde in den nächsten Jahren noch allergrößte Bedeutung haben. Die G-8 hatte im Sommer bei ihrem Gipfeltreffen in Heiligendamm mit Indien, China, Brasilien, Mexiko und Südafrika einen permanenten Dialog zu wichtigen globalen Themen vereinbart.

Ihre Reise nach Indien wertete Merkel als Erfolg. "Wir sind mit offenen Türen und mit offenen Herzen hier in Indien willkommen geheißen worden", sagte die Kanzlerin. Der Besuch sei "ein großer Erfolg und eine große Freude" für die deutsche Seite gewesen.

Gestern hatten Merkel und der indische Premierminister Manmohan Singh eine engere Partnerschaft beim Klimaschutz, der Lösung internationaler Konflikte und in der Wissenschaft vereinbart. In einer gemeinsamen Erklärung setzten sich beide Regierungen das Ziel, den gegenseitigen Handel in den kommenden fünf Jahren auf 20 Milliarden Euro zu verdoppeln. Deutschland und Indien riefen die Weltgemeinschaft außerdem zu mehr Klimaschutz auf.

Morgen will Merkel mit Vertretern von Bürgergruppen treffen, um über die Situation von Minderheiten in Indien zu sprechen.

FDP-Generalsekretär Dirk Niebel warf Merkel vor, wegen ihrer Auslandsreisen innenpolitische Fragen zu vernachlässigen. Sie setze die falschen Prioritäten und tauche bei innenpolitischen Fragen ab, sagte er der "Bild"-Zeitung" "Gerade nach dem Linksruck ihres Koalitionspartners SPD brennt in Deutschland die Hütte - und sie reist durch Indien."

anr/dpa/AP

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