Inhaftierte Reisegruppe Pakistan lässt mutmaßliche deutsche Islamisten ausreisen

Das diplomatische Tauziehen ist vorbei: Pakistan hat eine aus Deutschland eingereiste Gruppe mutmaßlicher Islamisten freigelassen und zurückgeschickt. Die Männer aus dem Raum Bonn stehen im Verdacht, dass sie sich einer militanten Gruppe anschließen wollten.

Von und Yassin Musharbash


Berlin - Bereits am späten Freitagabend kam die sechsköpfige Gruppe wieder in Deutschland an - per Linienflug aus Pakistan. Fast ein halbes Jahr hatte die Gruppe - vier Männer, eine Frau und ein kleines Mädchen - zuvor in pakistanischer Haft verbracht. Die nun erfolgte Ausreise, die Sicherheitskreise SPIEGEL ONLINE bestätigten, ist das Ergebnis eines wochenlangen diplomatischen Tauziehens zwischen dem Auswärtigen Amt in Berlin und den pakistanischen Sicherheitsbehörden.

Denn die Reisegruppe wird verdächtigt, dass sie sich einer militanten Gruppe anschließen wollte. Möglicherweise geht es dabei um die Islamische Bewegung Usbekistan (IBU), die aus der pakistanischen Region Waziristan operiert, denn einer der von den Pakistanern festgenommenen Männer, der Deutsch-Libyer Ahmed K., ist ein Schwager von Mounir Chouka aus Bonn, der bereits mehrfach in Propagandavideos der IBU aufgetreten ist.

Zu der Gruppe gehören außerdem der Konvertit Andreas M., seine Ehefrau und die gemeinsame vier Jahre alte Tochter.

"In den Dschihad" ziehen

Die Reisegruppe wurde beim Versuch, die Grenze nach Pakistan zu übertreten, von der pakistanischen Polizei festgenommen und zunächst nach Peshawar gebracht. Weil die Festgenommenen anfangs behaupteten, aus der Türkei zu stammen und keine Papiere mehr zu haben, wussten die Pakistaner lange nicht, mit wem sie es zu tun hatten. Erst der pakistanische Geheimdienst ISI, der sich der Gruppe annahm und sie nach Islamabad verlegte, informierte schließlich die deutschen Behörden.

Als ein deutscher Konsularbeamter später mit den Männern sprechen durfte, machten sie geltend, sie seien in Polizeihaft geschlagen worden. In diesem Gespräch gaben zwei der Reisenden, Azzedine A. und Bilal Ü., freilich auch zu, sie hätten "in den Dschihad" ziehen wollen.

Die pakistanischen Behörden hatten dennoch bereits vor Wochen signalisiert, dass sie bereit seien, auf eine Anklage wegen illegaler Einreise und Unterstützung einer terroristischen Vereinigung zu verzichten und die Deutschen stattdessen in ein Flugzeug nach Frankfurt zu setzen.

So ist es nun gekommen. Ein ursprüngliches Mitglied der Gruppe stieg am Freitag indes nicht mit in den Flieger: der Tunesier Atnan J. aus Nordrhein-Westfalen. Hintergrund ist wahrscheinlich eine Bitte, die die Deutschen im Verlaufe der Verhandlungen geäußert hatten: Die Pakistaner sollten den Mann bitte nach Tunesien abschieben. J.s Aufenthaltstitel in Deutschland ist während der Haftzeit in Pakistan überdies ohnehin abgelaufen.



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Seite 1
eigentlicher_Schwan 04.05.2009
1.
Zitat von sysopImmer näher rücken die Taliban an die Pakistanische Hauptstadt heran und werden zu einer ernsteren Bedrohung für die Regierung. Wie soll sich der Westen verhalten? Was ist generell die richtige Strategie?
Wenn sie das immer tun, muss man damit leben, nicht? Vielleicht sollte die pakistanische Regierung ihre Hauptstadt verlegen?
mauskeu 04.05.2009
2.
Zitat von sysopImmer näher rücken die Taliban an die Pakistanische Hauptstadt heran und werden zu einer ernsteren Bedrohung für die Regierung. Wie soll sich der Westen verhalten? Was ist generell die richtige Strategie?
Ich könnte mir vorstellen, dass die pakistanische Führung das SWAT "freiwillig" aufgegeben hat um jetzt eine bessere Front vor sich zu haben. Jetzt haben die Islamisten eine Heimat in Pakistan anstatt überall verstreut als Guerrillas zu fungieren. Jetzt weiss man besser wo die Feinde sind und die Herrschaft der Taliban wird den Rest besorgen. Wäre vielleicht keine schlechte Strategie.
Justus F. 04.05.2009
3.
Zitat von eigentlicher_SchwanWenn sie das immer tun, muss man damit leben, nicht? Vielleicht sollte die pakistanische Regierung ihre Hauptstadt verlegen?
Genau, nach Berlin. Dann ist unser Kampf sogar gerechtfertigt!
X-Man 04.05.2009
4.
Zitat von mauskeuIch könnte mir vorstellen, dass die pakistanische Führung das SWAT "freiwillig" aufgegeben hat um jetzt eine bessere Front vor sich zu haben. Jetzt haben die Islamisten eine Heimat in Pakistan anstatt überall verstreut als Guerrillas zu fungieren. Jetzt weiss man besser wo die Feinde sind und die Herrschaft der Taliban wird den Rest besorgen. Wäre vielleicht keine schlechte Strategie.
Nettes Gedankenspiel, aber leider Unsinn. Seit dem Rückzug der afghanischen Taliban über die Grenze stand fest dass die FATA die neue Basis der Gotteskrieger sind. Von 2002-2005 entstanden weit über 190 Ausbildungslager in den Stammesgebieten, lokale Milizen verschmolzen durch Allianzen mit Taliban-Elementen, ausländische Gruppen allen voran Al Qaida nisteten sich ein, es entstand eine nicht homogene aber ideologisch eng verstrickte Bewegung deren mächtigster Flügel heute die Tehrik e-Taliban ist. Für die pakistanische Führung war also längst klar welche Gebiete die neue Heimat der Taliban sind, man musste ihnen keinen Spielplatz zur Verfügung stellen. Der Einzug in Swat hat vielmehr damit zutun dass es Kreise des ISI und des Militärs gibt die sich nicht von amerikanischer Seite in die Terror-Bekämpfung hineinquatschen lassen wollen. Sie hegen zum Teil große Sympathie für die Taliban, bieten ihnen mit dem Swat ein Gebiet was sich weit weg von den üblichen Terrornestern Waziristans befindet und somit den Radius der Drohnenangriffe erweitert. Zudem erhofft man sich natürlich dort eine kashmir-nahe islamistische Bastion gegen den allgegenwärtigen Erzfeind Indien.
lupenrein 04.05.2009
5.
Man darf sich über die Ziele der Taliban in Pakistan (und im Dominoeffekt anschliessend Afghanistan) keine Illusionen machen. Die Regierung Pakistans - und indirekt auch Afghanistans - ist in ernster Gefahr. Und auch über einen 'Sieg' über die Taliban , dies besonders als Ausländer (USA usw) darf man sich keine Illusionen machen. Der asymmetrische Kriegsführung der Taliban ist mit normalen militärischen Mitteln (Terrorismus) nur sehr schwer wirksam zu begegnen. Am Beispiel der somalischen Piraten sieht man , wie schwierig es ist, mit militärischen Mitteln in diesem Versteckspiel mitzuhalten. Auch die Taliban führen einen (allerdings ideologischen) 'Versteck-spiel-Krieg' a la David gegen Goliath. Und noch eine Übereinstimmung: beide lassen mit sich nicht über eine Einstellung ihrer terroristischen Kampf nicht verhandeln. Alles in allem eine fatale Situation.
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