Integration in Dietzenbach Deutsche Fahne und Köhler-Bild im Kindergarten

Mit ungewöhnlichen und umstrittenen Mitteln will die hessische Stadt Dietzenbach zur Integration ausländischer Kinder beitragen: In den Kindergärten müssen künftig die deutsche Fahne und ein Bild des Bundespräsidenten aufgehängt werden. Außerdem wird Deutsch als einzige Umgangssprache festgelegt.


Dietzenbach - Einen entsprechenden Beschluss fasste das Stadtparlament der östlich von Frankfurt gelegenen Kommune gestern Abend mit den Stimmen der CDU und einer Freien Wählergemeinschaft. Der Antrag wurde von der Stadtverordnetenversammlung mit 22 zu 15 Stimmen verabschiedet. SPD, Grüne, Dietzenbacher Liste und der größte Teil der FDP stimmten dagegen. Der Ausländerbeirat der Stadt hatte sich vor dem Beschluss gleichfalls ablehnend geäußert.

CDU-Fraktionschef Helmut Butterweck begründete den heftig umstrittenen Antrag damit, dies sei die einzige Möglichkeit, die Integration der Kinder frühzeitig zu fördern. Die hessische Kleinstadt hat einen Ausländeranteil von rund 30 Prozent. Schließlich sprächen die Kinder zu Hause in der Regel nur Türkisch, so dass Deutsch als Umgangssprache im Kindergarten geboten sei. Es seien aber keine Sanktionen oder gar Strafen für den Fall vorgesehen, dass jemand doch einmal seine Muttersprache benutze, versicherte Butterweck im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP.

Der der CDU angehörende Dietzenbacher Bürgermeister Stephan Gieseler kritisierte den Vorstoß seiner Parteifreunde. Obwohl auch in seinem Amtszimmer ein Foto von Bundespräsident Horst Köhler hängt, wäre er "nie auf die Idee gekommen, dass das Bild auch in Kindergärten hängen muss", sagte er der "Hessisch/Niedersächsischen Allgemeinen". Er habe ja gar nichts dagegen oder gegen Deutsch als Umgangssprache, "aber über Integration spricht man besser überparteilich und in ruhiger Atmosphäre", mahnte der Bürgermeister. Er äußerte zugleich die Sorge, dass die Bemühungen der Stadt um Integration vom Streit über den beschlossenen Antrag überschattet werden.

"An die WM-Begeisterung anknüpfen"

Butterweck hält die Kritik dagegen für abwegig. "Viele reden über Integration, und wir tun konkret etwas", ist der Dietzenbacher CDU-Fraktionschef von der Richtigkeit des Vorgehens überzeugt. Schließlich seien viele Menschen mit Migrationshintergrund schon in der zweiten oder dritten Generation in der Stadt, ohne wirklich eingegliedert zu sein. Ihnen fehle es entweder an Integrationswillen, oder sie identifizierten sich nicht mit dem deutschen Staat, kritisierte der Kommunalpolitiker. Sie müssten aber Wurzeln fassen, und dazu trage das Erlernen der deutschen Sprache wesentlich bei.

Den Kindern solle ja nichts oktroyiert werden. Wenn sie täglich die Nationalfahne und das Bild des Bundespräsidenten sähen, würden sie aber eines Tages selbst anfangen, Fragen danach zu stellen. Schließlich habe die schwarz-rot-goldene Fahne ja nichts mit dem Dritten Reich zu tun. Außerdem gelte es, an die Begeisterung während der Fußball-Weltmeisterschaft anzuknüpfen. Der Beschluss des Stadtparlaments sieht weiter vor, dass im Kindergarten die Feiertage kindgemäß erklärt werden.

Dem Ausländerbeirat warf Butterweck vor, bei einer Wahlbeteiligung von unter zehn Prozent einen Großteil der Betroffenen gar nicht wirklich zu repräsentieren. Seine Partei sei aber bereit zu gemeinsamen Treffen und auch zu Hilfestellungen, damit der Ausländerbeirat auf stärkere Resonanz stoße. Auch seien die jetzt beschlossenen Maßnahmen ja nicht das Ende der Integrationsbemühungen, betonte Butterweck.

Gerhard Kneier /AP



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