Integration Migranten über Islamkonferenz ahnungslos

Die Ergebnisse sind für die Bundesregierung frustrierend. Mit Projekten wie der Islamkonferenz wollte sie deutsche Migranten erreichen. Doch eine repräsentative Umfrage ergab: Die meisten Zuwanderer sind ahnungslos.

DDP

Von Andrea Brandt


Berlin - Die Bundesregierung verfehlt mit integrationspolitischen Initiativen wie der Deutschen Islamkonferenz die Zielgruppe, die sie eigentlich erreichen will: Zuwanderer in Deutschland. So kennt die Hälfte der Migranten die Islamkonferenz nicht. Selbst bei den muslimischen Zuwanderern haben 43 Prozent noch nie etwas davon gehört (siehe Grafik). Beim Rest der Bevölkerung hat dagegen nur ein Drittel keine Ahnung von der Konferenz. Das zeigt eine repräsentative Befragung des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) in Westdeutschland.

Als "besonders bedenklich" wertet das Forschergremium diese Wissenslücke bei den in Deutschland geborenen Muslimen. Die Migranten der zweiten oder dritten Generation kennen die Islamkonferenz noch deutlich seltener als selbst eingewanderte Muslime. Auch das Gleichbehandlungsgesetz, das unter anderem Benachteiligung aufgrund von ethnischer Herkunft oder Religion verbietet, ist Zuwanderern weniger bekannt als Einheimischen. Ausgerechnet die häufiger über Diskriminierung klagenden muslimischen Migranten sind laut der Umfrage am schlechtesten über dieses Gesetz informiert.

Als bekannteste integrationspolitische Maßnahme erwies sich der Einbürgerungstest. Nur jeder sechste Zuwanderer hatte noch nie etwas von dem Fragebogen gehört. Dennoch kannten sich auch hier Alteingesessene besser aus. Für die Umfrage interviewten die Wissenschaftler 5500 Menschen aus den Zuwanderer-Hochburgen Rhein-Ruhr-Gebiet, Rhein-Main-Region und dem Großraum Stuttgart.

Als Konsequenz aus den neuen Erkenntnissen fordert der Vorsitzende des Sachverständigenrats, der Migrationsforscher Klaus J. Bade, die Islamkonferenz solle künftig von einer "gezielteren Informationspolitik" flankiert werden: "Dieser wichtige Dialog muss endlich für einen größeren Teil der Muslime auch im Alltag relevant werden", so Bade. Helfen könne dabei auch ein stärkerer Fokus auf praktische Fragen, wie ihn Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) angekündigt habe.

Die Deutsche Islamkonferenz wurde 2006 von de Maizières Amtvorgänger Wolfgang Schäuble (CDU) gegründet. Sie solle den Muslimen zeigen, dass der Islam Teil Deutschlands und Europas sei, gab Schäuble damals als Ziel vor.



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