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25. Oktober 2010, 07:41 Uhr

Integrationsbeauftragte

Böhmer fordert eigenes Ministerium für Integration

Sie selbst ist Staatsministerin im Kanzleramt - jetzt fordert die Integrationsbeauftragte Maria Böhmer eine Aufwertung ihres Bereichs: Das Thema Integration solle in einem eigenen Bundesministerium gebündelt werden, so die CDU-Politikerin.

Hamburg - Zuwanderungssteuerung, Deutschkurse, Islam: Alle reden über Integration - aber ein Ministerium gibt es für das Thema bislang nicht.

Das hat jetzt die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), bemängelt und ein eigenes Bundesministerium für diesen Bereich gefordert. "Ich halte ein Integrationsministerium auf Bundesebene für konsequent", sagte Böhmer dem "Hamburger Abendblatt". "Das Querschnittsthema Integration sollte in einem Ressort zusammengefasst werden."

Diesen Weg seien mehrere Bundesländer inzwischen gegangen, vorneweg auch große Länder wie Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen, begründete die CDU-Politikerin die Forderung. Es gebe auch eine Integrationsminister-Konferenz auf der Länderebene. Zuwanderung und Integration bezeichnete Böhmer als die Zukunftsthemen für Deutschland. Angesichts der Wirtschafts- und Finanzkrise sei das Thema Integration lange Zeit in den Hintergrund getreten. "Ich bin sehr froh, dass das jetzt nicht mehr so ist", fügte die Integrationsbeauftragte hinzu.

Böhmer sprach sich zudem dafür aus, wieder mehr Ausländer einzubürgern. "Wir dürfen nicht lockerlassen, für die deutsche Staatsbürgerschaft zu werben." Wer auf Dauer in Deutschland lebe, von dem wünsche sie sich, dass er ja sage zu Deutschland und auch deutscher Staatsbürger werden wolle. Auch der Staat müsse noch deutlicher auf den Gewinn hinweisen, den eine Einbürgerung mit sich bringe, forderte Böhmer.

In den vergangenen Wochen war politisch scharf über eine künftige Zuwanderungspolitik diskutiert worden. CSU-Chef Horst Seehofer hatte eine weitere Zuwanderung aus arabischen Ländern und der Türkei abgelehnt. Kanzlerin Angela Merkel hatte "Multikulti" für gescheitert erklärt.

Unterdessen kündigte Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) an, künftig ausländische Bildungsabschlüsse schneller und einfacher anerkennen zu lassen.

anr/AFP

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