Internetpropaganda Islamistin distanziert sich von Anschlagsaufrufen

Eine angebliche Botschaft von Filiz Gelowicz sorgt in Dschihadisten-Foren für  Rachedrohungen gegen deutsche Politiker: Während ihrer Haft sei sie erniedrigt worden. Doch über ihren Anwalt distanziert sich die 29-Jährige, die wegen Unterstützung einer Terrororganisation verurteilt wurde.

Filiz Gelowicz: Nach Aufhebung eines Haftbefehls ist die 29-Jährige auf freiem Fuß
dapd

Filiz Gelowicz: Nach Aufhebung eines Haftbefehls ist die 29-Jährige auf freiem Fuß

Von und Yassin Musharbash


Berlin - Das letzte Mal, als Filiz Gelowicz öffentlich das Wort ergriff, äußerte sie sich eher kleinlaut. "Ich habe meiner Religion geschadet", sagte sie vor dem Berliner Kammergericht in ihrem Schlusswort nach 20 Prozesswochen, sie erkenne sich rückblickend selbst nicht wieder. Zuvor hatte die 29-Jährige gestanden, unter den Pseudonymen "Fisebilillah" und "Schokocafe" seit 2009 Propaganda betrieben und militante Islamisten in Waziristan finanziell unterstützt zu haben.

Das Berliner Gericht nahm der Ehefrau von Fritz Gelowicz, dem Kopf der Sauerland-Gruppe, ihre Reue und Distanzierung von der gewaltbereiten Szene ab und verurteilte sie zu zweieinhalb Jahren Haft. Nun sorgt die junge Frau in radikalen Kreisen erneut für Aufruhr - allerdings offenbar ungewollt.

In einem einschlägigen und in der internationalen Szene bekannten Dschihadisten-Forum im Internet kursiert ein Dokument in arabischer Sprache, das Informationen über angeblich erniedrigende Erfahrungen, die Filiz Gelowicz während ihrer einjährigen Haft in deutschen Gefängnissen gemacht haben soll, verbreitet. Die Veröffentlichung lief unter dem Label der Global Islamic Media Front (GIMF), einem seit Jahren bestehenden Zusammenschluss von Sympathisanten des militanten Dschihadismus im Internet.

Aufruf zu Anschlägen in ganz Europa

"Tragödie und Leiden einer standhaften Schwester... in Deutschland", ist das Dokument überschrieben, in dem einer der Cyber-Aktivisten behauptet, er habe eine Botschaft von Filiz Gelowicz erhalten. Nach einer entsprechenden Einleitung folgen fünf kurze Absätze, die Gelowicz zugeschrieben werden - und in der sie unter anderem angeblich darüber klagt, dass man sie gezwungen habe, den Schleier abzulegen.

Die Reaktionen folgten prompt. Aufgebrachte Kommentatoren ergingen sich in Racheandrohungen gegen deutsche Politiker, unter anderem fielen die Namen von Kanzlerin Angela Merkel, Innenminister Hans-Peter Friedrich und Außenminister Guido Westerwelle. Friedrich und Westerwelle wurden dabei auf Fotos gezeigt. Es wurde dazu aufgerufen, eine Liste mit weiteren prominenten Ziel-Persönlichkeiten zu erstellen. Ein anderer Forumsbesucher rief Muslime in ganz Europa dazu auf, Anschläge zu begehen und fabulierte über Autobomben oder Brandanschläge auf Züge. Berlin und Hamburg wurden als mögliche Zielorte genannt. Der Hauptstadt solle es so ergehen wie London, Madrid oder Manhattan. Auch zu Demonstrationen wurde aufgerufen - und herauszufinden, in welcher Haftanstalt Gelowicz einsitzt.

Tatsächlich befindet sich die 29-Jährige seit dem 9. März nach der Aufhebung des Haftbefehls auf freiem Fuß.

Deutsche Sicherheitsbehörden beobachten die Aufregung. Es gebe allerdings keinerlei Hinweise auf konkrete Anschlagsvorbereitungen, hieß es in Sicherheitskreisen, insofern ergebe sich auch keine geänderte Gefahrenlage.

"Allgemeiner Gedankenaustausch"

Nun meldet sich Filiz Gelowicz über ihren Anwalt selbst zu Wort: "Frau Gelowicz legt Wert auf die Feststellung, dass es sich bei dem oben genannten Beitrag nicht um eine Botschaft von ihr handelt", stellt ihr Berliner Verteidiger Hansgeorg Birkhoff klar. Sie habe zwar mit dem Verfasser des Postings in Mailkontakt gestanden. Es habe sich dabei allerdings um einen "allgemeinen Gedankenaustausch" gehandelt.

Seine Mandantin habe abgesehen von den typischen Haftbegleiterscheinungen keine Einschränkungen oder Benachteiligungen in Bezug auf ihre Religionsausübung erdulden müssen, so der Anwalt. Dies gelte "insbesondere für die Frage einer aus ihrer Sicht angemessenen Bekleidung" .

Filiz Gelowicz halte "die Verbreitung unrichtiger Behauptungen für außerordentlich verantwortungslos", so ihr Anwalt - gerade mit Blick auf diejenigen Menschen, denen der Glaube ein ernstes Anliegen sei.

Es ist nicht das erste Mal, dass radikale Islamisten versuchen, mit Berichten über eine angeblich erniedrigende Behandlung muslimischer Gefangener Stimmung zu machen. Sogar im Fall von Filiz Gelowicz war dies schon während des laufenden Verfahrens einmal vorgekommen. Sie werde gezwungen, in der Untersuchungshaft auf dem Boden zu schlafen und Schweinefleisch zu essen, hieß es damals im Netz.

Als er sie bei einem Haftbesuch darauf angesprochen habe, sei sie erstaunt gewesen - und habe gelacht, so Anwalt Birkhoff.



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andreasneumann2 10.08.2011
1. Islamisten rufen zum Mord an deutschen Politiker auf?
Islamisten rufen zum Mord an deutschen Politiker auf? Und? Das sind wir doch gewöhnt und das ist doch ganz normal für Islamisten. Also mit so einer Meldung kann man doch kein Hund vor den Ofen locken. Der Skandal ist doch das die ganz ungeniert unter uns leben. Nach dem Bericht des Verfassungsschutzes gibt es ca. 5000 in Deutschland im Amtsdeutsch so genannte moslemische "Terrorgefährderer"! Das sind gläubige Moslems die ganz offen und sogar ganz öffentlich für die gewaltsame Einführung der Scharia in Deutschland und für die Abschaffung unserer liberalen Verfassung aufgerufen haben. Und viele davon waren sogar schon in den Terrorausbildungslagern in Afghanistan und Pakistan und können Bomben basteln. Von den zehntausenden von schweigenden moslemsichen Sympathisanten möchte ich lieber gar nicht reden. Ich denke mal der eigentliche Skandal ist, dass solche Menschen hier unter uns und auch von uns leben, die unsere offene Gesellschaft und unsere liberale Demokratie durch einen islamistischen Gottesstaat ersetzen wollen. Und dass durch eine total falsch verstandene Toleranz unserer Politiker gerade die Intoleranz durch Islamisten gefördert wird.
dadanchali, 10.08.2011
2. nee
Zitat von sysopEine angebliche Botschaft von Filiz Gelowicz sorgt in Dschihadisten-Foren für* Rache-Drohungen gegen deutsche Politiker: Während ihrer Haft sei sie erniedrigt worden. Doch über ihren Anwalt distanziert sich die 29-Jährige, die wegen Unterstützung einer Terrororganisation verurteilt wurde. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,779354,00.html
....Sie habe zwar mit dem Verfasser des Postings in Mailkontakt gestanden. ... Daher muss der ja wohl ausfindig zu machen sein, und sollte falls er nicht in irgeneiner Höhle sitzt die Konsequenzen tragen. Respekt vor der Meinung anderer Menschen halte ich für ein hohes Gut, aber diese kranken Hirne haben keinen Respekt verdient. Es ist doch selbstverständlich in einer Haftanstalt das Gesicht erkennen zu müssen, ergo nicht verschleiert rumzulaufen (hoffe ich wenigstens). Auch für Spon, nennt Kriminelle doch einfach Kriminelle, und lasst ihnen nicht ihren dümmlichen religiösen Schleier.
pascal 66, 10.08.2011
3. Ich würde mich sofort ...
...freiwillig daran beteiligen, der ehrenwerten Frau eine Spende zukommen zu lassen, damit sie sich eine 1. Klasse-Fahrkarte besorgen kann - um nämlich in die Gebiete zu gelangen, wo ihre Würde als streng praktizierende muslimische Frau samt Ganzkörperverschleierung einfach viel natürlicher und angemessener respektiert bzw. anerkannt und geachtet werden als hier... Warum lässt man die arme Frau sich auch hier ziemlich umsonst in einem für sie doch relativ unzutmutbaren Umfeld derart quälen? (Nur damit in Zukunft weitere derartige "Missverständnisse" möglichst ausgeschlossen und sich ihre Glaubensbrüder dort auch nicht wieder unnötig aufregen und echauffieren müssen - von so Kleinigkeiten wie Aufrufen und Planungen zu terroristischen Anschlägen und Gewalttaten vielleicht mal ganz abgesehen...)
Samuel Hastrim Klepp V 10.08.2011
4. Titel
Zitat von sysopEine angebliche Botschaft von Filiz Gelowicz sorgt in Dschihadisten-Foren für* Rache-Drohungen gegen deutsche Politiker: Während ihrer Haft sei sie erniedrigt worden. Doch über ihren Anwalt distanziert sich die 29-Jährige, die wegen Unterstützung einer Terrororganisation verurteilt wurde. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,779354,00.html
Das ist jetzt irgendwie nicht zuviel verlangt, dass Häftlinge während der Haft keinen Internetzugang haben?
alexreil 10.08.2011
5. Wen wunderts!
Zitat von sysopEine angebliche Botschaft von Filiz Gelowicz sorgt in Dschihadisten-Foren für* Rache-Drohungen gegen deutsche Politiker: Während ihrer Haft sei sie erniedrigt worden. Doch über ihren Anwalt distanziert sich die 29-Jährige, die wegen Unterstützung einer Terrororganisation verurteilt wurde. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,779354,00.html
Propaganda ist alles - auch für Dschihadisten - Hauptsache man kann aus vermeintlichen Äusserungen irgendwas machen. Wirkliche Aussagen kommen von denen sowieso nicht. Keiner dieser Dschihadisten bekommt es auch nur annähernd auf die Reihe, sich konkret zu seinen Zielen zu äussern. Es gibt einfach keine Ziele - es geht nur um Terror und "Bodycount" - wobei keinem dieser "Dschihadisten" eigentlich klar ist wofür er kämpft. Hauptsache für irgendwas mobilisiert. Wobei "mobilisiert" nur dafür steht - dass die sich missbrauchen lassen, damit andere ihre Ziele erreichen. In der Regel sind das religiöse Fanatiker - denen das realistische denken schon lange abhanden gekommen ist.
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