Interview "Am Wahlabend könnte Erwin Teufel abgeräumt werden"

Baden-Württemberg ist das Stammland der Grünen. Dieter Salomon, Spitzenkandidat der Grünen und Fraktionschef im Land, spricht im SPIEGEL-ONLINE-Interview über die Chancen seiner Partei bei den Landtagswahlen und verrät, warum "Grün besser fickt".


SPIEGEL ONLINE:

"Grün fickt besser." Herr Salomon, Sie sind, seitdem Fritz Kuhn Bundesvorsitzender der Grünen ist, sein Nachfolger als Fraktionschef in Baden-Württemberg. Brauchen Sie so eine Wahlpostkarte, um Aufmerksamkeit zu erregen?

Wahlpostkarte der Grünen Jugend
DPA

Wahlpostkarte der Grünen Jugend

Dieter Salomon: Da mein Name auch auf dieser Karte vorkommt, haben mich die jungen Grünen gefragt, ob sie das machen dürfen. Ich fand das witzig. Man weiß, dass junge Menschen tendenziell sexuell aktiver sind als ältere. Seit 20 Jahren ist bekannt, dass Grün-Wähler jünger sind als CDU-Wähler. Da haben sich die jungen Grünen gesagt: Grün-Wähler haben mehr Sex als CDU-Wähler, das ist ja sensationell. Das Endergebnis dieser Überlegung haben sie gesehen. Außerdem gibt es noch weitere Postkarten, die in ähnlich großen, sensationslüsternen Schlagzeilen aufgemacht sind.

SPIEGEL ONLINE: Genau. Es gibt da eine Postkarte mit großen Lettern, die da heißen: "Erwin Teufel: Schwerer Unfall." Ist das nicht geschmacklos?

Salomon: Moment. "Erwin Teufel: Schwerer Unfall auf der Datenautobahn", heißt es weiter. Wir haben die Wirkung der Postkarte in den Kreisvorständen getestet. Und die einzige Frage, die aufkam, war, ob man überhaupt mit solchen Schlagzeilen wie mit Unfällen bei Ministerpräsidenten spielen sollte. Wir kamen zu dem Schluss: Man muss ja nur den zweiten Teil lesen, da weiß man, dass der erste nicht so gemeint ist.

SPIEGEL ONLINE: Sie würden sich wohl freuen, wenn Erwin Teufel nicht mehr Ministerpräsident wird?

Salomon Erwin Teufel war zweimal in der Talkshow von Sabine Christiansen und danach hat er jedes Mal ein Prozent in Umfragen verloren. Besonders bei der Sendung zum Thema Einwanderung. Dort wurde er von Michel Friedman und von Innenminister Otto Schily so was von an die Wand genagelt. Da kann man nur sagen: abbrechen.

SPIEGEL ONLINE: Es wird gemunkelt, dass CDU-Fraktionschef Günther Oettinger bereits als Nachfolger parat steht und auch schon gewaltig mit den Füßen scharrt.

Salomon: Es könnte sein, dass Erwin Teufel, wenn er unter dem Ergebnis der letzten Landtagswahl 1996 von 41,3 Prozent kommt, bereits am Wahlabend weggeräumt wird.

SPIEGEL ONLINE: Aber Erwin Teufel hat sich doch vor kurzem aufgebäumt und seinen Zorn über die Parteiführung in der Bundes-CDU freien Lauf gelassen.

Dieter Salomon, Grünen Fraktionschef in Baden-Württemberg
AP

Dieter Salomon, Grünen Fraktionschef in Baden-Württemberg

Salomon: Beim Kartenspielen sagt man, wenn man die Seuche hat, dann kann man nichts gewinnen. Jeder, der so was über die CDU sagt, der transportiert die Botschaft, das ist ein Chaos-Laden. Teufel hat den Wählern gegenüber dokumentiert, dass das, was die in Berlin machen, Scheiße ist. Es sei nicht Rückenwind für ihn, sondern Gegenwind. Was will er denn jetzt hier sagen oder behaupten, wenn er Wahlkampf macht und die Leistungen der Bundes-CDU kritisiert? Er kann dann nur behaupten, das, was er gemacht hat, war alles richtig. Dieses Problem wird aber durch seine Altbackenheit noch mal verstärkt.

SPIEGEL ONLINE: Sämtliche Landtagswahlen haben die Grünen verloren. Die Latte für den 25. März liegt hoch: 1996 waren es 12,1 Prozent. Wo sehen Sie die Grünen am Wahlabend?

Salomon:: Wir liegen in Umfragen derzeit bei zehn Prozent, Tendenz steigend. Und wir werden die zwölf Prozent schaffen können. Das wäre die Trendumkehr. Interessant wird, was die FDP bekommt. Baden-Württemberg ist nämlich unser beider Stammland.

SSPIEGEL ONLINE: Wie sieht es denn mit Schwarz-Grün aus?

Salomon: Ich bin jemand, der auf der theoretischen Ebene immer Schwarz-Grün eingeschlossen hat. Aber nicht mit Teufel. Oettinger ist so flexibel, dass er mit den Grünen könnte. Aber das macht politisch keinen Sinn, weil die CDU nach 50 Jahren Regierung personell und inhaltlich verbraucht ist. Die Partei muss erst einmal auf die Oppositionsbank.

SPIEGEL ONLINE: Und wie sieht es mit Frau Vogt aus?

Salomon: Mit Frau Vogt komme ich gut klar.

Das Interview führte Kristina Jagemann

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.