Interview mit "El País"-Korrespondent "Das ist nicht die bisherige Handschrift der Eta"

Waren baskische Terroristen die Täter in Madrid? Im Interview mit SPIEGEL ONLINE erklärt Jose Comas, Korrespondent der spanischen Tageszeitung "El País", warum es begründete Zweifel an dieser These gibt.

SPIEGEL ONLINE:

Herr Comas, Spaniens Polizei und Regierung halten die baskische Terrororganisation Eta für den Urheber des brutalen Anschlags in Madrid. Teilen Sie diese Einschätzung?

Jose Comas: Es ist wahrscheinlich, dass die Eta dahinter steht, aber das ist keineswegs sicher. Die Form des Attentats entspricht eigentlich eher der Vorgehensweise von al-Qaida, es sieht aus wie die Anschläge im Irak.

SPIEGEL ONLINE: Die spanische Polizei spricht aber von vorangegangenen Hinweisen.

Comas: Das stimmt. Kurz vor Weihnachten wurde eine Eta-Gruppe festgenommen, die ein Attentat in einem anderen Bahnhof von Madrid geplant haben soll. Und vor zwei Wochen wurde eine Gruppe verhaftet, die 500 Kilo Sprengstoff besaß.

SPIEGEL ONLINE: Warum haben Sie dennoch Zweifel?

Comas: Dieser Anschlag trägt nicht die bisherige Handschrift der Eta. Bis jetzt richtete sich deren Terrorismus fast immer gezielt gegen Militärs, Polizisten oder Volksvertreter. Das war nicht dieser völlig wahllose Terror gegen die Bevölkerung. Nur einmal haben Eta-Terroristen in den achtziger Jahren eine Bombe in einem Kaufhaus gezündet.

SPIEGEL ONLINE: Gab es nicht bei früheren Eta-Anschlägen stets auch ein Bekennerschreiben?

Comas: Ja, allerdings haben sie das häufig auch erst Tage oder Wochen später übermittelt.

SPIEGEL ONLINE: Wird dieser Anschlag Spaniens Politik und die Wahlen am kommenden Sonntag beeinflussen?

Comas: In der Regel stärkt eine solch chaotische Lage die Regierung, weil die Wähler Zusammenhalt demonstrieren wollen. Wenn sich der Verdacht gegen die Eta bestätigt, würde das die Partido Popular von Ministerpräsident José María Aznar stärken. Würde sich allerdings al-Qaida zu dem Anschlag bekennen, wäre das womöglich für die Regierung nicht gut. Die Leute werden sagen, die haben uns in den Krieg verwickelt und den Terror importiert. Ich hoffe aber sehr, dass keine Partei versuchen wird, politisches Kapital aus dem Anschlag zu ziehen.

Das Interview führte Harald Schumann

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