Gabriel vs. Slomka ZDF-Chefredakteur Frey verwahrt sich gegen Einflussnahme aus der Politik

Nach dem Interview mit Sigmar Gabriel hagelte es Kritik von Union und SPD - nun bekommt Moderatorin Marietta Slomka Unterstützung aus der Chefetage. ZDF-Chefredakteur Peter Frey setzt sich für Slomka ein: In einem Live-Interview dürfen ruhig mal die Fetzen fliegen.
ZDF-Chefredakteur Peter Frey (Archivbild): Keine Parteilichkeit

ZDF-Chefredakteur Peter Frey (Archivbild): Keine Parteilichkeit

Foto: Arne Dedert/ DPA

Berlin - Nach dem Interview-Streit zwischen SPD-Chef Sigmar Gabriel und "heute-journal"-Moderatorin Marietta Slomka hat sich ZDF-Chefredakteur Peter Frey gegen Einflussnahme aus der Politik verwahrt. "Wenn mal die Fetzen fliegen, schadet das der Demokratie nicht", sagte er dem SPIEGEL. Allerdings hätten sich beide "in der Frage, ob der Mitgliederentscheid verfassungsgemäß ist, zu lange verhakt", so Frey. "Gabriels Vorwurf der Parteilichkeit ging zu weit. Slomkas Interviews mit Guttenberg, Schäuble oder Ramsauer waren auch nicht bequem."

Gabriel hatte sich am Donnerstagabend im ZDF-"heute-journal" einen heftigen Schlagabtausch  mit der Moderatorin geliefert. Die hatte unter Berufung auf einen Verfassungsrechtler die Frage aufgeworfen, ob es legal sei, wenn SPD-Mitglieder einen größeren Einfluss auf die Politikbildung hätten als Nichtmitglieder. Gabriel wies diese Bedenken empört zurück und warf der Moderatorin Parteilichkeit vor. Nachdem sich beide mehrfach ins Wort gefallen waren, sagte Gabriel: "Tun Sie mir einen Gefallen: Lassen Sie uns den Quatsch beenden."

Seehofer hatte sich am Freitag demonstrativ an die Seite Gabriels gestellt und das Mitgliedervotum der SPD verteidigt. "Wenn ein Mitgliederentscheid verfassungsrechtlich fragwürdig ist, dann sind's unsere Veranstaltungen gleich doppelt und dreifach", sagte Seehofer mit Blick auf die Abstimmungsprozesse in CDU und CSU. Er kritisierte Slomkas Fragen zudem als absurd. Er habe deshalb eine SMS an den ZDF-Intendanten geschrieben und wolle noch einen Brief hinterherschicken, sagte der CSU-Chef, der auch im ZDF-Verwaltungsrat sitzt.

"Fürst Seehofers Verständnis von Pressefreiheit"

Ähnlich hatte sich auch ZDF-Intendant Thomas Bellut gegenüber der "Bild am Sonntag" geäußert- Zwar räumte er grundsätzlich das Recht auf Kritik ein: "Selbstverständlich sollen und können Gremienmitglieder Kritik am Programm äußern." Im Fall des umstrittenen Gabriel-Interviews vom Donnerstag teile er sie aber nicht: "In einem Live-Interview kann es auch mal zur Sache gehen. Ganz unbeteiligt war Herr Gabriel auch nicht."

Empörung löste Seehofer mit seiner ZDF-Kritik bei der Opposition aus. Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt wirft dem bayerischen Ministerpräsidenten Selbstherrlichkeit vor: "Fürst Seehofers Verständnis von Pressefreiheit und Einfluss der Politik auf die öffentlich-rechtlichen Sender ist erschütternd. Man dürfe gespannt sein, "in welchen Formen sich die anbahnende Arroganz der Großen Koalition noch ausdrücken wird".

Gabriel selbst sieht seine Auseinandersetzung mit der ZDF-Journalistin gelassen. "Frau Slomka hat mich sozusagen mit 'verstärkter Höflichkeit' befragt und das darf sie auch. Und ich habe mit 'verstärkter Höflichkeit'" geantwortet, sagte er der "BamS". "Denn so frei wie sie in der Art ihrer Fragen ist, bin ich es in meinen Antworten. Ich glaube, wir können uns beide nicht beschweren."

Seinen Vorwurf aus der Sendung, dass die ZDF-Moderatorin SPD-Politikern die Worte im Mund herumdrehe, erhielt er aufrecht: "Die Art und Weise, wie Frau Slomka zum Beispiel im Wahlkampf mit unserem Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück in einem Interview umgegangen ist, liefert ausreichend Anschauungsmaterial dafür. Aber noch mal: Das darf sie alles. Aber wir dürfen dann auch offen darüber reden. Meinungsfreiheit gilt für alle."

suc/dpa
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