Interview mit Heiner Geißler "Ich vermisse Kohl nicht"

Die Reaktion des ehemaligen CDU-Generalsekretärs Heiner Geißler gegenüber SPIEGEL ONLINE auf die Rede von Wolfgang Schäuble.


SPIEGEL ONLINE:

Wolfgang Schäuble hat Helmut Kohl in seiner Rede kein einziges Mal erwähnt. Eine subtile Art der Abrechnung?

Heiner Geißler
AP

Heiner Geißler

Geißler: Können wir nicht mal aufhören, über Helmut Kohl zu reden? Wolfgang Schäuble hat eine Grundsatzrede gehalten. Das war keine Abrechnung mit Helmut Kohl, sondern eine Bestandsaufnahme der künftigen politischen Herauforderungen für uns. Im Übrigen hat er Kohl sehr wohl genannt. Nicht namentlich. Aber Schäuble hat gesagt, dass die Aufklärung nicht beendet ist.

SPIEGEL ONLINE: Aber auch wenn Kohl nicht da ist, ist er dennoch als Schatten präsent. Er hat gesagt, er kommt nicht zum Parteitag, um nicht den Eindruck zu erwecken, hier Einfluss zu nehmen. Müsste er sich nicht vor den Delegierten rechtfertigen?

Geißler: Ich vermisse ihn nicht. Die Forderung bleibt: Er muss die Spender nennen. Das ist der Beitrag, den wir von ihm erwarten, den er zu leisten hat.

SPIEGEL ONLINE: Den er nicht leisten wird.

Geißler: Damit wird er anhaltend der Partei schaden. So bleibt immer eine Flanke offen, wir lassen Raum für jede Art von Spekulation. Dies ist kein Ende der Aufklärung, denn unsere politischen Gegner werden das Thema immer wieder aufkochen, während wir uns abstrampeln, um zur Sacharbeit zurückzukehren.

SPIEGEL ONLINE: Also ist die neue Führung schon zum Scheitern verurteilt?

Geißler: Keineswegs. Sie darf sich nicht einschüchtern lassen.

Die Fragen stellte Markus Deggerich



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