Interview Wer ist der "Panorama"-Informant?

BND-Agenten sollen den Amerikanern im Irak-Krieg geholfen haben. Doch wie glaubwürdig ist der "Panorama"-Informant? SPIEGEL ONLINE sprach mit Stephan Wels, dem Leiter des ARD-Magazins.

SPIEGEL ONLINE:

Wer verbirgt sich hinter der Quelle?

Stephan Wels: Die Quelle ist ein ehemaliger hochrangiger Mitarbeiter des Pentagon. Er war an einer Stelle tätig, die ihm Zugang zu detaillierten militärischen Informationen bezüglich der Bombardierung des Iraks im Frühjahr 2003 verschaffte.

SPIEGEL ONLINE: Was machte Sie sicher, dass die Informationen glaubwürdig waren?

Wels: Wir haben uns mehrfach mit ihm getroffen. Seine Angaben gingen über die gesendeten Zitate weit hinaus. So hat er detaillierte Informationen zum Lebensumfeld, also Wohnverhältnisse, Ernährungsgewohnheiten etc. der BND-Agenten in Bagdad geliefert, die sich über unabhängige Quellen verifizieren ließen. Diese detaillierten Informationen der Quelle haben sich als korrekt erwiesen.

SPIEGEL ONLINE: Gibt es eine zweite Quelle?

Wels: Der Grundsachverhalt wurde uns von weiteren Quellen, unter anderem einem aktiven BND-Mitarbeiter, bestätigt: dass BND-Agenten in Bagdad während des Krieges blieben, eine Geheimoperation betrieben und dass sie mit den US-Amerikanern auf Anfrage kooperierten inklusive Informationsaustausch. Im Gesamtbild messen wir der Aussage des Informanten Plausibilität und Relevanz zu.

SPIEGEL ONLINE: Warum wurde der Fall erst jetzt, kurz vor dem Antrittsbesuch von Angela Merkel bei George W. Bush, veröffentlicht?

Wels: Es geistern tatsächlich Gerüchte durch die Medien, amerikanische Dienste hätten uns die Geschichte zum Zeitpunkt des Merkel-Besuchs gesteckt. Das ist eine absurde Verschwörungstheorie. Die Recherche begann im Oktober vergangenen Jahres.

Die Fragen stellte Alwin Schröder

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