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23. Juli 2014, 10:55 Uhr

Nach Vertreibung aus Mossul

Bundestagsvize Singhammer fordert Aufnahme irakischer Christen

Die Dschihadisten-Miliz "Islamischer Staat" hat Tausende Christen aus Mossul im Irak vertrieben. Der CSU-Bundestagsvize Singhammer will nun ein neues Flüchtlingskontingent für diese Menschen in Deutschland schaffen.

Berlin - Der Bundestagsvize Johannes Singhammer hat sich besorgt über die Lage der Christen im Irak geäußert. Angesichts der Vertreibung aus der irakischen Großstadt Mossul sprach sich der CSU-Politiker dafür aus, ein Flüchtlingskontingent für verfolgte Christen aus dem Land aufzubauen.

"Wir müssen christliche Flüchtlinge aufnehmen. Vor allem auch deshalb, weil die Betroffenen in dem zunehmend christenfeindlichen Umfeld aus überwiegend islamischen Staaten kaum eine sichere Zuflucht finden", sagte Singhammer der "Saarbrücker Zeitung". Die Ereignisse im Irak seien "eine der schlimmsten Nachrichten der letzten Jahre".

Singhammer rief die muslimischen Organisationen in Deutschland auf, "einmal Klartext zu reden und sich für die Christen und gegen deren Vertreibung aktiv einzusetzen". Das solle auch Thema der nächsten Islamkonferenz sein. Die Dschihadisten-Gruppe "Islamischer Staat", kurz IS, hatte vergangene Woche den Christen von Mossul per Flugblatt und über Lautsprecher ein Ultimatum gestellt, zum Islam zu konvertieren oder die Stadt zu verlassen. Andernfalls drohe ihnen der Tod. Daraufhin waren Tausende Christen aus Mossul in die nahe gelegenen Kurdengebiete geflohen.

Singhammer: Antisemitische Hetzer missbrauchen Gastrecht

Schon seit der Frühzeit des Christentums lebt eine christliche Minderheit in Mossul, seit einigen Jahren sehen sich die Menschen dort nun Angriffen ausgesetzt. Vor der US-Invasion lebten Schätzungen zufolge rund eine Million Christen im Irak, davon 600.000 in Bagdad und 60.000 in Mossul, doch wanderten seitdem viele von ihnen aus.

Die Organisation für Islamische Zusammenarbeit, der 57 muslimische Staaten angehören, nannte die Vertreibungen aus Mossul "ein inakzeptables Verbrechen" und sagte Hilfe zu. Auch der Uno-Sicherheitsrat verurteilte die Vertreibungen und sprach von einem "Verbrechen gegen die Menschlichkeit".

Singhammer forderte muslimische Elternhäuser und deren Umfeld auf, mehr zu tun, damit ihre Kinder nicht in den radikalen Islamismus abdrifteten. Zudem sagte der CSU-Politiker, es solle Konsequenzen bei der Staatsbürgerschaft geben: "Leute, die sich islamistischen Haltungen verschrieben haben und in Länder des Nahen Ostens fahren, um dort Andersgläubige zu massakrieren, oder die so etwas unterstützen, dürfen nicht Deutsche werden." Wer eine "solche antijüdische Grundhaltung" zeige wie einige Demonstranten bei propalästinensischen Demonstrationen in deutschen Städten, missbrauche sein Gastrecht.

kes/AFP

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