Irak FDP lehnt Einreiseverbot für Osthoff ab

Die FDP hat sich dagegen ausgesprochen, Susanne Osthoff durch ein Einreiseverbot von einer Rückkehr in den Irak abzuhalten. Allerdings solle die Archäologin die finanziellen Konsequenzen tragen, falls die Bundesregierung sie erneut aus einer Geiselhaft befreien müsse.


Düsseldorf - "Frau Osthoff muss trotz aller Bedenken frei ihren Lebensmittelpunkt bestimmen können", sagte der außenpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Werner Hoyer, dem "Handelsblatt". Der deutsche Staat könne einem anderen keine Empfehlung geben, ob er die Reisefreiheit eines Deutschen einschränken solle. Trotzdem dürfe sich Osthoff nicht in Sicherheit wiegen, dass Deutschland für alles einspringe, fügte Hoyer hinzu. Osthoff habe aus seiner Sicht ihr Vertrauenskapital verbraucht.

Der FDP-Politiker forderte eine Präzisierung der Reisehinweise für Touristen in Risikogebiete. "Jedem muss bei einer Entführung klar sein: konsularische Hilfe ja, aber für Kosten wirst du in Haftung genommen, wenn du die Hinweise nicht befolgst", sagte Hoyer.

Auch die sicherheitspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Birgit Homburger, forderte die Bundesregierung auf, alle möglichen Regressforderungen gegenüber Osthoff geltend zu machen, sollte diese erneut aus einer Geiselhaft im Irak befreit werden müssen. "Wenn sich Frau Osthoff entgegen dem Rat der Bundesregierung und ohne Not erneut in Gefahr begibt, muss sie auch mit den Konsequenzen leben", sagte Homburger der "Welt". "Es kann nicht sein, dass die Allgemeinheit für die Dummheit einzelner zahlt. Das gilt für alle, die sich entgegen Warnungen in Gefahr begeben", sagte Homburger.

Nach Einschätzung des Leipziger Rechtsexperten und sächsischen Verfassungsrichters Martin Oldiges muss die Bundesregierung Osthoff im Falle einer erneuten Entführung nicht unbegrenzt helfen. "Dem Auswärtigen Amt ist es mit viel Aufwand gelungen, Frau Osthoff freizubekommen, es hat danach eine klare Warnung ausgesprochen", sagte Oldiges der "Leipziger Volkszeitung". Im Fall ihrer erneuten Entführung "läge es im Ermessen der Regierung, deutlich weniger Einsatz zu zeigen".

ZDF strahlt Teile aus Osthoff-Interview aus

Das ZDF strahlte im "heute journal" gestern Teile eines mit Susanne Osthoff am Dienstag geführten Interviews aus. Osthoff wurde dem ZDF aus dem Studio des arabischen Nachrichtensenders al-Dschasira in Doha, der Hauptstadt Katars, zugeschaltet. Sie erschien bis auf einen schmalen Schlitz für die Augen komplett verschleiert.

Offenbar hatte der Sender zuvor gezögert, das Interview, dessen Wortlaut auf der Internet-Seite des ZDF veröffentlicht wurde, überhaupt auszustrahlen. Osthoff machte in dem Gespräch einen stark verunsicherten Eindruck, antwortete kaum auf die ihr gestellten Fragen und redete oft in bruchstückhaften Sätzen. Ein klarer Gesprächsablauf war kaum festzustellen.

Osthoff sagte, sie gehe davon aus, dass ihre Geiselnehmer aus dem Umfeld des al-Qaida-Anführers im Irak, Abu Mussab al-Sarkawi, stammen. Sie sei informiert worden, um wen es sich bei den Entführern gehandelt habe, sagte Osthoff in dem Gespräch. Über Details ihrer Entführung wollte Osthoff sich nicht äußern: "Das interessiert niemanden, ein Kidnapping läuft mit Gewalteinwirkung ab, in der Regel."

Zur Frage, ob sie in den Irak zurückkehren wolle, sagte die 43-Jährige: "Es ist eine komplette Lüge." Sie habe so etwas noch nie behauptet. In den vergangen Tagen hatten Außenminister Frank-Walter Steinmeier und Außenpolitiker der Koalition an Osthoff appelliert, nicht wieder in das Land zurückzukehren und sich der Gefahr einer erneuten Entführung auszusetzen.

Dankbar zeigte sich Osthoff gegenüber Altkanzler Gerhard Schröder, der in einem arabischen TV-Sender an die Entführer appelliert hatte, die Archäologin freizulassen. "Ich möchte das jetzt noch sagen, ich danke Herrn Gerhard Schröder für diese Ansprache, denn das hat mir viel geholfen."



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