Irak Geisel-Video beunruhigt Bundesregierung

Der Krisenstab der Bundesregierung berät über das neue Video der deutschen Geiseln im Irak. Sie zeigt sich "in großer Sorge" über ihr Schicksal - und verurteilt das Video als erniedrigend und demütigend.


Berlin - "Es ist bitter, mit ansehen zu müssen, wie hier zwei Menschen vor laufender Kamera erniedrigt und gedemütigt werden. Wir sind in großer Sorge um das Schicksal der beiden Geiseln", sagte der Sprecher des Auswärtigen Amtes, Martin Jäger, heute in Berlin. Der Krisenstab des Auswärtigen Amtes werde wegen der neuen Videobotschaft am Nachmittag erneut zu Beratungen zusammenkommen. "Wir arbeiten weiter sehr hart daran, dass die beiden zu ihren Familien zurückkehren können."

Zweites Geisel-Video: Hannelore K. und ihr Sohn Sinan sind seit acht Wochen in der Hand der Entführer
REUTERS

Zweites Geisel-Video: Hannelore K. und ihr Sohn Sinan sind seit acht Wochen in der Hand der Entführer

Die neue Videobotschaft wurde nach Angaben Jägers gegen Mitternacht ins Internet eingestellt und von den Experten des Krisenstabes gegen 1:00 Uhr entdeckt. Die Fachleute hätten das Video bereits die Nacht über intensiv ausgewertet und erste Einschätzungen vorgenommen.

Am Nachmittag wolle der Krisenstab seine Bewertung überprüfen und möglicherweise auch Schlussfolgerungen aus dem Video ziehen. Einzelheiten wollte Jäger mit Rücksicht auf die Arbeit des Krisenstabes nicht nennen.

Die Entführergruppe "Pfeile der Rechtschaffenheit" hatte der Bundesregierung in dem Video ein zweites Ultimatum zum Abzug der deutschen Truppen aus Afghanistan gestellt. Wie beim ersten Ultimatum drohten sie, ihre Geiseln zu töten.

Die neue Videobotschaft kam einen Tag nach dem Abflug von sechs Bundeswehr-Jets nach Afghanistan. Die Tornados sollen dort mit Aufklärungsflügen den Kampf gegen die radikal-islamischen Taliban unterstützen. Die erste Videobotschaft hatten die Geiselnehmer am Tag nach dem Bundestagsbeschluss über den Tornado-Einsatz veröffentlicht. Vor allem in Nordafghanistan sind derzeit als Teil der Nato-Friedenstruppe Isaf rund 3100 deutsche Soldaten stationiert.

Die 61-jährige Hannelore K. und ihr 20-jähriger Sohn Sinan waren Anfang Februar in Bagdad verschleppt worden. Ein erstes Ultimatum war am 21. März abgelaufen.

ler/Reuters/ddp



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.