Irak und Afghanistan Krisenstab befürchtet Tod deutscher Geiseln

Die deutschen Behörden gehen nach SPIEGEL-Informationen davon aus, dass die beiden entführten Deutschen Harald Kleber und Sinan Krause tot sind. Schon seit Monaten gab es keine Lebenszeichen mehr.


Hamburg - Zu den Geiselnehmern des im Februar 2007 in der irakischen Hauptstadt Bagdad entführten Krause gibt es seit Anfang des Jahres keinen Kontakt mehr. Das letzte Lebenszeichen stammt vom Juni vergangenen Jahres. Damals hatten US-Truppen in Bagdad bei einer Razzia einen Computer gefunden, auf dessen Festplatte Bilder von Sinan Krause und dessen Mutter Hannelore abgespeichert waren.

Der Krisenstab der Bundesregierung, der per Mittelsmänner über eine Freilassung des Technikers verhandelt hatte, weiß nicht, warum die Verbindung abgerissen ist; jegliche Versuche, die Kidnapper zu kontaktieren, blieben erfolglos.

Im Fall des Deutschen Harald Kleber, der im vergangenen Dezember in der westafghanischen Provinz Herat verschleppt wurde, befürchten deutsche Ermittler, dass der Schreiner entweder Anfang 2008 während eines massiven Kälteeinbruchs in der Geiselhaft erfroren sei oder die Strapazen der Geiselnahme an sich nicht überlebt habe.

Auf eine Ermordung des mit einer Afghanin verheirateten Ambergers weise bislang nichts hin. Ein letztes unbestätigtes Lebenszeichen hatten die deutschen Behörden Anfang Februar über Mittelsmänner erhalten. Mit Hilfe des afghanischen Geheimdienstes konnten sie nun sogar den mutmaßlichen Fundort der Leiche lokalisieren. Sie soll in einem Wasserbohrloch versteckt sein.

Die Bundeswehr hat die Stelle mit "Tornado"-Flugzeugen schon vor Wochen überflogen und fotografiert. Ob Klebers Leiche wirklich dort liegt, konnten die Bilder nicht klären. Sicherheitsbedenken hindern bisher sowohl die afghanische Armee als auch die internationale Schutztruppe Isaf, die Leiche aus jenem Versteck zu bergen, in dem noch ein gutes Dutzend Tote aus anderen Entführungen abgelegt worden sein sollen. Den deutschen Behörden fehlt deshalb die Möglichkeit, Klebers Tod offiziell zu bestätigen. Entführt worden war er, glaubt man im Krisenstab, weil es in seiner weiteren afghanischen Familie Streit um sein Geld gab.



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