Iran-Affäre Diplomat besucht verhaftete Reporter

Elf Tage hat es gedauert, jetzt durften die zwei deutschen Journalisten erstmals nach ihrer Festnahme in Iran mit einem Botschaftsvertreter sprechen. Den Männern gehe es gut, sagte Außenminister Westerwelle.

Guido Westerwelle: Drei Telefonate mit seinem iranischen Amtskollegen
AFP

Guido Westerwelle: Drei Telefonate mit seinem iranischen Amtskollegen


Berlin - Den beiden in Iran verhafteten deutschen Journalisten gehe es den Umständen entsprechend gut. Das war die Nachricht, mit der Außenminister Guido Westerwelle am Donnerstagnachmittag vor die Presse trat.

Mitarbeiter der deutschen Botschaft hätten jetzt Zugang zu den seit fast zwei Wochen inhaftierten deutschen Reportern, sagte Westerwelle. Im Gefängnis im nordiranischen Täbris konnte ein Botschaftsmitarbeiter nacheinander mit dem 35-jährigen Zeitungsredakteur und dem freiberuflichen Fotografen sprechen.

Westerwelle hatte mehrfach seinen iranischen Amtskollegen Manutschehr Mottaki gebeten, sich für eine konsularische Betreuung einzusetzen. Normalerweise wird sie in den ersten beiden Tagen nach einer Festnahme zugestanden. Westerwelle wiederholte am Donnerstag seine Forderung, die beiden Männer rasch freizulassen. "Wir arbeiten weiter mit aller Kraft daran, dass die beiden baldmöglichst wohlbehalten nach Deutschland zurückkehren können."

Einreise als Touristen

Das Ringen um den konsularischen Zugang zeigt, wie heikel der Fall ist. Dreimal hatte Westerwelle mit seinem Amtskollegen sprechen müssen, bis der Besuch im Gefängnis endlich stattfinden konnte. Neben dem Minister machte auch die Botschaft in Teheran bei den lokalen Behörden Druck. In Berlin wurde der iranische Gesandte ins Außenamt bestellt.

Die beiden Männer waren am 10. Oktober verhaftet worden, als sie in der nordwestiranischen Provinz Aserbaidschan mit dem Sohn und dem Anwalt der zum Tode durch Steinigung verurteilten Iranerin Sakineh Mohammad-Aschtiani sprechen wollten. Statt wie vorgeschrieben mit einem speziellen Medienvisum seien sie als Touristen eingereist, lautet der Vorwurf. Seitdem werden sie in einem Gefängnis der Provinzhauptstadt Täbris festgehalten. Die iranische Justiz hat mehrmals angekündigt, der Fall müsse untersucht werden.

Intern hofft man im Außenamt, dass Iran die beiden nur wegen des Visumsverstoßes bestraft und schnell ausweist. Die Diplomaten fürchten aber, dass das Regime die Gefangenen wie in vergleichbaren Fällen als politisches Faustpfand missbrauchen könnte.

Derzeit befindet sich auch eine Delegation des Bundestages in Iran. Bei ihren Gesprächen hatten die Abgeordneten alle relevanten Offiziellen zu einer schnellen Lösung des Falls gedrängt. "Wir sind froh, dass der Kontakt zu den beiden Deutschen endlich aufgenommen werden konnte", sagte Grünen-Chefin Claudia Roth am Donnerstag in Teheran. "Nun hoffen wir auf ein faires Verfahren und eine baldige Freilassung."

ler/mgb/dpa

insgesamt 5 Beiträge
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marypastor 21.10.2010
1. Warum
Zitat von sysopElf Tage hat es gedauert, jetzt durften die zwei deutschen Journalisten erstmals nach ihrer Festnahme in Iran mit einem Botschaftsvertreter sprechen. Den Männern gehe es gut, sagte Außenminister Westerwelle. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,724507,00.html
laesst man nicht in Deutschland zwei obskure Iraner wg. Verdachts auf Industriespionage verhaften ? Von diesen Typen muesste es doch genug bei uns geben.
angela_merkel 21.10.2010
2. Problem ist ja wohl ...
... das die beiden deutschen "Journalisten" mutmasslich nebenbei für den BND gearbeitet haben sollen. Das kommt in islamischen Ländern wohl häufiger mal vor. Kein Wunder, dass die Iraner sauer sind.
Koltschak 21.10.2010
3. Den Männern gehe es gut, sagte Außenminister Westerwelle.
Ja danke Herr Westerwelle, Sie setzen sich für die deutschen Journalisten ein! Das muss Ihnen erst einmal ein Politiker nachmachen. Der Iran ist kein Feindesland! Und ich hatte von Ihnen bisher so eine schlechte Meinung! "Den Männern gehe es gut", sagte Außenminister Westerwelle. Dann kann ich ja beruhigt schlafen gehen.
nongis 21.10.2010
4. Unverständnis !
Mir ist es unverständlich, dass intelligente Menschen, wohlwissend welche Folgen es haben kann, sich nicht vorher bemühen die eforderliche Genehmigung zu erlangen. Die Konsequenzen für das, aus iranischer Sicht illegale Vorgehen der Journalisten haben diese sich selbst zuzuschreiben.
aintnostyle 22.10.2010
5. ..
Zitat von marypastorlaesst man nicht in Deutschland zwei obskure Iraner wg. Verdachts auf Industriespionage verhaften ? Von diesen Typen muesste es doch genug bei uns geben.
weil a) das den Iran nicht interessieren würde. (höchstens für propagandazwecke frei nach... "Die westlichen Teufel") und b) das die situation weiter verschärfen würde (öl in feuer). Und ob die Jungs dann frei kommen.. fraglich..
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