Besuch in Iran Deutsche Delegierte in Broschüre mit Kopftuch abgebildet

Die Broschüre zu einer Iran-Reise von Politikern und Unternehmern aus Ostdeutschland sorgt für Aufregung. Die Fotos zeigen die Teilnehmerinnen mit Kopftuch. Kritiker sprechen von Anbiederung.

Auszug aus der Broschüre (Unkenntlichmachung von SPIEGEL ONLINE)

Auszug aus der Broschüre (Unkenntlichmachung von SPIEGEL ONLINE)


Nach dem Ende der Sanktionen gegen Iran hoffen viele westliche Unternehmen auf gute Geschäfte mit dem Regime. Vor zehn Tagen reiste auch eine Delegation von Politikern und Unternehmern aus Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt in den Iran. Doch nun müssen sich die Veranstalter für eine Broschüre rechtfertigen, die sie für die Reise hatten drucken lassen. Einige der Teilnehmerinnen sind darin mit Kopftuch abgebildet.

Nach Angaben des sächsischen Wirtschaftsministeriums wurde die Broschüre von der deutschen Außenhandelskammer Iran für die Kooperationsbörsen mit iranischen Unternehmen erstellt. Sie habe die Namen, Positionen und Fotos aller Delegierten enthalten, um die Gespräche zu erleichtern.

Ein Sprecher des Infrastrukturministeriums von Mecklenburg-Vorpommern sagte, man habe die Frauen so gezeigt, wie sie später im Iran auftreten würden, damit sie von den Gesprächspartnern leichter erkannt werden. Es sei keine Forderung aus Iran gewesen, betonte er.

Der sächsische Wirtschaftsminister Martin Dulig hatte laut "Bild"-Zeitung zunächst angegeben, man habe aus "pragmatischen Gründen" einfach die Fotos aus den Visa-Anträgen für die Broschüre verwendet. Die Staatskanzlei Mecklenburg-Vorpommern hingegen hatte laut "Bild" gesagt, man habe die Bilder bewusst ausgewählt, "um die Gepflogenheiten des Gastlandes zu respektieren".

Letzteres sorgt für Kritik, nicht nur von Frauenrechtlern. "Die Grenze der Anbiederung ist überschritten", sagte die sächsische Linken-Abgeordnete Sarah Buddeberg der "Bild". Der CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Feist sagte dem Blatt, mit den Fotos habe man den Frauen in Iran einen "Bärendienst" erwiesen. Niemand verlange dort solche Bilder.

Generell gilt allerdings, dass sich Frauen in dem muslimischen Land in der Öffentlichkeit nur mit Kopftuch zeigen dürfen.

vks/dpa



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