IS-Rückkehrer NRW nimmt radikalisierte Frauen in den Fokus

Von ideologisierten Frauen geht langfristig die gleiche Bedrohung aus wie von Männern, meint die Regierung in Nordrhein-Westfalen. Sie will mit einem Netzwerk aus Verfassungsschutz und Jugendämtern gegensteuern.

Frauen von IS-Mitgliedern in Nordsyrien: "Tragen die Dschihad-Ideologie an ihre Kinder und andere Frauen weiter"
AFP

Frauen von IS-Mitgliedern in Nordsyrien: "Tragen die Dschihad-Ideologie an ihre Kinder und andere Frauen weiter"


Die Militäroffensive der Türkei in Nordsyrien wirft erneut die Frage auf: Wie soll Deutschland mit IS-Rückkehrern umgehen, die dort derzeit in kurdischen Gefängnissen sitzen? Sollen sie gar nach Deutschland geholt und hier vor Gericht gestellt werden?

Die nordrhein-westfälischen Behörden wollen bei dem Thema besonders auf radikalisierte Frauen und Kinder achten. Es gehe darum, "die Ausbreitung ihrer Hass-Ideologie" zu stoppen, sagte Landesinnenminister Herbert Reul (CDU). Ein Netzwerk aus Verfassungsschutz, Jugendämtern und Schulen solle dabei helfen. Handlungsempfehlungen würden derzeit erarbeitet.

"Auf Dauer müssen wir alles daransetzen, diese Leute wieder zu entradikalisieren, damit sie keine Gefahr mehr für die Gesellschaft darstellen", sagte Reul. "Wichtigstes und erstes Ziel ist es, zu verhindern, dass diese oft kampferprobten Menschen hier wieder Straftaten begehen."

84 IS-Anhänger mit deutschem Pass in Syrien inhaftiert

In Syrien waren einer internen Auflistung der Bundesregierung zufolge zuletzt 84 Anhänger des "Islamischen Staats" (IS) mit deutschem Pass inhaftiert. Ein Drittel von ihnen wird als Gefährder eingestuft, 19 Männer und acht Frauen. Wie viele von ihnen die türkische Militäroffensive in Nordsyrien zur Flucht aus Haftanstalten und Lagern genutzt haben, ist unbekannt. Die Kämpfer der Terrormiliz IS und ihre Angehörigen waren zuletzt in Lagern festgehalten worden, die von kurdischen Gruppen kontrolliert wurden.

Von ideologisierten, weiblichen Rückkehrern gehen nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden langfristig genauso große Risiken aus wie von Männern. "Sie vernetzen die Szene und tragen die Dschihad-Ideologie an ihre Kinder und andere Frauen weiter", so das Düsseldorfer Innenministerium.

Derzeit hielten sich rund 300 Minderjährige mit Bezügen nach Deutschland in den Kriegsgebieten auf. "Sie sind Opfer des IS, des Krieges und der Ideologie ihrer Eltern."

mfh/dpa



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