CSU Seehofer möchte Merkels Islam-Satz nicht kommentieren

"Der Islam gehört zu Deutschland" - diesen Satz hat Kanzlerin Angela Merkel jüngst an deutsche Muslime gerichtet und damit ein politisches Zeichen gesetzt. CSU-Chef Horst Seehofer möchte dazu lieber nichts sagen.

CSU-Chef Seehofer: "Jahrhundertelange christlich-jüdische Tradition"
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CSU-Chef Seehofer: "Jahrhundertelange christlich-jüdische Tradition"


München - Die Äußerung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) über den Islam in Deutschland sorgt in der CSU für unterschiedliche Reaktionen. CSU-Chef Horst Seehofer lehnte eine Bewertung von Merkels Satz, der Islam gehöre zu Deutschland, ab: "Ich bin doch kein Zensor", sagte er. Er wolle keine Debatte über Merkels Äußerung anfangen. Die CSU betone aber lieber ihr christliches Erbe: "Wir haben eine jahrhundertelange Tradition, die in den christlich-jüdischen Wurzeln fußt."

Seehofer sagte, dass das christliche Erbe keine Einschränkung des Islam in Bayern bedeute: "Respekt bedeutet, dass man nicht nur etwas hinnimmt, sondern auch die Entfaltung ermöglicht."

Die Aussage, dass der Islam zu Deutschland gehöre, wurde 2010 vom damaligen Bundespräsidenten Christian Wulff geprägt. Sie hatte in der CSU heftige Kritik ausgelöst. Beim Besuch des türkischen Premiers Ahmet Davutoglu hatte Merkel die Aussage wiederholt.

In der CSU-Spitze gibt es für Merkels Äußerung wenig Zustimmung. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hatte ausdrücklich vermieden, sich den Satz zu eigen zu machen. Er sagte stattdessen, "viele Muslime" gehörten zu Deutschland. Auch aus konservativen Kreisen der CDU kam Kritik. Der CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach sagte, er teile Merkels Einschätzung in ihrer Pauschalität nicht.

mka/dpa



insgesamt 22 Beiträge
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j.igelmann 14.01.2015
1. Seehofer sagt es doch, er ist nicht
Ihrer Meinung. Das hat es schon bei Wulff gesagt und das ist gut und richtig! Er könnte es noch besser machen, wenn er die CSU als bundesweite Partei etabliert. Dann könnte er 2018 als Kanzler antreten. Aber er scheint schon zu müde zu sein.
itsamadworld 14.01.2015
2. Merkels Schönrederei ...
... muss man sich doch nicht automatisch anschließen. Manchmal ist es vielleicht einfach besser, weil auch ehrlicher, wenn man einfach die Klappe hält. Natürlich gibt es in der aktuellen Tagespolitik genügend Anknüpfungspunkte, die zu einem Statement auffordern. Nur sind diese allgemein gehaltenen Bemerkungen einfach peinlich und ebenso verlogen, wenn man sich mal die Realität in Gegenwart und Geschichte ansieht.
marius_k 14.01.2015
3.
Könnte sich Hörst Seehofer nicht einfach vornehmen, in Zukunft gar nichts mehr zu kommentieren? Und wenn sich die gesamte CSU ihm dann auch noch anschließen könnte, dann wäre das noch besser.
Der Pantokrator 14.01.2015
4.
Die Merkel würde halt auch ihre eigene Großmutter an Usama direkt in die Hölle verkaufen wenn Sie damit ein paar Stimmen mehr abfischen kann. Durchschaubarste Manöver. CSU-Friedrich liegt völlig richtig mit seiner Befürchtung, dass Merkel für kurzfristige Wahlerfolge die Basis des Erfolgs der CDU zerstört und damit dem Aufstieg nationalkonservativer und rechtsradikaler Parteien den Weg bereitet. Danke Frau Merkel, danke CDU, danke auch der "Konkurrenz" von Rot und Grün.
Schlaflöwe 14.01.2015
5. Es ist doch keine intellektuelle Leistung zu erkennen,
dass Millionen Moslems ihre Religionszugehörigkeit bei der Einreise nicht an der Grenze zurück gelassen haben. Ob es uns passt oder nicht, der Islam ist da und wird nicht mehr verschwinden. Wir müssen uns damit arrangieren. Die Tatsache bestreiten zu wollen, ist jedenfalls iire.
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