Islam in Sachsen Politiker distanzieren sich von Tillich-Äußerung

"Der Islam gehört nicht zu Sachsen": Kurz vor der nächsten Pegida-Demo sorgt CDU-Ministerpräsident Tillich für Empörung. Die Opposition wirft ihm Anbiederung an die anti-muslimische Bewegung vor.

Stanislaw Tillich bei einem Parteitag (Archivbild): Der Ministerpräsident gerät wegen Interview-Äußerungen zum Thema Islam in die Kritik
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Stanislaw Tillich bei einem Parteitag (Archivbild): Der Ministerpräsident gerät wegen Interview-Äußerungen zum Thema Islam in die Kritik


Hamburg - Nach einem Interview zum Thema Pegida und Zuwanderung steht Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich in der Kritik. Tillich signalisiere den Pegida-Demonstranten Verständnis, kritisierte Grünen-Fraktionschef Volkmar Zschocke. Diese würden das als Bestätigung ihrer Vorurteile verstehen.

In dem Gespräch mit der "Welt am Sonntag" hatte Tillich der Aussage von Bundeskanzlerin Angela Merkel widersprochen, der Islam gehöre auch zu Deutschland. Er teile diese Auffassung nicht, sagte der CDU-Politiker. Muslime seien in Deutschland willkommen und könnten ihre Religion ausüben. "Das bedeutet aber nicht, dass der Islam zu Sachsen gehört."

Dieser Ansicht Tillichs widerspricht Sachsens stellvertretender Ministerpräsident Martin Dulig: "Angela Merkel hat recht", schrieb der Parteivorsitzende der sächsischen SPD auf Twitter. "Der Islam gehört zu Deutschland. Das gilt auch für Sachsen."

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow äußerte sich ähnlich. "Die ca 70.000 Muslime in Thüringen gehören zu uns!", kommentierte der Linken-Politiker. Der Islam habe den vollen Schutz des Grundgesetzes - "für die Gläubigen gilt dies erst recht!".

Der Vorsitzende der Linksfraktion, Rico Gebhardt, erklärte, wo es Muslime gebe, gebe es den Islam - auch in Sachsen. Wer etwas anderes behaupte, bediene die Feinde einer offenen Gesellschaft.

Der Sprecher des Bündnisses "Dresden für alle", Eric Hattke, nannte die Äußerung Tillichs ein falsches politisches Signal. Der Grünen-Bundespolitiker Volker Beck erklärte, die ganze Debatte habe nur eine Botschaft: "Wir wollen euch nicht."

In Deutschland leben rund vier Millionen Muslime, 98 Prozent von ihnen in den westdeutschen Bundesländern. In Sachsen sind es nur 0,7 Prozent.

In Dresden hat am Sonntagnachmittag die erste Pegida-Kundgebung nach dem Demonstrationsverbot vor einer Woche stattgefunden. Zu der Veranstaltung auf dem Theaterplatz kamen nach Angaben der Polizei rund 17.300 Demonstranten. Laut Schätzungen von Pegida auf Facebook sollen es 20.000 bis 25.000 Menschen gewesen sein. An einer zeitgleich stattfindenden Gegendemonstration beteiligten sich nach Polizeiangaben 5000 Menschen.

mbö/dpa/AFP



insgesamt 64 Beiträge
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Seite 1
c.klaus 25.01.2015
1. ekelig
wie der Herr Ministerpräsident sich da rechts anbiedert ...
vielflieger_1970 25.01.2015
2. Herr Tillich,
ich dachte dümmer wie Bachmann geht nicht? Aber eine sehr schöne Einzelleistung, um Pispers zu zitieren;-)
GOLUM 25.01.2015
3. Die meisten ...
... Rechten sind in der Regierung
michaelXXLF 25.01.2015
4. Nach der Logik
gehört Sachsen nicht zu Deutschland.
Ein_denkender_Querulant 25.01.2015
5. Freie Meinungsäußerung
Als Privatmann könnte Herr Tillich solche Stammtischthesen gerne unbestraft vertreten. Als Ministerpräsident sollte er aber umgehend zurücktreten. Das Grundgesetz sieht Religionsfreiheit explizit vor. Ein Ministerpräsident, der das Grundgesetz mit Füßen tritt, sollte entweder eine 2/3 Mehrheit hinter sich wissen und schnellst möglich das Grundgesetz ändern lassen, oder die Konsequenzen aus diesem ungeheuerlichen Fehltritt ziehen. Ich sage schon mal: Auf Wiedersehen Herr Ministerpräsident!
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