Islaminstitut Streit über Imam-Ausbildung in Berlin

An einer Universität in Berlin sollen bald Imame und Islamlehrer ausgebildet werden. Konservative Islamverbände wie Ditib bestehen darauf, ihnen unliebsames Lehrpersonal verhindern zu können.
Die Humboldt Universität zu Berlin

Die Humboldt Universität zu Berlin

Foto: imago/ ZUMA Press

Schon Ende 2019 sollen an der Humboldt-Universität (HU) die ersten Imame und Islamlehrer ausgebildet werden. Doch die Gründung für das neue Institut der Islamischen Theologie wird von einigen Muslimverbänden zunehmend erschwert.

Vier Verbände weigern sich bisher, einen seit anderthalb Jahren vereinbarten Kooperationsvertrag mit der HU zu unterschreiben. Darunter auch der mitgliederstärkste Islamverband in Deutschland, die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (Ditib). Eine Frist, die diese Woche ablief, ließen die Verbände verstreichen.

"Wir und die Humboldt-Universität wollen das Institut für Islamische Theologie trotzdem auf jeden Fall gründen", sagte Berlins Wissenschaftsstaatssekretär Steffen Krach (SPD) dem SPIEGEL. Man zeige sich gesprächsbereit, sagt Krach, eine Nachverhandlung des Vertrags sei allerdings ausgeschlossen.

Streit über Personalfrage

Konkreter Streitpunkt ist die Berufung des Lehrpersonals am Institut. Darüber bestimmen soll ein Beirat, in dem jeweils fünf Vertreter von Islamverbänden und vier der Universität sitzen. In dem Kooperationsvertrag ist geregelt, dass der Beirat mit Zweidrittelmehrheit entscheidet. Dadurch besteht die Möglichkeit, die drei konservativen Verbände in dem Gremium (Ditib, Islamische Föderation, Verband der Islamischen Kulturzentren) zu überstimmen, was diese nicht akzeptieren wollen. Sie fordern zudem eine Sperrminorität, um mögliche Professoren zu verhindern, die sie für unpassend halten.

Sollte es nicht zu einer Einigung kommen und die Verbände aus der Kooperation aussteigen, würde das bei der Gründung des Instituts zumindest verfassungsrechtliche Fragen aufwerfen. Aufgrund des in der Verfassung verankerten Selbstbestimmungsrechts der Religionen müssen die Verbände bei der Imam-Ausbildung an den Universitäten eingebunden werden. Das Problem: Der Islam ist nicht zentral organisiert, es gibt unzählige Gemeinden, die aber insgesamt auch nur ein Viertel der Muslime in Deutschland vertreten.

Zudem könnte das Zerwürfnis auch negative Folgen für die künftigen Absolventen der neuen Studiengänge bedeuten: Zwei der großen Verbände betreiben immerhin über 1000 Moscheen in Deutschland. Wo sollen die ausgebildeten Imame arbeiten, wenn nicht dort?

Ditib hält sich alle Optionen offen

Auf Anfrage bei Ditib heißt es kurzangebunden, es sei noch offen, wie man sich verhalte. Dass der Vertrag doch noch unterschrieben wird, sei nicht ausgeschlossen. Ditib sorgte zuletzt für Schlagzeilen, weil einige Imame auch in Deutschland Muslime dazu aufriefen, für die Militäroffensive der Türkei im syrischen Afrin zu beten.

Der Gründungsbeauftragte des Instituts, Michael Borgolte, erklärte, es sei durchaus möglich, dass man auch andere Verbände anfragen werde, sollte es nicht zu einer Einigung kommen. Dann könnte auch die neue reformorientierte Ibn-Rushd-Goethe-Moschee in Berlin zum Zug kommen, die eine Beteiligung schon im Januar in einem offenen Brief gefordert hatte.

Die Mitbegründerin der liberalen Moschee Seyran Ates kritisierte die Beteiligung von Ditib am islamischen Institut der HU, da Ditib aus ihrer Sicht nicht die Muslime, sondern die Interessen des türkischen Staates vertrete. Zudem fordert die Imamin, dass weitere Verbände beteiligt werden.

"Für mich gehören nicht nur die liberalen Muslime an den Tisch, sondern zum Beispiel auch die Ahmaddiya, afrikanische und bosnische Gemeinden sowie Sufi-Vertreter", sagt Ates. Sollten die Verbände austeigen, stehe sie nur bei einer breiteren Beteilung zur Verfügung. "Für mich ist klar, dass ich dem Beirat nicht beitreten werde, solange nur Flickschusterei betrieben wird. An den Tisch gehören alle oder keiner." Der Beirat solle, so Ates, außerdem nur beratende und nicht entscheidende Funktion haben.

Für den 13. April hat der Berliner Senat nun die Verbände zu einem Krisentreffen eingeladen, neu verhandelt werden solle auf gar keinen Fall. Ob die Islamverbände auf das erneute Gesprächsangebot eingehen, ist derzeit noch unklar.

Islamische Verbände in Deutschland

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