Islamischer Festtag Ströbele bleibt in Feierlaune

Christian Ströbele will unbedingt feiern. Nachdem der Bundestagsabgeordnete der Grünen für seinen Vorschlag, in Deutschland einen islamischen Festtag einzurichten, einhellige Ablehnung kassiert hatte, plant er um. Nun plädiert er für einen "Feiertag der Weltreligionen", um die Integration von Ausländern zu fördern.


Berlin - "Dümmliche Provokation", wetterte die FDP, "Wahlkampfgerede", monierte die evangelische Bischöfin Margot Käßmann, "völlig falsches Signal", erklärte CSU-Chef Edmund Stoiber. Durch seine Forderung nach einem islamischen Feiertag hat Ströbele einen Sturm der Entrüstung in allen politischen Lagern ausgelöst.

Nun lenkt der Grüne ein bisschen ein. Nein, einen bundesweiten Festtag wolle er nicht mehr, höchstens einen in Bundesländern mit wenigen Feiertagen und vielen Muslimen, "zum Beispiel in Berlin". "Ich will den Christen nichts wegnehmen", sagte er der "taz" Auch ein "Feiertag der Weltreligionen" sei denkbar, so Ströbele. Die Vorschläge sollen dazu dienen, dem Islam mehr Respekt entgegenzubringen und so die Integration zu fördern.

Doch selbst die Parteifreunde mögen ihm nicht folgen. Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt bekräftigte, jeder könne seinen Feiertag begehen, wann er möchte. Dies umzusetzen sei aber Aufgabe der Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) stellte klar, dass er sich Ströbeles Vorschlag nicht angeschlossen habe, sondern sich lediglich "offen für einen islamischen Feiertag in Deutschland" gezeigt habe. Darauf müssten sich aber erst die Muslime verständigen.

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Marieluise Beck (Grüne), lehnte Ströbeles Vorschlag ebenfalls ab. Vernünftig seien hingegen arbeitsrechtliche Regelungen, damit gläubige Muslime an ihren Feiertagen Urlaub nehmen können.

Aber auch Bundesinnenminister Otto Schily (SPD), CDU-Chefin Angela Merkel, der CSU-Vorsitzende Edmund Stoiber, die FDP und Kirchenvertreter wiesen den Vorstoß umgehend zurück. Die Vorsitzende des Zuwanderungsrats, Rita Süssmuth, sagte im Deutschlandfunk: "Niemand käme in einem anderen Land darauf, in einem arabischen, einen christlichen Feiertag einzuführen. So dass ich mehr die Diskussion darauf lenken würde, wie gehen wir mit den Feiertagen - in diesem Fall der bei uns lebenden Muslime - um."



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