"Islamischer Staat" Bundesregierung vermutet Dutzende deutsche IS-Kinder in Syrien

Rund 60 Kinder deutscher IS-Anhänger sollen sich in Internierungslagern in Syrien aufhalten. Die Bundesregierung unternehme nichts, kritisieren die Grünen.

Flagge der IS-Terroristen (Symbolbild)
AFP

Flagge der IS-Terroristen (Symbolbild)


Die Bundesregierung nennt erstmals genaue Zahlen zu Kindern deutscher IS-Anhänger, die in Syrien in Internierungslagern festgehalten werden. "Der Bundesregierung liegen Erkenntnisse zu mindestens 59 Kindern mit mutmaßlich deutscher Staatsangehörigkeit vor, die sich in Syrien befinden", heißt es in einer Antwort auf eine kleine Anfrage der Grünen-Innenpolitikerin Irene Mihalic, die dem SPIEGEL vorliegt.

Auf die Frage, ob diese Jungen und Mädchen aus Rücksicht auf das Kindeswohl möglichst bald nach Deutschland zurückgebracht werden, antwortet die Regierung zurückhaltend. Weil die deutsche Botschaft in Syrien geschlossen sei, sei eine konsularische Betreuung nicht möglich. Unabhängig davon prüfe die Bundesregierung "mögliche Optionen, um deutschen Staatsangehörigen, auch in humanitären Fallen, eine Rückführung nach Deutschland zu ermöglichen". Diese Prüfung sei aber "noch nicht abgeschlossen".

Kühl reagiert die Bundesregierung in ihrer Antwort auf die kleine Anfrage auf das Drängen von US-Präsident Donald Trump, der Deutschland, Frankreich und Großbritannien im Februar per Twitter aufgefordert hatte, sie sollten die in Syrien inhaftierten IS-Anhänger aus ihren Ländern zurückbringen und vor Gericht stellen. "Die Bundesregierung hat die Aussage des US-Präsidenten zur Kenntnis genommen", heißt es. Man führe Gespräche mit den USA und europäischen Partnern über "das weitere Vorgehen im Umgang mit den in Syrien festgehaltenen deutschen terroristischen Kämpfern".

Der Grünen-Politikerin Mihalic reicht das nicht. "Ich kann beim besten Willen keine Strategie der Bundesregierung erkennen, wie sie mit der Frage der Rückkehr von IS-Kämpfern mit deutschem Pass umgehen möchte", sagt sie. "Man scheint auf den Faktor Zeit zu setzen und darauf, dass sich die Dinge von selbst erledigen."

Am dringendsten müsse geklärt werden, wie die Kinder der IS-Anhänger nach Deutschland zurückgebracht werden könnten, so Mihalic: "Sie konnten nichts dafür, dass sich ihre Eltern entschieden haben, in den IS zu ziehen. Die Kinder leben dort unter schwierigsten Bedingungen, sind oft unterernährt und werden auch misshandelt."


Lesen Sie hier eine Reportage über das Schicksal der IS-Kinder in einem Krankenhaus der kurdisch kontrollierten Stadt Hasaka in Syrien.

Im Video: Deutsche IS-Frauen - Von Hamburg nach Rakka

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