Festnahmen in Schleswig-Holstein Mutmaßliche IS-Kämpfer wollten Kommunikation vertuschen

Sie wechselten die Sim-Karten und nutzten temporäre Nummern: Die festgenommenen Terrorverdächtigen versuchten nach Informationen des SPIEGEL offenbar mit großem Aufwand, sich vor den Behörden zu verstecken.
Terrorverdächtiger vor Bundesgerichtshof in Karlsruhe

Terrorverdächtiger vor Bundesgerichtshof in Karlsruhe

Foto: Uli Deck/ dpa

Die drei mutmaßlichen Kämpfer des "Islamischen Staates" (IS), die neun Monate lang in Asylunterkünften in Schleswig-Holstein lebten, haben nach Auffassung der Ermittler großen Aufwand betrieben, um unentdeckt zu bleiben.

Die drei Männer kommunizierten nach Informationen des SPIEGEL laut ersten Ermittlungsergebnissen über die Messengerdienste Telegram, Viber und Skype, die wegen ihrer Verschlüsselung von den deutschen Behörden schwer zu überwachen sind. Zudem wechselten sie offenbar mehrmals die Sim-Karten ihrer Telefone. In einem Fall mietete einer der Männer eine temporäre Telefonnummer im Internet, über die eine Verbindung zu einer "relevanten Person" in Rakka, der IS-Hochburg in Syrien, zustandegekommen sein soll. Bis auf das Wort "Hallo" wurde allerdings nichts gesagt. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

US-Dienste waren an der Überwachung der drei Verdächtigen maßgeblich beteiligt. Bei der Durchsuchung ihrer Wohnungen am Dienstag entdeckten die Ermittler mehrere Computer, Mobiltelefone und 1500 Dollar in bar, allerdings weder Sprengstoff noch Waffen.

Ibrahim M., Mohamed A. und Mahir Al-H. waren Ende vergangenen Jahres aus Syrien nach Griechenland gekommen. Sie wurden am 13. November 2015 in Mytilini auf Lesbos als Flüchtlinge registriert - dem Tag, an dem IS-Terroristen in Paris 130 Menschen töteten. Anschließend reisten sie nach Deutschland. Noch im November wurde einer von ihnen im bayerischen Erding registriert; die Behörden vermuten, dass sich zu diesem Zeitpunkt auch die beiden anderen dort aufhielten.

Alle drei wurden schließlich am 7. Dezember im schleswig-holsteinischen Boostedt erkennungsdienstlich behandelt. Danach wurden sie als potenzielle Gefährder zum Teil rund um die Uhr verdeckt überwacht. Die Behörden sorgten dafür, dass sie in räumlicher Nähe zueinander untergebracht wurden, um sie besser observieren zu können. Die Asylanträge der drei wurden bewusst nicht entschieden, um weiteres Beweismaterial sammeln zu können. Die Ausbeute nach rund neunmonatiger Observation war gering.

Allerdings sollen die Pässe der drei Männer aus derselben syrischen Fälscherwerkstatt stammen wie die Dokumente zweiter Attentäter aus Paris.

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