Völkermord-Vorwurf Mann der IS-Rückkehrerin Jennifer W. nach Deutschland ausgeliefert

Gemeinsam mit seiner deutschen Frau soll er ein jesidisches Mädchen verdursten haben lassen. Die Bundesanwaltschaft wirft einem Iraker deshalb Völkermord vor. Jetzt sitzt er in Deutschland in U-Haft.

Jennifer W. betritt einen Gerichtssaal in München (Archivfoto)
Peter Kneffel/ DPA

Jennifer W. betritt einen Gerichtssaal in München (Archivfoto)


Die Bundesanwaltschaft wirft dem Mann der IS-Rückkehrerin Jennifer W. Völkermord vor. Der qualvolle Tod eines jesidischen Kindes sei in den Plan der Terrormiliz Islamischer Staat eingebettet gewesen, die Jesiden auszurotten, erläuterte ein Sprecher der obersten deutschen Anklagebehörde in Karlsruhe. Dem Iraker mit dem Namen Taha A.-J. würden außerdem Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Kriegsverbrechen und Menschenhandel vorgeworfen.

Gemeinsam mit seiner deutschen Frau Jennifer W., die aus dem niedersächsischen Lohne stammt, soll Taha A.-J. das fünfjährige Kind und dessen Mutter 2015 aus einer Gruppe von jesidischen IS-Gefangenen als Sklaven gekauft haben. Mutter und Kind wurden von den beiden laut Bundesanwaltschaft nur unzureichend mit Lebensmitteln und Wasser versorgt.

Nach Angaben der Ermittler untersagte Taha A.-J. den Jesidinnen, die eigene Religion auszuüben, und zwang sie, zum Islam zu konvertieren, den Koran zu lesen sowie regelmäßig zu beten. Als das Mädchen krank ins Bett machte, soll der Iraker es im irakischen Falludscha zur Strafe in der prallen Sonne angekettet haben. Dort sei das Kind bei sengender Hitze qualvoll verdurstet.

Jennifer W. soll tatenlos zugesehen haben

Das mutmaßliche IS-Mitglied Taha A.-J. war im Mai in Griechenland geschnappt, am Mittwoch nach Deutschland überstellt und am selben Tag am Frankfurter Flughafen festgenommen worden. Am Donnerstag ordnete ein Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs Untersuchungshaft an.

Gegen Jennifer W. hatte die Bundesanwaltschaft bereits im Dezember Anklage vor dem Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts München erhoben. Sie steht vor Gericht, weil sie dem Geschehen tatenlos zugesehen haben soll. Neben der Mitgliedschaft in der Terrororganisation IS wirft ihr die Anklage deshalb Mord durch Unterlassen und Kriegsverbrechen vor.

Schwerste Völkerrechtsverbrechen können nach dem Weltrechtsprinzip unabhängig vom Tatort und der Nationalität des Täters überall geahndet werden, also auch in Deutschland.

jki/dpa



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